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Männer auf Touren

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Sonntag 6. Jänner 2008

Winterwanderung Föhrenberge
Rodaun - Perchtoldsdorfer Heide - Parapluieberg -Kugelwiese -
Seewiese - Kardinalgraben - Perchtoldsdorf - Rodaun

  Mit dabei: Frankie, Helmut (mit Emmi und Harry), Josef, Peter, Rainer, Roland, Werner und Wolfgang.

Treffpunkt 10:00 Uhr Endstelle 60 Rodaun. Beim Einsteigen in den 60er hoffte ich auf eine gut gestimmte, wanderfreudige M.a.T. Truppe, aber stattdessen waren nur Peter und "Die Presse" da. Wir rätselten, ob wir nur zu dritt sein würden ("Frankie kommt bestimmt"). In Rodaun mussten wir außerdem noch die Annäherungsversuche einer Alpenvereinsgruppe mit deutlichem Frauenüberhang abwehren und hegten die schlimmsten Befürchtungen.

Aber mit dem nächsten Zug wurden meine Ängste, wir könnten beim Heurigen rund um ein Servierwagerl Platz finden, doch zerstreut. Wir waren 10! OK, da habe ich Helmuts Hunde mitgezählt, aber der Statistik ist es egal, ob sich jemand aufrecht oder auf allen Vieren fortbewegt.

Das Zuwarten auf den nächsten Zug hätten wir uns sparen können; es kam niemand mehr und wir zogen um 10:10 los. Die Gehsteige waren teilweise sehr glatt, aber wir schafften es heil bis zur verschneiten Perchtoldsdorfer Heide. Der Raureif hatte alle Bäume so weiß geschmückt, wie es ansonsten nur auf kitschigen Weihnachtskarten mit Marterl zu sehen ist. Und dieser Schiwago-Lara-Eindruck begleitete uns auch durch den Wald bis zur Seewiese.

Peter führte ein strenges Regiment, denn Bemerkungen wie "da ist eine Hütte" oder "na da geh'n ma doch rein" hat er nicht einmal gehört. Und auch als der Wirt bei der Kugelwiese die Tür aufriss und brüllte "woit's an Punsch?" ging das voll an ihm vorbei. Danach gab es eine kurze Unterbrechung, weil Emmi und Harry eine, vermutlich sehr aufregende, Witterung aufnahmen und Richtung Kaltenleutgeben zu verschwinden drohten. Helmut gelang es aber mit viel Rufen, sie wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen. Ohne Schnee wären sie bestenfalls wieder in einem Tierheim aufgetaucht. Also "Reh gesucht und Schwein gehabt"!

Nach 1 3/4 Stunden Gehzeit fielen wir dann in die Hütte bei der Seewiese ein. Es waren erst wenige Gäste da und wir platzierten uns um den Tisch gleich neben dem Ofen.
Selbstbedienung, das ist ja an sich in Ordnung, aber müssen die Teller so groß sein, dass ihr Durchmesser fast der Breite der Tische entspricht?
Und dabei gaben sich einige ohnehin mit kleinen Kuchentellern zufrieden. Zwetschkenstreuselkuchen "bitte ohne Zucker extra drauf geht das?" und Mohnkuchen, doch die Linsen und der Schweinsbraten waren auf Wagenrädern platziert. Aber ich will nicht meckern, denn immerhin war es sehr gut und preiswert. An die Getränke kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Um diese Jahreszeit wird scheinbar alles quer durch getrunken; heiß, kalt, mit und ohne Alkohol. Im Sommer war das für mich überschaubarer: Bier, Radler und da und dort ein Viertel und ein Obi.

So gegen 3/4 1 Uhr ging die Tür auf und Hungrige begannen in Scharen hereinzuströmen. Wie nach der Ankunft von vier Reisebussen. Da lohnte sich die Selbstbedienung: rein in die Klamotten und hinaus! Die Märchenlandschaft war weg, die Bäume nahezu nackt und die Luft fast föhnig.

