Rainbow.Online

Männer auf Touren

Mail: mat@webnet.at
Home   Programm   Chronik   Bilder   Links

Sonntag, 1. August 2010

Raxüberquerung
Weichtalhaus - Wachthüttelkamm - Ottohaus - Preinerwand-Kreuz - Seehütte -
Göbl Kühn Steig - Waxriegelhaus - Preiner Gscheid

  Die Entscheidung Donauinsel oder Bergwandern fällten Alois, Frankie, Friedrich, Helmut mit Emmy, Igo, Peter, Rainer, Roland, Ronny, Thomas, Thomas und Wolfgang zugunsten der Rax.

Abfahrt in Wien Meidling um 7:05 nach Payerbach und weiter mit dem Bus ins Höllental zum Weichtalhaus (563m). Ankunft um 9:08 und ohne langes Zögern sofort los, denn mit der Zeit musste sparsam umgegangen werden. Erst ging es etwa 400m die Straße entlang und knapp vor einem Tunnel schwenkte die Gruppe in den Wachthüttelkamm-Weg ein. Der Einstieg wäre ohne Beschilderung schwer auszumachen gewesen. Laut Routenbeschreibung ein steiler Weg mit einigen Leitern und Seilversicherungen. Die Leitern waren sehr zahlreich, aber bis auf wenige Ausnahmen flach und eher Sprossenstiegen. Dazu gab es auch Geländer. Sie zu zählen, wäre mühsam gewesen. Steil war der Steig aber durchaus. Viele Wanderer waren unterwegs und auch eine Gruppe von Kletterern, die ihren Weg verfehlt hatte und statt hinauf hinunter klettern musste. Peter gab verbale Hilfestellung.

Das Ende des Steilstückes oberhalb der Loswand war um 11:30 erklommen. Zur Belohnung gab es einen einzigartigen Ausblick in das Große Höllental. Der weitere, eher flache Anstieg ging durch Hoch- und Jungwald bis zum Raxplateau (12:30; ca. 1500m) und weiter über den „Paterstern“ (1623m) zum Ottohaus (13:00;  1644m). „Nur eine kurze Pause“ lautete die Parole. Das fiel insofern nicht schwer, als die Terrasse nahe an der Überfüllungsgrenze war und die Gehzeitangaben auf den gelben Wegweisern (2½ bzw. 2 Stunden zur Seehütte) beträchtlich von der veranschlagten Zeit (1 – 1½ Stunden) abwichen. Gruppenfoto um 13:15 und weiter Richtung Seehütte. Rainer verabschiedete sich hier. Ihm war der Zeitdruck (Bus um 17:30) zu groß und er fürchtete, seine Pauserln nicht einhalten zu können.

Kurz danach über der Edelweißwiese die würdige Verabschiedung von Harry, der vor drei Wochen verstorben war. Er war diesmal, im wahrsten Sinne des Wortes, ultimativ zum letzten Mal zum Wildern ausgebüchst. Und zwar in die ewigen Jagdgründe. Seine Asche fand hoch über der Edelweißwiese, mit viel Ausblick, zwischen Latschen und Gämsenfährten ihren Platz. Und da ihm in den letzten Jahren oft genug nachgeschrien werden musste, verabschiedeten sich alle mit einem letzten und lauten „HAAAARRRY!“, worüber sich Helmut sehr freute.  Harrys Abwege waren schon zu einem Gütezeichen der M.a.T.-Wanderungen geworden.

Am Weiterweg über die Hohe Kanzel (1699m), mit einigen Edelweißen und schönen Aussichten am Weg, zerfiel die Gruppe in kleine Grüppchen unterschiedlichen Tempos. Am Preinerwand-Kreuz (1783m) wartete die Spitzengruppe gnädigerweise, um allen eine mehr oder weniger kurze Pause und ein Fotoshooting zu gönnen. Die Seehütte (1648m) war um 14:30 erreicht. Hier war der Göbl-Kühn-Steig bis zum Waxriegelhaus mit 2¼ Stunden angeschrieben. Dieser Schock reichte, um alle Einkehrgelüste zu vertreiben. Die einzige Hoffnung bestand nun darin, dass sich die Gehzeitangaben allesamt auf verirrte Seilbahntouristen bezogen und nicht auf Männer auf Touren.

Tatsächlich wurde der Abstieg auf mäßig steilem Steig bis zum Waxriegelhaus (1361m)  in 50-65 Minuten absolviert. Die Zeitreserve hätte nun eigentlich für eine feudale Malzeit gereicht, nur gab die Küche im Waxriegelhaus außer Suppen, Würstel und Broten nichts mehr her. Dafür sah der persönlich servierende Koch recht appetitlich aus, was Roland fast in Versuchung führe, eine zweite Kaspressknödelsuppe zu bestellen.

Die allgemeine Verunsicherung bezüglich der Gehzeiten bewog aber um 16:30 alle zum Aufbruch, zumal mehr als Sattsehen nicht zu erwarten war. Die Bushaltestelle am Preiner Gscheid (1070m) war um 17:00 erreicht, die halbe Stunde bis zur Busabfahrt wurde in der Edelweißhütte verbracht, die zwar Getränke, kulinarisch aber auch nichts mehr zu bieten hatte. Die Abfahrt verzögerte sich, da ein Riesenansturm auf diesen letzten Bus vom Preiner Gscheid herrschte. Für einige Männer auf Touren gab es nur Stehplätze während der Fahrt. Zu allem Überfluss hatte der Fahrer vergessen, die Heizung abzuschalten, als ob die gedrängte Menschenbefüllung und die pralle Sonne nicht ausreichten. Gebrüll aus den hinteren Reihen verhinderte, dass die Insassen das Schicksal deutscher ICE-Reisender erlitten.

