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Männer auf Touren

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Sonntag, 3. März 2013

Völlerinsteig
Dörfles - Maiersdorf - Völlerinsteig - Straßenbahnerweg - Zweiersdorf - Unterhöflein

  Die Aussichten auf Sonnenschein - nach dem trübsten Winter seit 1903/04 - bewogen Christian, Frankie, Friedrich, Gerd, Gert, Helmut + Emmi, Igo, Martin, Oliver, Roland, Ronny, Thomas, Walter, Werner und Wolfgang zum radikalen Ausbruch aus der Winterdepression. Die Abfahrtszeit 08:18 Wien Mitte bzw. 08:35 Meidling war weit nach dem ersten Hahnenschrei, aber trotzdem zu früh für Mick und Werner II, die es nicht zum Zug schafften. Neben den Männern auf Touren drängte auch eine zahlenmäßig überlegene Frauen-Wandergruppe in das Oberdeck des Doppelstockwagens und es gab ein Match um die Viererabteile, das die Männer auf Touren klar zu ihren Gunsten entscheiden konnten.

Nach Umsteigen in Wr. Neustadt war kurz vor 10 Uhr die Haltestelle Urschendorf (347m) erreicht. Auf Straßen und Nebenstraßen ging es zunächst durch Dörfles, ein kurzes Stück Richtung Emmerberg und auf asphaltierten Güterwegen durch die Neue Welt. Der Schneeberg präsentierte sich im besten Licht. Auch die Hohe Wand zeigte sich schön über ihre ganze Länge. Hier waren kaum noch weiße Flecken zu erspähen, was zur optimistischen Erwartung führte, die Hohe Wand sei praktisch schneefrei. Um 11 Uhr durch Maiersdorf (502m), ein kurzes Stück Richtung Straßenbahnerweg, dann aber quer über eine Wiese nach Norden und auf einem Weg bis fast an die Mautstraße heran. Hier war der Völlerinsteig angeschrieben und es ging gleich einmal steil bergauf. So schneefrei, wie es aus der Ferne ausgesehen hatte, war die Hohe Wand bei näherer Betrachtung nicht, denn der Schnee war nur von senkrechten Flächen und Baumwipfeln verschwunden, am Boden gab es ihn reichlich, in matschiger Konsistenz, und mit zunehmender Höhe immer reichlicher. Eis gab es zum Glück nur an einer Stelle, nämlich unterhalb einer mächtigen, überhängenden Felswand mit Eiszapfen.

Nach dem Felsüberhang ging es durch eine kurze Höhle und weiter bergauf im Schnee. Die Sicherungsseile waren nicht nur zur Dekoration da, denn bei dem rutschigen Untergrund war man sehr froh, sich irgendwo anhalten zu können. Die Ankunftszeit war unterschiedlich, aber irgendwann kamen alle oben an. Zunächst wurde die Aussicht vom Skywalk genossen, um 13 Uhr waren 15 Mann und ein Hund hungrig um die große Tafel im Gasthaus Postl (892m) versammelt. Mit dem Service klappte es gut, das Essen war solide. Zwischen den Gängen konnte man auf der windgeschützten Bank vor dem Haus ohne Jacke in der Sonne sitzen und die gute Luft genießen. 1½ Stunden für das volle Programm mit Suppe, Hauptspeise, Nachspeise, Kaffee und Bezahlen verweisen auf einen gut organisierten Betrieb. Danach standen die Männer auf Touren wieder im Schnee am Rand einer großen Wiese und mussten sich einmal orientieren. Der Weiterweg führte durch winterlichen Wald im Bogen um den Schwarzgraben herum. Gleich nach dem Gasthaus Luf (932m) begann der Abstieg über den Straßenbahnerweg - so wie der Völlerinsteig ein gesicherter Steig der einfachsten Kategorie A und zum Glück nicht ganz so steil, da sich der Weg in Serpentinen bergab wand. Gute Aussicht gab es nur im obersten Teil, aber die Balance erforderte ohnehin die ganze Aufmerksamkeit. Zwischen "Los lei lafn" und "Mich fängt ja keiner auf, wenn ich stürze - das zahlt sich ja nicht aus" waren alle Abstiegsmentalitäten vertreten.

