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Männer auf Touren

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Sonntag 5. Juli 2015

Rax: Rund um die Lechnermauern
Preiner Gscheid - Waxriegelsteig - Dreimarkstein - Scheibwaldhöhe - Klobentörl -
Dirnbacherhütte - Ho Chi Minh Pfad - Seehütte - Preinerwandkreuz - Preinerwandsteig - Prein

  Aus der Mengenlehre ist bekannt, dass die Schnittmenge von Teilmengen kleiner ist als die Summe von Teilmengen. Die Schnittmenge der Nichtverreisten, der Hitzetoleranten und der Frühaufsteher (Treffpunkt 05:40!) in der Grundmenge der Männer auf Touren betrug an diesem heißen Sommertag gerade einmal drei und bestand aus Andreas, Frankie und Igo, die mit dem ersten Zug von Wien nach Payerbach und mit dem ersten Bus zum Preiner Gscheid fuhren. Fast hätte sie vier betragen, doch gehörte Friedrich nicht ganz zur Teilmenge der Frühaufsteher. Er wollte sich nämlich eine Stunde mehr Schlaf gönnen und reiste mit dem Auto an, wobei er die anderen um 08:20 am Preiner Gscheid ganz knapp verpasste. Mehr als eine Minute konnte es nicht gewesen sein, aber die drei zogen vom Preiner Gscheid (1070m) unverzüglich bergwärts und waren für Friedrich schwer einzuholen. Nachdem entgegenkommende Wanderer nichts von einer im Aufstieg befindlichen Männergruppe zu berichten wussten, gab er den Versuch auf und absolvierte in gemütlichem Tempo solo eine Rax-Runde über Waxriegelsteig, Trinksteinsattel, Seehütte und zurück.

Andreas, Frankie und Igo kletterten unterwegs auf den Felsturm oberhalb des Waxriegelhauses, der eine schöne Aussicht auf die Felswand des Predigtstuhls und den gewaltigen Siebenbrunnenkessel unterhalb bot. Erst beim Erreichen des Waxriegelkamms legten sie auf einer Wiese eine Trinkpause ein, ehe sie auf dem gemächlich ansteigenden, völlig unschwierigen Waxriegelsteig weiter aufstiegen. An der Abzweigung zum Bismarksteig verließen sie die markierten Wege und folgten der Intuition, was im einfachen Gelände problemlos möglich war. Die Hochebene präsentierte sich von ihrer schönsten Seite, mit grasigen Hügeln, kleinen Tälern, Wiesen und vielen Blumen. Gämsen gab es auch zu sehen, Begegnungen mit anderen Wanderern gab es eher selten. Der Aufstieg zum Dreimarkstein (1948m) bot jede Menge schöner Aussichten. Weiter weglos über eine Hügelkette nordwestlich, in deren Steilhängen noch Schnee lag. Einem dieser Schneefelder kam man dabei so nahe, dass sich ein kurzer Abstieg lohnte, um sich zur Erfrischung Hände, Gesicht und Nacken mit Schnee einzureiben. Um 11:45 wurde mit der Scheibwaldhöhe (1943m) der (vermeintlich) letzte Gipfel der Tour erreicht.

