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Sonntag 3. April 2011

Hundsheimer Berge
Hainburg – Schlossberg  – Hundsheimer Berge –  Edelstal – Spitzerberg –
Hundsheim – Hundsheimer Berg – Bad Deutsch Altenburg/Hainburg

  Wenn schon so ziemlich alles in erträglicher Entfernung von Wien abgegrast ist, dann muss man sich auch in ausgefallene, weniger erschlossene Gebiete vorwagen. Das hat mit Eroberern oder Alexander von Humboldt nichts zu tun. Aber in manchen Gegenden ist die Beschilderung null bis schwach und die Orientierung nur Einheimischen möglich.
 
Um 8:16 ratterten daher, Adam, Alois, Christian, Frankie, Friedrich, Helmut, Igo, Peter, Peter, Rainer, Richard, Roland, Thomas, Walter, Werner und Wolfgang Richtung alpinistisch unbekannter Osten Österreichs. Emmi war wieder im Stress, weil sie die Herde zusammenhalten musste und Ouzo (der Name ist eine Referenz an seine hellenische Herkunft) kam an die Leine, weil sein Jagdtrieb manchmal mit ihm durchgeht. Bis Flughafen war der Zug voll, aber dann wurde es richtig gemütlich, das Tempo eingeschlossen. Kein Wunder, dass wenige vom Auto auf die Bahn umsteigen wollen. Um 9:24 endlich in Hainburg (161m). 66 min für 53 km, da wurde den Fahrgästen in der Monarchie gewiss übel.

Da schon beim Aussteigen die Diskussion, wer welchen Zug unbedingt erreichen wollte, begann, musste sofort losgezogen werden. Die Stadt zu durchqueren war ein Kinderspiel. Den Aufstieg zum Schlossberg zu finden, schon schwieriger. In manchen Gegenden wollen sie ihre Schätze nicht mit anderen teilen und stellen daher keine Hinweise auf.
 
Trotzdem, die Mannschaft war um 10:00 am Berg (291m) und in der „Heimenburg“. Der Blick wäre gewaltig gewesen, aber der Dunst ließ Bratislava nur erahnen, doch konnte man die Burg und den schrägen Brückenpfeiler erspähen, vorausgesetzt man blickte in die richtige Richtung. Schlosshof war leichter zu orten; die gelbe Flanke durchstach auch die diesige Luft.
Gruppenfoto mit viel Trara „mehr links“, „ich hab nicht alle drauf“ , „könnt’s jetzt endlich alle kommen?“, „von da geht das nicht!“ und eine gut gelungene Selbstauslöseraufnahme dank Igo.
 
Abstieg über den steilen und felsigen Südwesthang begleitet von den Klängen einer Musikkapelle, die auf dem Sportplatz Marschmusik und Formation übte.
Da war es etwa 10:30. Der weitere Weg führte zuerst in die gewünschte Richtung. Allerdings halten sich Kartenmaterial und Wegebauer nicht aneinander, was einen gewaltigen Umweg bedeutete. Es waren zwar die Hundsheimer Berge, aber viel zu weit  westlich. Statt nahe Edelstal waren wir fast in Hundsheim und mussten in der prallen Sonne, derer wir wegen des stetigen Windes nicht Gewahr wurden, entlang der Felder mit ihren Vogelscheuchen nach Osten. Dazu darf berichtet werden, dass die Vogelscheuchen meist mit Römerquelle-Flaschen bestückt wurden; eine kleine Geste gegenüber der Abfüllanlage in Edelstal (186m). Zum Ort gibt es nicht viel zu berichten, wenn man davon ansieht, dass die Bäumchen entlang der Strasse auf eine Art Joshua-Tree gestutzt waren.
 
