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Sonntag, 4. August 2013

Rax: Törlweg & Brandschneide
Hirschwang - Törlweg - Jakobskogel - Brandschneide - Kaiserbrunn

  Den Wunsch, inmitten der stärksten Hitzewelle seit 2003 auf die Rax zu steigen, empfanden Frankie, Friedrich, Gerd, Gert, Helmut mit Emmi, Igo, Michael, Peter, Roland und Roland. Am Treffpunkt Bahnhof Wien Meidling ergab sich somit eine ideale Personenanzahl von 10 für das Einfach-Raus-Ticket. Um 07:29 fuhr der REX ab und kam mit Verspätung in Wiener Neustadt an; praktischerweise stand der Anschlusszug nach Payerbach gleich gegenüber. In Payerbach dann weiter mit dem Bus bis Hirschwang Abzweigung Erlangerkreuz - so war es jedenfalls geplant und dem Fahrer mitgeteilt. Dieser wirkte jedoch schon am Vormittag ein wenig dösig und blieb erst eine Haltestelle später stehen. Für Helmut war das egal, denn er plante in Rücksicht auf das doch schon etwas betagte Hundemädchen Emmi eine Light-Version, nämlich die Bergfahrt mit der Seilbahn. Die anderen 9 mussten ein Stück im Ortsgebiet zurück, was zum Glück nicht weit war. Es war nun kurz vor 9 Uhr und die Temperatur im Tal (500m) lag schon bei knapp 30 Grad.

Probleme ließ nicht der unschwierige Aufstiegsweg erwarten, sondern die Hitze und die mögliche Gewittergefahr am Nachmittag. Bereits in Wien und während der Zugfahrt waren die Wolkentürme im Westen mit Sorge beobachtet worden. Vorerst war das Wetter im Rax-Gebiet aber freundlich. Die Bergstation der Raxseilbahn - das Einkehrziel - war von unten schon gut zu sehen, aber die Höhenmeter bis dorthin hatten es in sich. An Hotel Knappenhof vorbei - wo es die einzige Unsicherheit bezüglich der Wegführung gab - ging es auf Schotterwegen bergauf zum eigentlichen Törlweg. Um 10:50 war die Lammelquelle (aka Lamplbründl,1020m) erreicht und bot Gelegenheit für eine kurze Rast und Erfrischung. Die Quelle sprudelte aufgrund der Trockenheit dürftig und das Anfüllen einer Wasserflasche dauerte ein paar Minuten. Die im Wasser schwimmende Flankerl seien, so erklärte Roland, rein biologisch und gesundheitlich unbedenklich - was offenbar auch stimmte. Schon jetzt waren manche bei einem Verbrauch von zwei Litern angelangt. Da half es auch nichts, vorsorglich schon zum Frühstück einen Liter Wasser getrunken zu haben.

Weiter in Serpentinen bergauf. Der Umstand, dass der Weg großteils im Wald verlief und ab und zu ein Lüfterl am Berghang hochstrich, machte den Aufstieg erträglich. Es wurden Himbeeren am Wegesrand gepflückt und Edelweiß fotografiert. Nach Passieren des markanten Felstörls war um etwa 12:30 das Ottohaus (1642m) erreicht. Hier teilte sich die Gruppe: ein Teil stieg zum Jakobskogel (1736m) empor und genoss den Ausblick auf das Raxplateau. Der andere Teil zog nach einem schnellen Drink im Ottohaus gleich weiter zum Hotel Bergstation (1547m), wo die eigentliche Mittagsrast stattfand. Wie immer war die Einkehr dort ein angenehmes Erlebnis, denn die tüchtigen und freundlichen Mitarbeiter brachten ein gutes Essen auf den Tisch.

Helmut und Emmi fuhren mit der Seilbahn ins Tal. Geplant war, dass sie der Hauptgruppe am Wasserleitungsweg Richtung Kaiserbrunn entgegen kommen sollten, um dann gemeinsam ein erfrischendes Bad in der Schwarza zu nehmen. Der Rest brach um 14:40 auf, nachdem Gert berichtet hatte, er habe draußen Donnergrollen vernommen. In der Tat sah die Wolkenlandschaft wesentlich dunkler aus als beim Kommen. Nach kurzem gemeinsamen Abstieg teilte sich die Gruppe: Peter, Roland und Roland wählten den einfacheren Gsolhirnsteig nach Hirschwang, der Rest den Camillo-Kronich-Steig über die Brandschneide nach Kaiserbrunn.

