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Männer auf Touren

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Sonntag 4.Mai 2008

Nationalpark Donau-Auen - Naturlehrpfad Obere Lobau

  Mit dabei:
Alois, Christian, Erich, Frankie, Friedrich, Helmut mit Emmi und Harry, Herbert, Josef, Paul, Rainer, Roland, beide Thomas (wie lautet da die Mehrzahl?), Werner und Wolfgang

Treffen um 8:50 bei der Salztorbrücke, kurze Begrüßung und auf das Boot. Schnellkatamaran war es keiner, sondern eher ein nostalgisches Gebilde, aber zumindest donautüchtig. 28 Personen waren an Bord und wir waren 15 davon, also eindeutig in der Überzahl! Es gab einen Bootsführer der in seiner Mini-Kajüte alles unter Kontrolle hatte, ob man da auch schon Kapitän sagt, weiß ich nicht. Er hatte einen sehr bequemen Pullover an und legte sichtlich darauf keinen Wert. Es gab keinen Bootsjungen, sondern ein Bootsmädchen, das sich beim Ablegen und Landen um die Taue kümmerte und auch kassierte - somit auch eine Art Quartiermeisterin.

Und dann war da auch noch eine nette weibliche Person im Cord-Hosenanzug, die vom Ablegen um 9:05 bis zum Landen um etwas nach 10:00 nahezu ununterbrochen redete und sichtlich Interessantes über früheren Fischreichtum und jetzige Fischarmut des Donaukanals, die Fauna, die Flora, den Wienfluss, die Kanäle, die Entsorgungsbetriebe, den Flughafen, die älteste Brücke, die Kosten einer Brückenüberquerung in vergangenen Jahrhunderten und noch vieles mehr zu vermelden wusste. Leider war die Lautsprecheranlage kaputt und jemand, der wie ich über dem Motor saß, musste sich entweder auf ihre Mundbewegungen konzentrieren oder es bei der Uferbetrachtung belassen. Schon unterhalb der Urania hat man nicht mehr das Gefühl in einer Stadt zu sein und nahe der Ostbahnbrücke hielt ein Graureiher am Ufer stramm Wache.

Um 9:45 erreichten wir die Donau und bogen kurz danach in den Ölhafen ein. Vor dem Anlegen erklärte uns das Cordsamt-Mädel noch, dass man auch einen Förster mieten kann und Roland wollte gleich zwei, wurde aber mit einem forschen "na zuerst schaun ma's uns an" eingebremst.

Am Ende des Landesteges wartete ein Lobau-Mitarbeiter (Förster? Heger? Pfleger? dort machen alle alles) auf uns und stellte sich als Alexander Hofer vor. Er würde uns die eine Stunde durch die Lobau führen. Das tat er ganz gut und vor allem sehr sachkundig. In der Sprache war er nicht sonderlich wählerisch und gleich beim ersten Halt erklärte er uns, dass bei Niedrigwasser das Biotop, über dem wir standen, vielen Tieren auch als Suhle diene. " Äuso , die Wüdschwein und de Hirsch haun se eine in den Gatsch". Dann folgten noch einige Bemerkungen zum Müll in der Lobau (Möbel, Fernseher, Autoreifen u.s.w. ich habe mir gar nicht alles gemerkt) und einiges über die Geschichte des Donau-Oder-Kanals und welch gewaltiger Eingriff in die Natur das damals gewesen sei. Wir erfuhren auch noch anderes, aber über den Lehrwert der Veranstaltung vielleicht weiter unten.

Knapp nach 11:00 war der Rundspaziergang (wir sind härteres gewohnt) zu Ende und Christian ging mit den anderen Teilnehmern zurück auf das Boot. Er war nur mit, damit Wolfgang endlich Ruhe gibt.

Wir 14 wanderten um 1/4 12 weiter, zuerst wieder entlang eines der Donau-Oder-Kanal-Becken und dann ins Innere der Lobau. Unterwegs ein einzelnes, strammes Wanzen-Knabenkraut; viel später sahen wir dann noch jede Menge vom Helmknabenkraut, aber das war im Umfeld der Dechant-Lacke und daher nicht weiter verwunderlich. Außerdem gab es noch Milchsterne, Bärlauch in Hülle und Fülle, allerdings schon in voller Blüte und daher für die Küche nicht mehr so wertvoll. Blühende Wiesen, nicht nur mit lobautypischer Vegetation, Waldböden voll mit weißen, watteähnlichen Bäuschchen von den Silberpappeln und Schlehdornbüsche in voller Blüte.

