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Männer auf Touren

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Sonntag 5. Mai 2013

Hoher Ge
Sulzer Höhe - Sulzberg - Neuweg - oberes Sparbachtal - Einödenberg - Wassergspreng -
Hoher Ge - Gaisberg - Gh. Seewiese - Gr. Sattelberg - Josefswarte - Rodaun

  Die Erkundung wenig bekannter Wienerwald-Gipfel stand diesmal am Programm. Dazu reisten Alfred, Alois, Frankie, Gerd, Helmut mit Emmi, Igo, Peter, Roland und Walter mit der S1 an, Franz und Thomas stießen in Liesing dazu. Gemeinsam ging es im Autobus zur Sulzer Höhe, Ankunft kurz nach 9 Uhr. Das Wetter sah prima aus, großteils blauer Himmel mit ein paar harmlosen Wolken darin. Nach den chaotischen Prognosen der letzten Tage, in denen von "trüb und regnerisch" bis "sonnig und trocken" alles vorkam, war das keine Selbstverständlichkeit. Die Metereologen hatten es schwer in diesen Tagen, denn die labile Luftschichtung und ein Tief über Westeuropa machten die Entwicklung zum Lotteriespiel. Die Männer auf Touren waren für alles gerüstet, Sonnenchreme, Sonnenbrillen und Sommerhut wurden ausgepackt, der Regenschutz konnte im Rucksack bleiben.

Den Weg von der Sulzer Höhe (480m) zur Josef-Schöffel-Hütte kannten einige noch von einer Wintertour, allerdings gab es eine Variation, denn anstelle des direkten Wegs wurde der Rücken des Sulzbergs (606m) beschritten, über den ein unmarkiertes, recht nettes Wegerl führte. Mehr Aussicht als vom bewaldeten Gipfel gab beim Weiterweg entlang von zwei großen Wiesen. Das gänzliche Fehlen von Bienen auf den blühenden Wiesen war verdächtig und löste eine Diskussion über Bienensterben, Pestizide, den seltsamen Umweltminister und die Interessen der Gen- und Chemielobby aus. Die Schöffel-Hütte war geschlossen, die Sitzbank davor eignete sich aber trotzdem für eine kurze Rast, ehe der Weg bergab zum Sparbachtal bei Neuweg (ca. 460m) führte. Neuweg, sofern das überhaupt eine Ortsbezeichnung ist, besteht aus drei Bauernhäusern.

Dem Bach und der Grenze des Naturparks Sparbach folgend ging es nach Osten zum Einödberg, wobei am Anfang wie am Ende ein Stück weglos durch allerlei Gebüsch zu bewältigen war. Mehr Natur als hier gab es auf der drüberen Seite des Zauns, im Naturpark, wohl auch nicht. Am Einödberg gab es wieder einen bequemen Weg. Auf eine Erkundung des Gipfels (625m) wurde verzichtet - mehr als ein Steinmanderl im Wald hätte es dort nicht zu sehen gegeben - aber immerhin war wieder eine Höhe von ca. 570m erreicht. Es war bald Mittag und Hunger machte sich bemerkbar. Ein Anruf beim Gasthaus Seewiese sicherte einen Platz für 11 Personen im Garten. Am Weiterweg tauschten Roland und Walter ca. 100 Kochrezepte, Zubereitungsweisen und Küchentricks aus. Möglicherweise wird irgendwann ein Männer-auf-Touren-Kochbuch erscheinen, um dieses geballte Wissen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Männer-auf-Touren-Bestimmungsbuch für Pflanzen und Tiere wäre ebenfalls ein Desideratum. ("Wie heißt diese blaue Blume mit dem kugeligen Kopf?" - "Das ist die blaue Kugelblume.")

Um den sportlichen Wert der Veranstaltung in Hinblick auf Höhenmeter zu steigern, ging es zunächst durch eine sogenannte "Wildruhezone" wieder bergab in das Tal von Wassergspreng (ca. 400m), vorbei an futuristisch geformeten Hochständen aus OSB-Platten, einer sogar als Mobil-Version auf einem Anhänger. Unten auf der Forststraße irrten zwei Mädels auf der Suche nach dem Hohen Ge herum. Weil das auch das nächste Ziel der Männer auf Touren war und der Einstieg ja wirklich nicht leicht zu finden war, schlossen sie sich der Gruppe an und der Aufstieg wurde gemeinsam bewältigt. Der Hohe Ge (ca. 540m) erlebte einen Besucheransturm wie selten; nachkommende Wanderer hatten kaum eine Chance, in die Nähe des Gipfelkreuzes zu kommen. Neben den Männern auf Touren und den beiden Vorarlbergerinnen fühlten sich auch Zauneidechsen am Gipfelfelsen sehr wohl und zeigten wenig Scheu vor Fotografen.