Das Donnergrollen rückte näher und weiter oben im Höllental sah man Regenschleier. Jedoch hielt sich immer noch ein Stückchen blauen Himmels über der östlichen Rax und Optimisten meinten, das Unwetter würde seitlich vorbeiziehen. Der Steig über die Brandschneide bot einige angenehme Überraschungen in Form von schönen Aussichtspunkten und spektakulären Felsszenarien mit senkrechten Abbrüchen und Türmen.

Dann kam das Gewitter.

Helmut und Emmi erwischte es am Wasserleitungsweg. Sie stellten sich eine Weile unter, nachdem der Regen aber nicht aufhörte, machten sie sich auf den Weg zurück zur Talstation Hirschwang. Helmut war nur mit Badehose und Bergschuhen bekleidet, was bei Regen eigentlich gar nicht so unpraktisch war.

Peter und die beiden Rolands schafften es vor dem Gewitter fast bis zum Hotel Knappenhof (769m). Die 10 Minuten bis zum rettenden Unterstand reichten aus, um bis auf die Haut durchnässt zu werden. Die Hotelchefin kümmerte sich dann sehr fürsorglich um die drei und organsisierte ein Taxi, das sie mit zwei weiteren gestrandeten Wanderern nach Hirschwang brachte.

Frankie, Friedrich, Gerd, Gert, Igo und Michael waren mitten im felsigen Teil des Steigs. Von den ersten Tropfen bis zum Schütten ging es so schnell, dass einige nicht mehr rechtzeitig den Regenschutz aus dem Rucksack holen konnten. Einmal nass geworden, war es dann auch schon egal. Eine Leiter und ein Stück Felsgelände waren noch zu bewältigen, dann ging es im Wald am Gratrücken bergab. Dort regnete es aber keineswegs weniger und durch den Wind kam der Regen, teilweise gemischt mit Hagelkörnern, aus allen Richtungen. Obwohl der Boden ausgetrocknet war, konnte er die Regenmengen in so kurzer Zeit nicht aufnehmen und das Wegerl verwandelte sich in ein Waldbächlein. Die Hausdächer von Kaiserbrunn rückten langsam näher, der Regen wurde schwächer und schließlich kam sogar wieder die Sonne durch und produzierte einen hübschen Regenbogen in einer Waldlichtung.

Um 16:35 war die Gruppe unten an der Straße. Der nächste Bus fuhr erst in gut einer Stunde. Die Sache mit dem Bad in der Schwarza hatte sich praktisch erledigt und auf den Wasserleitungsweg hatte niemand mehr Lust. Also ab in den Landgasthof Kaiserbrunn. Aus Rücksicht auf die gepolsterten Sessel nahm man nicht im Stüberl Platz, sondern auf den Holzbänken im Schankraum. Jeder der Männer auf Touren hinterließ im Gehen, Stehen oder Sitzen eine Pfütze und das Personal war ständig damit beschäftigt hinterherzuwischen, um das Ausrutsch-Risiko für andere Gasthausbesucher zu mindern. Gert, Igo und Michael suchten unverzüglich den geräumigen WC-Bereich auf, um sich auszuwringen bzw. umzuziehen und schockten dabei andere WC-Besucher, die angesichts dreier nackter Männer am Klo erschrocken die Flucht ergriffen.

Zur Koodinierung wurde versucht, per Handy mit Helmut und der Gsolhirn-Gruppe Kontakt aufzunehmen, was magels Empfang aber nicht klappte. Im Bus bzw. in Payerbach am Bahnhof sah man sich dann wieder.

Michael stieg in Wiener Neustadt um, die anderen hätten ruhig im Regionalzug sitzen bleiben können, doch gab es einen Fehlalarm wegen eines angeblichen REX nach Wien auf einem anderen Gleis. Den gab es zwar tatsächlich, aber er fuhr über Eisenstadt und wäre erst um 21 Uhr in Wien gewesen. Also reumütig zurück zu den vorgenässten Sitzen im Regionalzug, der es immerhin bis 19:52 nach Wien Meidling schaffte. Für die Durchnässten war die Klimaanlage eine Spur zu kalt eingestellt. Auch eine hitzige Debatte über die österreichische Asylpolitik macht das Klima nicht wärmer.

Resümee: Heiß, kalt, trocken, nass, schön, abenteuerlich. Es gab mehrere Ausrutscher und einige teils heftige Schrammen, einen verlorenen Stock und ein liegen gelassenes Sackerl mit nasser Wäsche und Schuhen, das aber von der freundlichen Polizei in Payerbach sichergestellt und von seinem Eigentümer am nächsten Tag abgeholt werden konnte.

1250 Höhenmeter Aufstieg bis Jakobskogel, 1150 bis Ottohaus, Abstieg annähernd gleich Aufstieg. Gehzeit bei gemütlichem Tempo etwa 6 Stunden in der Maximalvariante.

 

Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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