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Männer auf Touren

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Sonntag 1. März 2009

Flatzer Wand
Ternitz - Döppling  - Flatz  - Flatzer Wand Riessteig  - Neunkirchner Haus  -  Döppling - Ternitz

  Auch diesmal haben bei nebeligtrübem Wetter mehr mitgemacht, als erwartet:

Alois, Dieter, Emil,  Erich, Erik, Frankie, Helmut, Helmut mit Emmi und Harry, Igo, Josef,  Josef,  Rainer, Roland, Thomas, Thomas, Walter, Werner und Wolfgang. Im Neunkirchner Haus kam noch Gery aus Sieding dazu. Er hatte Uran mitgebracht; einen riesigen  ungestümen, verspielten und verschmusten schwarzen Französischen Schäfer, der vor Begeisterung die Tische verschob.

Die 18 wurde vielleicht auch deswegen erreicht, weil wir uns erst um 09:10 trafen und daher Ausreden weniger gut angekommen wären. Am 22. Februar war das Motto leider „Frankie allein im Schnee“.

Abfahrt um 09:23 nach Wiener Neustadt. Ab Meidling ohne Halt.  Da kam ja fast  ein kleines Geschwindigkeitsräuscherl auf. Umsteigen in Wr. Neustadt und gleich vom Gleis gegenüber weiter. Ankunft in Ternitz ziemlich pünktlich um 10:20.

Gegenüber des Bahnhofes zwei Tafeln. Roland vertiefte sich gleich in die linke, welche die geöffneten Mostheurigen zeigte. Die Tafel rechts daneben mit dem Stadtplan interessierte ihn weniger. Wir marschierten um 10:24 ab und auf der eher belanglosen „Straße des 12. Februar“  an Kirche und Stadthalle vorbei zum Friedhof und dann kurz bergauf in den Föhrenwald Richtung Döppling (ca. 400m). Weiter auf einem Feldweg und wieder durch den Wald bis Flatz (461m). Von da an wurde es schon etwas steiler und nach einem kurzen Waldstück waren wir direkt am Einstieg zum Riessteig, einem angeblich leichten Felsensteig. Nicht alle ließen sich von dieser Verniedlichung täuschen und gingen unter der Wand Richtung Süden, um einen bequemeren Anstieg zu suchen.

Der Rest machte sich an den  Aufstieg und der ließ sich eher gemütlich an. Steil zwar und hin und wieder ein paar größere Felsstücke, aber keine große Herausforderung. Die stellte sich erst nach und nach ein, als wir dann plötzlich auf allen Vieren hochkletterten und uns an glitschigen Felszacken festhielten. So dramatisch war es nicht, denn es war nie ausgesetzt und nach jedem Kletterstück konnte man sogar im Stehen verschnaufen. Allerdings haben einige ob der Anstrengung den „Jausenstein“ gar nicht wahrgenommen.
Und wahrscheinlich auch nicht die einzigen Schneerosen, die wir an diesem Tag sahen. Auch mit Höhenangst war es zu schaffen. Die Witterung machte den Weg nicht nur beschwerlicher, sondern beraubte uns auch der ansonsten sicher gewaltigen Aussicht. Hatten wir in Ternitz noch Hochnebel, so waren wir in der Wand mitten drin. Aber so etwa 10 Bäume weiter bzw. zurück konnte man sehen. Und als die ersten sich zu fragen begannen, wieso sie nicht auch unten entlang gegangen waren, hatten wir schon das obere Ende des Steiges erreicht. Hier teilte sich die Gruppe wieder. Etwa die Hälfte marschierte gleich ab, der Rest gönnte sich eine kurze Regenerationspause.

Laut einem der spärlichen Schilder waren es 30 Minuten bis zum Neunkirchner Naturfreundehaus. „Das schaffen wir in 20!“ Irrtum. All der Schnee, den wir beim Hochklettern zum Glück nicht hatten, war am Plateau noch da. Und zwar knöcheltief. Unsere Vorhut hatte einen Umweg gemacht, wie wir an einer Weggabelung an den Spuren bemerkten. Sie hatten wieder nicht auf die Markierung geachtet. Sportlich-pfiffig nahmen wir natürlich den vorgesehenen Pfad, der eigentlich gar nicht existierte, weil er seit dem letzten Schneefall nicht begangen wurde. Sicher mühsamer als die Variante die Walter & Co. gingen, aber viel, viel uriger und auch viel, viel sportlicher und überhaupt.

Doch knapp nach 13:00 waren alle bei der Hütte (758m). Die hatten mit 10 Personen gerechnet und nicht mit 18 bzw. 19 mit  Gery.  Das Extrazimmer reichte knapp  und der Wirt bat die 2 Frauen, die schon da waren, im Schankraum Platz zu nehmen, aber sie waren ohnehin schon im Gehen. Ob gerne ist nicht klar, sie hatten schon begonnen sich mit einigen von uns zu unterhalten. Am Berg quatscht man halt. So ist das eben.

Es gab Suppentopf, Nudelsuppe, Fritattensuppe, Linsen, Schweinsbraten mit Salat und Knödel und „nur mehr 3 Schweinsbraten mit Kraut und Knödel“ , Gulyasch  (neudeutsch: Gulasch), Apfelschnitte, Apfelkuchen, Schokotorte und Punschtorte. Von den Hauptspeisen landeten alle bei uns, von den Suppen war, glaube ich, keine Nudelsuppe dabei und bei den Süßspeisen ist es ohnehin sinnlos, auch nur ein kleines Maß an Kontrolle zu versuchen. Der Koch kam auch noch fragen, ob die Hunde Speckschwartel fressen dürften, was von deren verantwortungsvollen Besitzern strikt verneint wurde. Wir hungrigen Männer wurden nicht gefragt!