Um 12:30 trudelten wir beim "Knusperhäuschen" nahe der Panozzalacke ein, wo wir unbedingt den Pferdeleberkäse probieren mussten. Nicht alle taten das, aber die meisten und die beiden Thomas verabschiedeten sich hier. Selbstbedienung, ein schöner Platz, nette Leute und hoch oben in den Robinien ein Malerpinsel, von dem keiner wusste wie er hinaufgekommen ist. Die beiden "Knusperdamen" meinten es wären die Krähen gewesen.

Ab um 13:10 zur Dechantlacke, wo uns Harry kurz abhanden kam. Möglicherweise hat ihn Helmut auf das Erschnüffeln nackter Männer trainiert, er war aber schnell wieder da. Und der Hinweis von Wolfgang, wir sollten nicht erschrecken wenn uns nackte Männer entgegenkämen, erwies sich als höchst überflüssig. Mir begegnete nicht einmal eine Gelse. Aber unterwegs sahen wir einige von den Bibern angeknabberte Bäume.

Schließlich erreichten wir um 14:00 den Hubertusdamm und ließen uns in der "Safari-Lodge" nieder. So eine Leberkäsesemmel hält ja nicht lange vor, a1so musste nochmals kräftig zugelangt werden. Leider saßen wir nicht alle beisammen und so kann ich keinen stichhaltigen Bericht zu den bestellten Genüssen liefern, gehe aber davon aus, dass genügend Spare-Ribs konsumiert wurden.

Viel beeindruckender war die Tatsache, dass Donnerstag und Sonntag immer Tanz ist und sich Paare gehobenen Alters (ja gut! So alt wie ich halt) im Takt bewegten. Besonders aufgefallen ist uns ein Typ mit Hansi Hinterseer Frisur und weißem Hemd, weil er so abwesend und unbeteiligt wirkte. Dazu möchte ich Euch sagen: in den Sechzigern galt es als cool beim Tanzen so zu tun, als ob man gar nicht da wäre. Nur sagte man damals "lässig" statt "cool". Und wenn gerade nicht genügend Männer auf der Piste waren, übten sich die Damen mit verklärtem Blick im Line-Dance. Beim ersten Hinschauen wirkte das ur-professionell, später habe ich dann mitgekriegt, dass es reicht bis fünf zählen und eben so viele Schritte zu können. Da war es fast nebensächlich, dass gegenüber auf Augenhöhe ein Raubvogel über dem Treppelweg in der Luft stand. Ob Falke, Bussard oder Milan (der heißt so), konnten wir nicht eruieren.

Zahlen, gehen und ab mit dem Bus um 15:03. Alois stieg am Schüttauplatz aus und ab U1-V.I.C. begann die Gruppe zu zerbröckeln.

Mit der Themenvielfalt tu ich mir eher schwer, aber einige Flocken sind hängen geblieben wie z.B. die Usancen verschiedener Banken bei der Kreditvergabe; ob es Sinn macht nicht heimische Pflanzen in einem Naturpark zu fällen; das Liegeverbot am Toten Grund; ob die Polizei ebendort amtshandelt oder nur guckt und die Frage von Alois, ob das aus dem Film "Der Tod auf dem Nil" entsprungene weiß gewandete Ehepaar mit Fernglas, das er einmal auf der Insel überholte, in Ohnmacht fiel, als es der beiden muskulösen Lederknaben ansichtig wurde, die sich mitten am Weg oral vergnügten; das überbordende Schnapsangebot von Ventimiglia; sardischer Mirto und schließlich noch die Feststellung "möchte nie auf der anderen Seite der Donau wohnen", was soviel ich weiß für die Bewohner beider Seiten gilt.

Gelernt haben wir viel, wenn ich mir auch nicht alles gemerkt habe, weil ich am Boot nichts verstand, aber:

Hochquellenwasser ist von besserer Qualität als gekauftes mildes Mineralwasser; nach der Tschernobyl-Katastrophe wurde Wien einige Monate mit Lobau-Grundwasser versorgt, weil es unbedenklicher war als das Hochquellenwasser; Biber halten Winterruhe und keinen Winterschlaf, weshalb sie ganze Baumstämme zu ihren Behausungen schleppen, weil sie sich von der Rinde nähren, und aus der Bootsrunde meinte jemand, dass man Wespen vertreiben kann, indem man 1 bis 5c Münzen auflegt. Ob dazu eine bestimmte Formation zu beachten ist und ob 3 Münzen reichen oder ein Kilo nötig ist, vergaß ich in meiner Begeisterung zu fragen. Aber ich bin trotzdem überzeugt, dass an diesem Tag hat jeder für sich einiges dazugelernt hat.

Statistik wollte ich mir eigentlich sparen, aber grob gerechnet sind wir locker 2 1/2 Stunden gegangen (Pausen abgezogen und den 1-stündigen Lehrausgang mit 30 Minuten gerechnet) und das gehört doch erwähnt. Und Spaß hat es auch wieder gemacht.

Rainer


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