Rainer verweilte noch bis 13:30 beim Ottohaus um seinen Kram zu schlichten und nahm dann den Törlweg in Angriff. Mit zwei Ehepaaren machte er ein „Boxenstopp Spiel“, weil sie sich gegenseitig bei den Rastpausen immer wieder überholten. Knapp oberhalb der Luisenrast (14:35) kam ihm ein Duracellhase (Bergläufer im Joggingdress) entgegen. Das erforderte eine sofortige Rast. Dann radelte ein knackiger Mountainbiker den Weg herunter. Das Angebot,  mitgenommen zu werden, musste Rainer ausschlagen. Es war weder ein „Packlträger“ noch eine Stange zum darauf Sitzen sichtbar!!  Aber er war danach so aufgewühlt, dass er irgendwo seine Sonnenbrille liegen ließ. Danke, kein Mitleid nötig, sie war weder optisch, noch von D&G. Vermutlich die Strafe dafür, dass er abtrünnig geworden war. Über das Lammel Bründl (15:00) und das „Huthaus“ (15:45, stammt noch aus der Zeit des Bergbaues in der Gegend) nach Hirschwang (16:15; 510m) wo der Bus schon weg und die Lokale geschlossen  waren. Daher weiter zur Busstation bei der Seilbahn um vom Randstein aus die zahlreichen Biker zu beobachten. Immer mit der Frage im Kopf: „ sehen die ohne Montur auch so geil aus wie mit?“. Kleine Entschädigung boten drei schwarzhaarige Radfahrer, die nur mit kurzen Hosen bekleidet ihre Drahtesel vorbei schoben. Leider zu nah um ein Foto zu machen. Das Leben bietet auch Senioren noch schöne Momente.

Busabfahrt um 17:00 und die übrige Stunde schlug der Deserteur im Payerbacherhof tot.

Der aufgeheizte Bus kam um 18:15 beim Bahnhof an und weil die Bahnstrecke bis Gloggnitz eingleisig war, fuhr der Zug erst um 18:31, statt 18:24.

Die Fahrt dämpfte die Freude ebenfalls, denn im Wagen war die Klimaanlage ausgefallen und auf die Frage, warum das so sei, antwortete die Schaffnerin „Das wüsste ich auch gerne!“. An sich die Wahrheit, aber wenig hilfreich. Die meisten Passagiere verzogen sich in andere Wagen. Die M.a.T.  blieben; so hatten sie Ruhe!

In Wiener Neustadt wollte Peter mit der ganzen Gruppe in den ICE umsteigen, um dort den Schaffner fertig zu machen. „Wir haben die Hitze nicht ausgehalten und Herzschwäche und so“. Das hörte sich gut an, wäre aber nicht bei allen geglückt, denn der Großteil der Wanderer hatte aber so was von keinerlei Anzeichen irgendeiner Schwäche.

Thomas und Thomas verabschiedeten sich in Bad Vöslau bzw. Mödling, der Rest kam um 19:52 in Meidling an. Alle fieberten der Dusche entgegen.

Ein Traumtag mit angenehmen Temperaturen am Berg und weniger angenehmen in Bus und Bahn war vorüber. Trotzdem war die sportliche Leistung nicht ohne:

3 ½ Stunden Aufstieg, davon 2 ¼ steil. Knapp 3 Stunden vom Ottohaus zum Preiner Gscheid. Gesamtgehzeit  6 ½ Stunden, bzw. 6 Stunden für den Deserteur. 1220 m bergauf (Rainer 1081m) und 713m bergab (Rainer 1134m).


Und der Mund war uns auch nicht zugewachsen:

„der Wolfgang schafft das alles mit seinen kräftigen Waden“ „früher haben die Adeligen ihre Strümpfe mit Wadenpolstern ausgestopft“ „aha! Wadelpushups!“    –    „bitte schau dir der ihren Arsch an! Bist du deppat!“   -    Grasser und Haider gemeinsam in Libyen   -   „hier wären längere Beine von Vorteil“ „ja, aber das zerstört die Proportionen!“   -   Badner Bahn vs. Öbb   -   der rapide Verfall von Eltern und Großeltern in Seniorenheimen    -   „die Lok heißt Paula“   -   Reichenau und der Verlust des monarchistischen Charmes   -   „dieser Zug wird erst in Breclav kühl“   -   WC-Gebühren auf den Bahnhöfen   -   Pläne, die   FJ-Bahn nach Gmünd einzustellen   -   „ich stinke!“   -   Alois und sein Schal   -   die Vergütungen der ÖBB bei Reklamationen   -   die Silent-Zone  im Osloer Flughafentransfer (die Trappisten kommen durch eine moderne Hintertür)   -    das wenig zimperliche Gemälde von Otto Mühl im MAK  -  usw. 


P.S. Was sonst noch geschah:


Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

nach oben