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Sonntag 1. Juni 2008

Weichtalklamm & südlicher Grafensteig
Weichtalhaus/Höllental - Weichtalklamm - Kienthalerhütte -
südlicher Grafensteig - Haltestelle Baumgartner - Puchberg

  Mit dabei:
Alois, Bernhard, Bill, Erich, Frankie, Friedrich, Harald, Peter, Rainer, Roland und Werner.

Treffen im Regionalzug 2205 im 1. Wagen frühestens um 6:19 in Floridsdorf , spätestens um 6:53 in Liesing. Bis auf Bernhard und Harald waren wir in Meidling komplett. Die beiden kamen aus Eisenstadt und trafen in Wiener Neustadt auf uns. Wir waren 11. Bis Wiener Neustadt im Oberstock mit Blick auf den Schneeberg, der eine kleine Wolkenhaube trug. Umsteigen in Wr. Neustadt und weiter mit einer S-Bahn Garnitur nach Payerbach. Ankunft mit etwas Verspätung um 8:11. Der Bus ging um 8:15, aber Panik war keine nötig, der Kartenverkauf beim Fahrer zog sich ohnehin bis 8:21, weil jede Menge Wanderer unterwegs zur Rax und ins Höllental waren. Die 22 Minuten zum Weichtalhaus kosteten € 3.-; ein Schnäppchen im Vergleich zum kurzen Huster mit der Zahnradbahn. Aber davon später.

Ankunft 8:42 beim Weichtalhaus und gleich los in die Weichtalklamm. Der Weg verlief immer am Talboden und das Unangenehme waren bloß die großen Steine und Felsbrocken, welche manchmal zu übersteigen waren. Zum Teil mit etwas gegrätschten Beinen, was die Gefahr zerrissener Hosen erhöhte. Die wirklich schwierigen Stellen erschienen nicht so, weil sie in einem so spektakulären Umfeld waren, dass wir nicht wussten, ob wir klettern oder nur schauen sollten.

Außerdem waren sie mit Leitern, Ketten und Eisenklammern sehr gut abgesichert. Die Klamm war stellenweise kaum 2 1/2 m breit, dann wieder mussten wir Felskamine hinauf, oder gingen unter zwischen den Wänden stecken gebliebenen Felsbrocken durch. Immer wieder öffnete sich das Tal und kurz darauf waren wir wieder zwischen hohen, eng beieinander stehenden Felswänden oder zogen an kleinen Tümpeln mit glasklarem Wasser vorbei. Die Blumenwelt war in den freieren Abschnitten von einer Pflanze dominiert, welche Roland als "Judentaler" identifizierte. Die Reaktionen waren unterschiedlich, aber er war der biologisch sattelfesteste unter uns. Wie viele Pflanzen, hat auch diese eine Unzahl von Namen u. a. Silberling oder Judas Silberling und für die, die es genau wissen wollen: Lunaria annua. Zumindest die Früchte sollten alle kennen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/boga/html/Lunaria_annua_Foto2.html
http://www.ruhr-uni-bochum.de/boga/html/Lunaria_annua_Foto.html

Um 9:42 machten wir eine zehnminütige Rast und um 10:45 waren wir bei der Kreuzung mit dem Ferdinand-Mayr-Weg. Die nur wenige Meter darunter liegende Jakobsquelle haben die meisten nicht oder zu spät bemerkt um Wasser zu tanken. Nach einem kurzen Fotostopp machten wir uns an die letzte Etappe zur Kienthaler-Hütte die uns um 11:25 begrüßen durfte. Wie wir vorab wussten, war das kulinarische Angebot bescheiden: Nudelsuppe und Erbsensuppe auf Wunsch mit Knödel und Holunder G'spritzter (1 Stamperl Holundersaft, 1/8 Weißwein, Sodawasser - sehr fein!). Viel Zeit nahmen wir uns nicht, denn der längere Teil der Wanderung stand uns noch bevor.