Kurz nach ½ 3 wieder hinaus in die feuchtgraue Nebelbrühe und weiter zum Gösing. Und da war sie auch gleich, die Verirrung, ohne die eine M.a.T.-Tour nicht das Wahre ist. Irgendwo gab es weder Pfeil, noch Markierung und wir wählten die bequeme breite und nicht so zugeschneite Forststraße, die aber irgendwann mit einem großen Wendeplatz endete. Wir nahmen  auch noch mutig einen noch schwach erkennbaren Weg in Angriff, mussten aber doch nach etwa 10 Minuten aufgeben. Die Unsicherheit, ob er uns auch wirklich auf den Gösing führen würde, war uns doch zu groß. Also wieder zurück zur großen Wegkreuzung „Kranzstetten“ (720m) und auf möglichst direktem Weg nach Ternitz. Nachdem der Gösing uns verschmähte, verschmähten wir die „Fleischesser-föhre“. Ein Baum mit einer für eine Schwarzföhre abnormen Größe und einem Wirrwarr an dicken Ästen.

Den Umweg hätten wir uns allerdings doch leisten sollen, denn kurz danach nahmen Emmi und Harry eine spannende Witterung auf und zogen ab. Emmi kam relativ bald zurück, allerdings hatte sie keinen Harry im Schlepptau. Und da half alles Brüllen nicht. Er war und blieb verschwunden. Schließlich entschied sich Helmut, zur Hütte zurückzugehen, weil er annahm, dass dies auch Harry tun würde. Die weitere Entwicklung blieb ungewiss, bis wir von  Döppling beim Neunkirchnerhaus anriefen (Helmuts Handy hatte keinen Saft mehr)  und erfuhren, dass der verschreckte Hund draußen vor der Tür gewartet hätte. Er beginnt zwar schon taub zu werden, aber dumm ist er offensichtlich nicht. War Beethoven ja auch nicht.

Um 16:55 trudelten wir schließlich am Bahnhof Ternitz ein. ¼ Stunde nach Abfahrt des Zuges. Das hieß bis 17:40 warten. Ein Teil verzupfte sich ins Cafe Mirco um dort den Inländeranteil von 0 auf 50% zu heben, der Rest blieb im Warteraum. Josef und Roland schoben ein kleines Power-Napping ein, wobei es nur der tierische Instinkt war, der Roland daran hinderte, von der Bank zu kippen. Das Klo war versperrt: von 20-5 Uhr geschlossen, dass es am Wochenende gar nicht aufgesperrt wurde, war nicht angeschrieben. Pinkeln kann man dort erst wenn der Rail-Jet in Ternitz Halt macht.

Um 17:40 waren alle da und auch Helmut hatte uns mit Emmi und Harry eingeholt. Er ist jetzt etwas zerknirscht und bittet alle um Entschuldigung. Es war ihm eine Lehre. In Zukunft will er für „Diana und Nimrod“  Leinenzwang auf Touren einführen. Hände zum Leine halten hätten wir ja genug.

Josef scharte im Zug noch 4 Männer um sich, die ab Wiener Neustadt mit einem REX non Stopp nach Wien glühten und sich 20 Minuten ersparten. Der Rest tratschte sich bis knapp vor sieben im Oberstock weg.

Trotz trüben Wetters kamen wir bei reiner Gehzeit von ca. 4 ¼ Stunden leicht ins Schwitzen. Und wenn man die kleinen Ab- und wieder Aufstiege dazurechnet, sind wir mindestens 400m hinauf gestiegen.

Und das hat uns auch bewegt:

Wohnung renovieren und gleichzeitig drinnen hausen müssen   -   geräucherte Schweinsohren   -   ästhetische P+R Anlagen in Deutschland in Form eines Ozeandampfers   -   Schweinsfilet mit Pflaumen   -   in Deutschland kennt man keine Fritattensuppe   -    es macht keinen Unterschied, ob man ein Kleinkind oder einen Greis reanimiert   -   macht ein GPS beim Wandern Sinn?   -    Verschrottungsprämie für Fahrräder; für und wider  -   die Vakuumklos der modernen Züge kann man auch während eines Stationshaltes benutzen   -   „Jöh Ternitz; da möchte ich gerne Urlaub machen!“ „???“   -   bei den Wendezügen kann die Lok auch hinten sein, der Lokführer ist  aber trotzdem vorne   -   Königsberger Klopse mit viel Kapern;  „Ja! Bitte gib noch mehr Kapern hinein!“   -   „Was?“ (erster Kommentar zu den Ergebnissen der Landtagswahlen )  -   Grütze, rote Grütze und Kirschgrütze   -   für Föhrenwälder typische Pilze und ihre Verwendung in der Küche   -   „No“ (mit offenem O) aus  Schlesien und/oder Oberlausitz  oder sonst wo bedeutet dasselbe wie „Netta“  im westlichen Österreich; nämlich soviel wie ja oder nein oder alles oder einfach gar nichts. Und dazu vielleicht aus gegebenem Anlass das auch im Schwarzatal gebräuchliche „Eppa“  mit ähnlich vielschichtiger Aussagekraft und gerne verwendet als „bist eppa deppat?“.

Die Frage „was macht man eigentlich mit dem Föhrenharz, Seife nicht, dazu nimmt man Knochen“ wurde mittlerweile von Wolfgang beantwortet:
Aus dem gewonnenen Harz wird in Neunkirchen die bewährte Ehrenhöfer-Salbe hergestellt. Ein altes Hausmittel gegen Verspannungen und Muskelschmerzen. Wie heißt es doch? „Der Chemiker im Heim erspart das Googlen!“

Alles in allem: feucht und grau aber ungemein lehrreich!

R


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