War die Route bisher oberhalb der Lechnermauern verlaufen, so folgte nun der Abstieg über das Klobentörl zur unbewirtschafteten Wolfgang Dirnbacher Hütte (1477m), wo noch eine Rastpause in der Wiese bzw. im Baumschatten eingelegt wurde (12:50-13:15). Weiter ging es am berüchtigten Ho Chi Minh Pfad durch die grüne Hölle am Fuß der Lechnermauern. Ohne Pfad wäre dieser Dschungel aus mannshohen Latschen mit mächtigen Krautpflanzen im Unterholz nicht zu durchdringen gewesen, aber der Ho Chi Minh Pfad war fürsorglich markiert und teilweise ausgeschnitten, sodass die Bewältigung dieser Etappe keine größeren Schwierigkeiten bereitete. Sogar die Hitze inmitten der Latschen war weniger schlimm als befürchtet. Als es gerade so aussah, als würde es noch Stunden durch einem Tunnel aus Grünzeug so weitergehen, öffnete sich der Pfad zu einer Wiese, wo es auch eine Begegnung mit anderen Wanderern in der Gegenrichtung gab, sodass man Ratschläge über den jeweiligen Weiterweg geben und empfangen konnte. Von hier war der Weg zur Raxeishöhle nicht weit, die einen Besuch schon wegen der kühlen Luft am Höhleneingang lohnte. Ein Pfropfen aus festem Schnee füllte den halben Höhleneingang, dahinter führte ein eisiger Hang in die Tiefe, der wegen der Rutschgefahr lieber nicht betreten wurde. Nach Würdigung dieser Attraktion wurde um 14:40 die Seehütte (1643m) erreicht.

Andreas, der absichtlich keine Jause mitgenommen hatte, da er nicht gerne mit vollem Bauch wanderte, schlug beim Hirschbraten zu, während Frankie und Igo genug an eigenen Vorräten gejausnet hatten und sich mit Getränken begnügten. Da man nun eine Dreiviertelstunde vor dem Zeitplan lag, keimte der Gedanke auf, eine längere und eventuell attraktivere Abstiegsroute zu wählen als den nicht eben spektakulären Göbl-Kühn-Steig. Möglicherweise trug der von Andreas spendierte Enzianschnaps zur Beflügelung der Gedanken bei, denn die Wahl fiel auf den durchaus spektakulären, aber nicht unschwierigen Preinerwandsteig (A/B). Mit diesem Plan vor Augen erfolgte der Aufbruch schon nach einer halben Stunde Rast und anstatt sich einen zweiten Hirschbraten oder noch ein Bier zu gönnen, ging es nun wieder bergauf zum Preinerwandkreuz (1783m). Bald danach zweigte der Steig ab, wobei der erste Blick auf den Einstieg ein ziemlich gutes Bild vom Rest des Steiges vermittelte, nämlich steile Felspassagen und schotterige, teils ausgesetzte Bänder unterhalb senkrechter oder überhängender Felsen. Die landschaftliche Kulisse dieser Felswände mit dem tief unten liegenden Tal war allerdings grandios. Zwei klettertechnisch professionell ausgerüstete Tschechen oder Slowaken machten sich hinter den Männern auf Touren an den Abstieg, kamen aber auch nicht schneller voran.

Nachdem der anspruchsvolle Teil des Abstiegs bei der Einmündung des Holzknechtsteigs hinter sich gebracht war, begannen die Schwierigkeiten der Orientierung, denn im unteren Teil sind in Richtung Prein Markierungen oft nicht vorhanden und Wegweiser widersprüchlich bzw. wertlos was die zu erwartende Gehzeit betrifft. Trotz dieser Probleme erreichten die drei Prein um 18 Uhr, rechtzeitig zum letzten Bus, der mit etwas Verspätung um 18:14 kam.

Die Wartezeit an der Bushaltestelle in der immer noch sehr kräftigen Abendsonne stellte die größte Hitzebelastung während der gesamten Tour dar. Sie wurde genutzt, um ein Resümee zu ziehen, das so lautete, dass diese Wanderung ausgesprochen abwechlungsreich war. Denn von den grasbewachsenen Hügeln der Hochfläche über Dschungel mit Eishöhlen bis zu atemberaubenden Klettersteigen war so ziemlich alles enthalten, was die Rax zu bieten hat. Und das alles im Rahmen einer Tagestour. Streckenlänge 17,5km, knapp 1300 Höhenmeter Aufstieg, knapp 1700 Höhenmeter Abstieg, Gehzeit etwa 7½ Stunden, Pausenzeiten gesamt etwa 2 Stunden.

 

Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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