Um 12:05 trieb Roland die Truppe weiter zum südlichen Grafensteig. Wer sich an den Wanderkarten orientiert, denkt an einen beschaulichen Weg der hin und wieder etwas bergan oder bergab geht und dazu einlädt, sich dem Genuss der prachtvollen Aussicht hinzugeben. Dazu bestand zwar durchaus Gelegenheit, doch dass die An- und vor allem die Abstiege fast immer über Geröllhalden oder steile felsige Steiglein führten, ging aus den Karten nicht hervor. Auch wenn es jede Menge Sicherungen in Form von Steighilfen, Stahlseilen und Ketten gab, forsches Ausschreiten war nicht möglich. Und dazu sei mir eine persönliche Bemerkung erlaubt: Wanderstöcke mögen bei Wald-, Wiesen- und moderaten Plateauwanderungen durchaus hilfreich sein, an exponierten Stellen finde ich sie nur hinderlich.

Zu querende Geröllhalden gab es zur Genüge, aber auch herrliche Bergwiesen mit einer Vielfalt von Blumen. Außer den Maiglöckchen war alles da, was wir auch bei der Gippelwanderung schon sahen. Abgesehen davon, dass am Schneeberg schon einige Akeleien in voller Blüte waren. Außerdem noch Hirschzungen, Alpensterne, Großer Enzian, Frühlingskuhschellen, Wiesenkreuzblumen, Hauswurz, Erika und Steinbrech. Der Steig führte teils durch Hochwald oder zwischen Latschen hindurch und über die erwähnten Halden. Ganz vereinzelt nur querten wir kleinere Schneeflecken; eher schwarz als jungfräulich weiß. Und Gämsen sahen wir auch. Unterwegs wurden wir mehrmals von den angekündigten vereinzelten Regenschauern überrascht, die eher angenehm waren. Nicht so das Gewitter, welches sich langsam aber sicher durch dunkle Wolken und Donner ankündigte. Bei den Grundmauern des ehemaligen Baumgartner-Hauses war es schon ganz nah und auf den letzten etwa 500 Metern vor der Zahnradbahn-Station Baumgartner waren wir fast mitten drin. Wie ich erfahren habe, wurden an diesem Tag zwei Wanderer in der Obersteiermark vom Blitz getroffen und im Krankenhaus in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Da ist die Erinnerung an den immer wieder über uns kreisenden Hubschrauber auch nur eine schwache Beruhigung. Und die letzten 100 Meter wurden noch durch Graupelschauer aufgepeppt.

Zwischen 1/2 4 und 1/4 5 trafen schließlich alle bei der Station ein. Wir nutzten das Vordach und die kleine Auswahl des Buffets. Es war nicht geplant mit der Zahnradbahn weiterzufahren, aber den meisten war das Wetter zu heftig. Der nächste und letzte Zug ging um 16:30 von der Bergstation ab, ob er Platz hatte, wussten wir nicht. Eine Viertelstunde später war er da, hatte genügend freie Sitze und kostete € 21,65 pro Person, worauf einige fluchtartig den Wagen verließen und zu Fuß ins Tal gingen. Darunter auch Friedrich, Frankie und Peter, der es ohnehin abwegig fand, auf den Berg zu gehen und hinunter zu fahren. Über die Preise für nicht in dem Maße wie z.B. Pendlerverbindungen subventionierte Linien lässt sich streiten. Aber für den Betrag hätte ich mir zumindest erwartet, dass die Bahn imstande ist ein System einzuführen, welches den Wartenden an den Zwischenstationen Auskunft gibt, ob sie überhaupt Platz finden. Auf den zweisprachigen Hinweis, dass wir jetzt jenen Streckenteil passieren, auf dem die Bremsen getestet werden und dass ich im Souvenirshop Ramsch kaufen darf, kann ich verzichten. Doch dass der Preis auf 5c genau berechnet ist, wollen wir als Zeichen exakter Kalkulation werten.