Die Hälfte der Gruppe beschritt den Nachbargipfel K2, die andere Hälfte wählte die Umgehung. Am K2 sonnte sich eine Schlange, wobei es sich wahrscheinlich um eine Äskulapnatter gehandelt haben dürfte. Weiter einen Kilometer bergab und bergauf durch den Wald. Am Waldrand gab es dann die Wahl: Gaisberg oder gleich Gasthaus. Fünf wählten den Gaisberg (602m), überquerten die große Wiese mit der Riesenföhre und erreichten auf einem schmalen Waldpfad den Gipfel - angeblich ein heiliger Ort der Kelten, an dem Druiden ihre Kulte betrieben. Es gab Gipfelkreuz und Gipfelbuch. Auf einen Eintrag wurde verzichtet und die Gaisberggruppe eilte dem Gasthaus Seewiese zu und erreichte es kurz nach 13 Uhr.

Im Gasthaus war nicht so die Hölle los wie befürchtet. Es herrschte Selbstbedienung und man brauchte sich nicht allzu lange anstellen, um etwas zu Essen und zu Trinken aufs Tablett zu bekommen. ("Hast du für zwei Personen bestellt?" - "Nein, das ist alles für mich.") Es gab einige Gerichte mit Bärlauch-Komponenten. Wie den Kommentaren zu entnehmen war, war die Küche zufriedenstellend.

Nach moderater Einkehrzeit erfolgte der Aufbruch um 14:15. Laut Ankündigung wäre nun der Predigerstuhl als nächster Gipfel am Programm gestanden, aber der richtige Punkt zum Abzweigen wurde verpasst. Machte nichts, es gab ja immer noch den Großen Sattelberg - auch so ein Geheimgipfel im Wienerwald. Als Alternative konnte man diese Attraktion auslassen und am bequemen Weg weiter zur übernächsten gehen, was nur Peter bevorzugte. Die anderen - möglicherweise von Schuldgefühlen wegen des üppigen Essens geplagt - wollten ein paar Höhenmeter mehr und stiegen über schmale Waldpfade zum Großen Sattelberg (569m) empor, der wiederum ein Gipfelkreuz mitten im Wald zu bieten hatte. Die größere Attraktion war eigentlich der Wald selbst, denn so ein Meer von blühendem Bärlauch war selten. Irgendein Forstmitarbeiter hatte sich viel Mühe gemacht, den Waldpfad durch umgeschnittene Bäume in einen Hindernisparcour zu verwandeln, vermutlich um Mountainbiker und Wanderer abzuschrecken. Zumindest für Wanderer waren die Hindernisse aber überwindbar oder umgehbar. Kurz vor der Waldandacht schwenkte der Pfad wieder in den regulären Wanderweg ein.

Die Waldandacht wurde ignoriert und die Steigung zur Josefswarte (582m) flott bewältigt. Peter traf wenig später ein. Man genoss die Aussicht vom Turm und diskutierte, welche Berge, Burgen und Orte es hier zu sehen gab. ("Nein, das ist nicht Laxenburg!" und "Nein, das ist nicht Pratislava!"). Beim Abstieg zerfiel die Gruppe in Vorhut und Nachhut und wie nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Männer auf Touren, kam der Nachhut die Vorhut abhanden. Alfred, Frankie und Peter wunderten sich spätestens beim Franz-Ferdinand-Schutzhaus über das Verschwinden der anderen und versuchten, per Handy über Dritte Kontakt herzustellen, was nicht funktionierte. Die anderen warteten unterdessen bei dem kleinen Teich, schickten einen Kundschafter zurück und befragten Wanderer. An dem kleinen Teich kamen, nach Beendigung von Kontakversuchen und Kaffeetrinkerei, auch Alfred, Frankie und Peter vorbei, das aber auch nur zufällig, weil sie beim Abstieg vom Schutzhaus den falschen Winkel eingeschlagen hatten. Auf den eigentlich angepeilten Bierhäuselberg kam also niemand, aber alle kamen irgendwie nach Rodaun.

Als Lehre für zukünftige Touren: Es wäre theoretisch prinzipiell nie ganz verkehrt:
a) sich über das nächste Ziel und den Weg dorthin zu verständigen,
b) an Weggabelungen zu warten und
c) vorher Handynummern zu tauschen.


Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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