Peter bestand darauf, dass wir noch Richtung Norweger-Wiese gehen, die wir natürlich nicht erreichten, weil wir nach 1 km umkehrten. Er meinte er wollte uns nur die Gegend zeigen. Da habe ich schon eher den Verdacht, er wäre gerne den Wallfahrtsweg bis Mariazell gegangen um dort Buße zu tun und suchte Begleitung, wagte aber nicht dies zuzugeben.

Wieder vorbei an der Seewiesen-Hütte und knapp vor der Kugelwiese rechts (d.h. südlich) abgebogen. Aus Gießhübel kamen uns große Menschengruppen entgegen, die ihr Mittagessen abarbeiteten. Das hatten wir nicht nötig, wir waren ja schon vorher wacker unterwegs. Daher verzogen wir uns in den Kardinalgraben, durch den wieder einmal ein "sehr wenig begangener Weg" führt. Diese üben auf uns ja eine besondere Anziehungskraft aus. Aber es war sicher schöner, als auf der stark begangenen Forststraße weiter zu ziehen. Der Graben war von unberührt wirkendem Wald umgeben und es begegnete uns auch niemand. Kecke Jogger oder Mountain-Biker überholten uns auch nicht!

Der Weg endete direkt an den Weinbergen und als letzte Schikane ging es noch einmal kurz bergauf. Dann auf dem Haspelweg durch die Weingärten: Links und rechts nette Schildchen, die angeben, welche Winzer wo was ernten. Wieder im bewohnten Gebiet litten Emmi und Harry unter dem Streusalz, welches die Gemeinde Perchtoldsdorf mehr als großzügig auf den öffentlichen Wegen aufgebracht hatte; vor den Privatgrundstücken wurde es dann besser.

Der von uns angepeilte Kinder-Wurth hatte leider geschlossen, also mussten wir uns mit dem Tiger-Wurth gleich gegenüber abfinden, wo wir knapp vor 3 Uhr rund um zwei bereitwillig zusammen gestellte Tische Platz fanden.

Die kulinarischen Wünsche waren eher bescheiden; Schmalzbrot, Kuchen und eine Kabanossi für Emmi und Harry. Getrunken wurde dafür quer durch die Karte und wenn ich mich richtig erinnere, musste Helmut die Süße seines Glühmosts mit einem Achtel vertreiben.

Abmarsch um 1/2 5 und 1/4 Stunde später waren wir wieder bei der Straßenbahn.

Eine kleine Auswahl der erörterten Fragen kann ich mir auch diesmal nicht verkneifen:
Art Deco und Jugendstil im Amalienbad; intime Begegnungen ebendort und das frühere und jetzige Verhalten der Badewaschel; wo sind eigentlich die Fliesen vom alten Dianabad hingekommen; Lichtraub durch üppig geratene Dachausbauten; die "roof space society"; hochgepushte ehemalige Linke; vertuschte Skandale in der Wiener Stadtverwaltung; Peter und die gehobene Streitkultur; Nachtwerbung auf VOX für einen japanischen Selbstbefriedigungsautomaten und was man sich um die € 29,90 (oder waren es 39,90?) alles gönnen könnte; schwule und nicht schwule aber schräge Filme auf ARTE; geröstete Leber; Nierndln; Hirn mit Ei; Kuttelfleck: "Trippa: herrlich" "was so was esst ihr?" ; für richtiges Gulasch muss man Wadschunken nehmen; Ingwer wärmt, passt aber nicht in jedes Gericht und so weiter. Wieso gibt es auf Rainbow eigentlich kein Forum "Männer am Herd"?

Da ich versprochen hatte, auf meinen Pulsmesser zu verzichten, fällt die Statistik karg aus:
Reine Gehzeit 4 Stunden und ein paar Minuten. Etwa 12km. Für Emmi und Harry mindestens 30, weil Hunde ja bekanntlich jeden Weg mindestens 3 x gehen. Wir haben mehr als 300m Höhe überwunden.

Persönlich möchte ich festhalten, dass ich meine neuen Wanderschuhe der gehobenen Preisklasse an hatte. Für mich ist sichtlich nichts gut genug. Wahrscheinlich gehe ich deshalb so gerne mit Euch mit!

Rainer


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