Ankunft um 17:20 in Puchberg. Der nächste Anschluss ging um 17:37 und wir 8 mussten noch klären, wer diesen Zug nimmt und wer auf die 3 Wanderer wartet. Das Gruppenticket gilt immer nur für 2-5 Personen. Schließlich fuhren Alois, Bill, Erich und Werner unter der Führung von Roland mit, Bernhard, Harald und ich verzogen uns ins Bahnhofsrestaurant (so was gibt's noch!) auf Radler, Bier und Gulasch. Unsere späte Jause wurde von kleinen Gesprächsfetzen aus der Schankrichtung, in denen viel Arsch, Trottel und Scheiße vorkamen, begleitet. Ich glaube, die Exekutive kam auch nicht gut weg.

Der nächste Zug fuhr um 18:37 und knapp davor kamen auch Frankie, Friedrich und Peter an. Also hinein in den Zug und ab. Moderne Dieseltriebwagengarnitur mit Chris Lohner vom Band und ihrem Hinweis, dass ich bei Bedarfshaltestellen die Haltewunschtaste drücken soll. Der Wunsch das Knopferl zu drücken wurde mit jeder Ansage größer.

Ankunft in Wiener Neustadt um 19:22. Bernhard und Harald verabschiedeten sich und wir vier fuhren um 19:35 weiter nach Wien. Im Doppelstockwagen hatte der Schaffner das Sagen und nicht Chris Lohner. An Meidling 20:13; Friedrich, Peter und ich stiegen aus und überließen Frankie bis Wien Mitte seinem Schicksal.

Die Themenvielfalt war aus meiner Sicht eingeschränkt. In der Weichtalklamm wurde nicht viel geredet und am Grafensteig war die Gruppe auf mindestens 500 m aufgeteilt. Aber einige Flocken habe ich mitgekriegt:
wenn mir jemand rohe Erbsenschoten serviert, will er mich dann vergiften - nein, das müssten rohe Fisolen sein; Baden, die EURO und die Italiener; wann beginnt die gemütliche Wanderung - was ist eine gemütliche Wanderung - also ich finde den Weg ganz normal; Liechtensteinsche Kulturgüter in Südmähren und die finanziellen Grenzen der lokalen Museen als Hürde diese aufzukaufen; Zita wurde auch in Baden entbunden (wo nicht?); aus Gemüse kann man herrliche Gerichte kochen, aber das Karottenschneiden ist mühsam; das Fehlen traditioneller Herrenausstatter; wer mit der Zahnradbahn fuhr hatte das Beste versäumt; die immer bescheidener werdende Badener Fußgängerzone; das Verbot von Waldmeister-Bowle in der DDR wegen des hohen Cumarin-Gehaltes und mit einem guten Programm auf Ö1 geht Hemdenbügeln besonders flott von der Hand.

Einige Zahlen:
Gesamtgehzeit (Pausen abgezogen) etwa zwischen 5 Std. 40 Minuten und 6 Std. 10 Minuten je nachdem ob man zu den flotten Hirschen oder lahmen Enten zählte, wobei ich nicht verhehlen möchte, dass zumindest zweien der lahmen Enten ein Rudel Gämsen im Galopp fast auf die Zehen gesprungen wäre. Und wenn ich die Angaben der Wanderführer, die die Gesamtgehzeit (Weichtalhaus-Baumgartner) zwischen 6 und 6 1/2 Stunden ansiedeln, damit vergleiche, steigen wir ganz gut aus. Frankie, Friedrich und Peter können sich noch 1 1/2 Stunden dazuzählen.

Insgesamt etwa 950 Meter hinauf. Da habe ich mir erlaubt die vielen Auf- und Abstiege am Grafensteig pauschal und gefühlsmäßig hinzuzurechnen. Die Station Baumgartner liegt außerdem höher als die Kienthalerhütte.

Die Frage, ob der Gippel schlimmer war als diese Tour, muss jeder für sich beantworten. Das Gewitter hat den Eindruck sicher getrübt, aber Beinpressen im Fitnessstudio dürfen 1 x ausfallen. Ganz abgesehen davon, dass uns rund 3000 verbrauchte Kalorien der Idealfigur einen Schritt näher brachten.

Rainer


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