Das Etappenziel Gasthof Glock wurde ziemlich genau um 12:30 erreicht. Da wurden alle plötzlich sehr flott. Man verfrachtete uns in einen großen und hellen Raum mit Blick auf den Hof. Die Speisekarte hatte keine Preise, was vermutlich edel ist, aber Essen  (Nudelsuppe, Frittattensuppe, Leberknödelsuppe, Herrengulasch, Paniertes von Schwein, Pute, Huhn und Hühnerleber und zum Nachtisch Mohnstrudel), Bedienung und Getränke waren sehr gut. Eigener Weinbau ließ manchen auf eine kleine Degustation  zuschlagen und Flaschen für daheim mitnehmen. Die Raucher mussten in den Hof und einer der beiden Golden Retriever spielte verrückt, bis wir erkannten, dass die Sonne über Werners Uhrglas einen wandernden Fleck an der Wand erzeugte, den einzufangen der Hund vergeblich bemüht war.
 
Weitere Highlights gab es keine, daher Aufbruch um 14:10. Ein Stück des Weges zurück, wo wir am Ortsanfang nur mit Mühe einen der beiden Wirtshaus-Hunde zum Umdrehen bewegen konnten, und dann durch den Wald auf den Rücken des Spitzerberges (14:50; 302m). Der sanfte Anstieg endet auf einem Höhenzug, der unbewaldet ist und steiler nach Südwesten abfällt. Wie schon am Hainburger Schlossberg waren auch hier viele Pflanzen, die anderswo seltener oder gar nicht zu bewundern sind. In einigen Kleinklimazonen waren noch Schneeglöckchen in voller Blüte.
 
Der dünne Fahrplan (alle 2 Stunden ein Zug) trieb zur Eile. Wieder durch den Wald hinunter und irgendwie über Felder zu einem Bewässerungskanal (ca. 204m), den wir an der engsten Stelle überquerten. Dank Helmuts geistesgegenwärtigem Brüller ließ Emmi davon ab, einen aufgestöberten Hasen zu fassen.
 
Knapp vor Hundsheim erfolgte kurz nach 16:00 die Spaltung der Gruppe. Einer musste zur Arbeit, ein anderer hatte eine Verabredung und sechs weitere schlossen sich  den beiden an, weil sie nicht wieder bergauf gehen wollten.
Sie zogen flotten Schrittes den Hundsheimer Berg entlang nach Bad Deutsch Altenburg und erreichten um 16:40 den Bahnhof. Außer der Betrachtung des Kieswerkes oder einem Blick von der Brücke auf die Schnellstrasse gab es keinerlei Höhepunkte. Nicht einmal ein Klo! Der Zug um 17:09 wurde von Frau Lohner nicht avisiert. An Wien-Mitte um 18:10. Über die Fahrt gilt das schon für die Gegenrichtung beschriebene. Ab Flughafen voll, dafür aber mit flottem Tempo, um dem internationalen Publikum österreichische Effizienz zu beweisen.
 
Die andere Hälfte nahm hingegen forsch den Anstieg auf den Hundsheimer Berg in Angriff. Schön steil und in der prallen Sonne auf einem Pfad, den sie schon vom Feldweg aus erspäht hatten. Sie erreichten den Weg zur Güntherhöhle, der aber parallel zum Hang verlief. Daher wurde ein anderer Pfad in der Falllinie genommen. Herrlicher Blick auf die Ebene, Sonne und Wind. Rast im Gras am Hexenberg. Dann weiter über einen gemächlich ansteigenden Weg durch eine fast parkähnliche Landschaft mit Rasen, Büschen, Felsen und Blick auf das in der Sonne glitzernde Band der Donau bis zur Schutzhütte der „Freunde des Hundsheimer Berges“ (480m).
Hier herrschte Partystimmung, doch mussten sie die Einladung des Wirtes ausschlagen. Die ÖBB fördern keine Bundesländer übergreifende Kommunikation. Der Zug sollte möglichst stressfrei erreicht werden.
 