Der mögliche Weg über den Wandfußsteig zum unteren Ende des Leitergrabens lachte niemanden an, daher ging es den ganzen Straßenbahnerweg hinunter bis zum Rand der großen Wiese, über die man heraufgekommen war. Nach eingehender Erörterung der Möglichkeiten entschied man sich, "irgendwie" Richtung Höflein zu gehen, zunächst auf einem recht brauchbaren Forstweg, dann querfeldein durch den Wald. Nach einer Punktlandung in Zweiersdorf (508m) bog man eine Kreuzung zu früh nach links ab und kam auf einen Weg, der wieder zurück in die Neue Welt führte. Ein erfolgversprechend erscheinender Feldweg war mit dem Hinweis "Betreten verboten" versehen, seine Umgehung 20m daneben in der Wiese brachte die am Rand der Meuterei stehende Gruppe aber wieder auf richtigen Kurs. Am Waldrand und am Fuß des Kienbergs ging es weglos weiter. Diese Etappe über mit harschem Schnee bedeckte Wiesen im Schein der Abendsonne war eigentlich recht stimmungsvoll. Von der Anhöhe aus hatte man einen schönen Blick auf den Ort, die Kirche und den Zug, der soeben von der Haltestelle abfuhr. Somit bestand kein Grund zur Eile, denn der nächste Zug fuhr in einer Stunde. Die nächste Verirrung war daher auch schon egal und der unbeabsichtigte Abstecher Richtung Kienberggipfel samt Querfeldein-Abstieg kann als Fleißaufgabe betrachtet werden. Das Gasthaus an der Hauptstraße hatte zu, also gleich weiter zur Bahnstation Unter Höflein (ca. 450m), Eintreffen um 17:25. Zwei machten einen Abstecher auf den Kirchbichel mit der Barockkirche, den die anderen aus Zweckpessimismus ("die ist eh zu") verweigerten (womit sie unrecht hatten).

Die halbe Stunde Wartezeit bis zur Abfahrt wurde teils im Wartehäuschen, teils am Bahnsteig verbracht. Gerts Vortrag über das richtige Wienerische wurde von den deutschen Teilnehmern mit Staunen verfolgt, aber auch für Wiener ("Du verkehrst in besseren Kreisen, du kennst das nicht." - "Ich verkehre nur in erstbesten Kreisen!") gab es einiges zu lernen. Tagsüber hatten die meisten festgestellt, dass sie viel zu warm angezogen waren, aber jetzt, mit nassen Füßen, ohne Bewegung und ohne Sonne, war man froh über jede Schicht Stoff.

Hier die Auswertung von Gerds GPS:

  • wir waren auf 932 über NN
  • wir sind 5 Stunden und 36 Minuten gewandert
  • wir haben 1 Stunde und 47 Minuten pausiert
  • wir haben 18,68 km hinter uns gebracht
  • jeder Einzelne hat zwischen 1500 und 1800 kcal verbrannt, in Abhängigkeit vom Körpergewicht
  • für jeden km haben wir im Durchschnitt 17:59 min gebraucht

Aus der Karte ergibt sich eine Höhendifferenz von 680m Aufstieg, 580m Abstieg. Ganz schön brav für eine Märzwanderung im Schnee. Besondere Anerkennung gebührt Emmi, die in Hundejahren gerechnet die Älteste unter den Teilnehmern war und tapfer mitmarschierte. Einmal büchste sie kurz aus, um einer interessanten Spur im Wald zu folgen, tauchte mit schuldbewusstem Blick aber bald wieder auf.

 


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