Aus Sicht der Vortruppe war die Entscheidung durch den Hainburger Wald (Bärlauch en masse!)  nach Hainburg, anstatt in den Kurort abzusteigen goldrichtig. Sie konnten sich wenigstens am Hauptplatz Eis kaufen und am Weg zum Bahnhof  genüsslich daran lutschen. Bis zur Abfahrt um 19:04 hatten sie noch etwa 20 Minuten zu warten.
Wobei vielleicht einmal der Begriff Bahnhof definiert gehörte. An Wien 20:10.
 
Eine grenzüberschreitende Wanderung (Edelstal liegt im Burgenland) bei fast klarem Himmel und Wind, der die Temperatur angenehm machte. Solche Wetterlagen zählen zu den hautunfreundlichen Erscheinungen, jedoch ist über Verbrennungen nichts bekannt.
 
Der Trainingseffekt ist vor allem für die Frühheimkehrer nicht eben berauschend.
 
19km und lappe 380m hinauf und hinunter.
Die Ersteiger des Hundsheimer Berges sind zwar nur 2,5 km weiter gegangen, können sich aber immerhin mit 660m bergauf und bergab brüsten.
 
Gehzeit ohne Pausen (ungefähr):
5 Stunden für die Warmduscher (könnte man diesen Begriff einmal erörtern?) und 6 ½ für die Bergfexe.
 
Vielleicht zur Erklärung: die Hundsheimer Berge sind jener Teil des Höhenzuges, der östlich bei Edelstal verläuft. Der Hundsheimer Berg aber ist die höchste Erhebung und nahe Bad Deutsch Altenburg. Alles ist übrigens geologisch ein Teil der Karpaten. Die Flora zu erörtern wage ich nicht, da zwei Experten mit waren. Jede Menge Klein-Iris und Adonisröschen erlaube ich mir jedoch zu erwähnen. Die  Zypressenblättrige Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) ist mir allerdings haften geblieben. Danke Walter!
 
Die Gegend ist übrigens schon früh besiedelt worden. Historischer Boden fördert tiefgründige Betrachtungen:
 
„Was findet jetzt statt?“ „eine kleine kollektive Rast. Sowas ergibt sich urplötzlich wie ein Stau auf der Autobahn!“     -     „wann sind wir da?“     -     „Schlosshof gibt nicht viel her, außerdem hat es Joseph II aufstocken lassen“ „aber der Garten ist schön!“ „ist der eigentlich originalgetreu?“    -     ist eine Schulexkursion zu einem Schlächter mit Live-Vorführung einer Hasenschlachtung pädagogisch wertvoll?     -     „ich habe Hunger!“     -     „man kann das Suppengemüse auch ganz lassen“     -     „uiii heisssss!“ „ich mag kein lauwarmes Essen, das hat kein Aroma!“     -     „was sollen z.B. die Engländer von uns denken, wenn sie den ATV-Bericht sehen?“  „Ha! Die Engländer! Koma-Trinken kommt doch von dort!“     -     die besten Logenplätze in der Oper und  ebay-Preise für Anna Bolena     -     das Wahlrecht in der EU     -     „ich kann sogar in der Badehose zur Arbeit kommen!“     -    die hohen Preise in Bratislava haben dazu geführt, dass sich viele Slowaken in der Gegend von Hainburg niedergelassen haben     -     Bio Märkte     -     „in Wien gibt es eigentlich wenig gute Tanzveranstaltungen“     -    einmal Bärlauch im Frühjahr reicht, dann ist es genug     -    „ich war schon lange nicht in meinem geliebten Gasteinertal; leider haben sie die Pension gesperrt!“ (gemeint ist die Unterkunft; nicht die Rente)     -     die Blonde beim Bahnhof Wien Mitte (sie war noch etwas zu und hin und weg von den beiden Hunden, weil sie selbst Meerschweinchen hatte)     -    „das hieß früher Groß-Schwechat und die andere Haltestelle Klein-Schwechat und hier ist die Stadtgrenze“     -     „man muss Mut zur Lücke haben!“ (Wissens- und Informationslücken; nicht jene im Gebiss!).  Lehrreich wie immer!


Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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