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Sonntag 7. Juni 2015

Große Scheibe
Semmering - Ochnerhöhe - Kampalpe - Tratenkogel - Große Scheibe - Mürzzuschlag

  Wäre die Erde eine Scheibe, dann wäre sie eine große Scheibe. So aber ist die Erde eine Kugel und die Große Scheibe ist ein kleiner Berg. Um diesen zu bewandern, trafen sich Alois, Frankie, Herbert, Igo, Martin, Matthias, Peter, Roland und Ronny zeitig in der Früh am Bahnhof Wien Meidling und brausten mit dem REX Richtung Süden. Nach zweimaligem Umsteigen in Regionalzüge erreichten sie um 09:05 den Bahnhof Semmering (895m). Hier übernahm Peter die Führung. Vorbei am Südbahnhotel und am angeblich hässlichsten Haus am Semmering (darüber waren die Meinungen durchaus nicht einhellig) ging es bergwärts. Unter Auslassung des Pinkenkogels, auf dem es laut Peter außer einer Baustelle nicht viel zu sehen gäbe, dirigierte er die Gruppe zur Liechtensteinstraße, von dieser zweigte ein schmaler Pfad ab und nach längerem Aufstieg war der Kamm erreicht, der über das Ziereck zur Ochnerhöhe führte (1403m, auf alten Karten und Wegweisern auch Ochsnerhöhe). Der Weg bot viel Wald, was aufgrund der schattenspendenden Wirkung sehr willkommen war, denn die Temperaturen waren hochsommerlich. Streckenweise wirkte der Wald durch Schlägerungen etwas verwüstet, teilweise auch etwas düster, aber an manchen Stellen auch ausgesprochen märchenhaft, mit weichem Grasboden, Heidelbeersträchern, Vogelgezwischer und herumschwirrenden Insekten. Der Weg war jedenfalls stets angenehm zu gehen und die Steigungen wechselten sich immer wieder mit flacheren Abschnitten ab.

Um 12:00 wurde nach einigen Zwischenhöhen und -abstiegen die Kampalpe (1535m) erreicht, wo es am Vorsprung mit dem Gipfelkreuz eine halbstündige Jausenpause gab. Nicht ohne Argwohn beobachteten die Männer die Wolkenentwicklung, denn die Wetterprognosen waren hinsichtlich der Gewittergefahr uneinheitlich und die Quellwolken schossen schon am Vormittag explosiv in die Höhe und nahmen graue Farbe an. Die nächste Etappe zur Scheibe zog sich in die Länge, denn der Weg folgte zwar ziemlich konsequent einer Kammlinie, aber zwischen den Höhen lagen tiefe Einschnitte, denen entsprechende Steigungen folgten. Der bewaldete Gipfel des Tratenkogels (1565m, auf älteren Karten Drahtekogel) war der höchste Punkt der Wanderung und bot Anlass für eine kurze Verschnaufpause. Einen Kilometer weiter, an der Abzweigung zum Preiner Gscheid, gab es mehr Aussicht und hier wurde noch ein Gruppenfoto geschossen. Danach verlief die Wanderroute über einige Kilometer auf einer fast schnurgeraden, über Anhöhen und Senken gezogenen Forststraße. Außer einem Tümpel neben dem Weg, in dem sich Bergmolche und Kaulquappen tummelten, gab es wenig Abwechslung. Nach Umrundung des Beeralpkogels und nochmaligem Zwischenabstieg wurde endlich kurz nach 15 Uhr die Große Scheibe (1473m) mit der Scheibenhütte erreicht.

Für die meisten war nicht das 20 Meter entfernte Gipfelkreuz der erste Anziehungspunkt, sondern die Speisen- und Getränkeausgabe - wo die ernüchternde Nachricht zu vernehmen war, dass es außer Würstel nichts mehr zu essen gab. Sechs schlugen bei den Debrezinern zu, die anderen trösteten sich mit den in ausreichender Mengen vorhandenen Getränken. Angesichts der netten Hüttenwirte konnte man nicht einmal böse sein, denn die kleine und minimalistisch ausgestattete Scheibenhütte ist vermutlich nur von Enthusiasten zu bewirtschaften.

Das einfache Speiseangebot brachte den Vorteil mit sich, dass die Einkehr relativ rasch abgewickelt war. Vor dem Aufbruch um 15:50 gab es ein Gruppenfoto am Gipfelkreuz und in der Hoffnung, unten noch einen Sprung in eine Konditorei machen zu können, strürmte die Gruppe talwärts. Der Weg nach Mürzzuschlag war zwar nett, angenehm zu gehen und einigermaßen markiert, aber aus der Konditorei wurde nichts, denn es waren immerhin 800 Höhenmeter bis ins Tal und der Abstieg dauerte knapp 2 Stunden. Am Bahnhof gab es kein gastronomisches Angebot, in der näheren Umgebung auch nicht, und für einen Stadtbummel reichte die Zeit nicht. Wenigstens hatte das Wetter gehalten, von Gewittern oder Regen keine Spur.

Alle bestiegen den Railjet um 18:33, Igo, Martin und Ronny blieben darin auch bis Wien sitzen, die anderen stiegen am Semmering aus. Peter hatte dort seinen Zweitwohnsitz, die restlichen fünf nutzten das schon für die Hinfahrt gekaufte Einfach-Raus-Ticket, um mit einem verbindungstechnischen Kunststück mit zwei Regionalzügen und einem REX tarifgemäß nach Wien zu kommen, wofür sie trotz dreimaligen Umsteigens nur eine halbe Stunde länger brauchten als mit dem Railjet.

Ein langer Hatscher, so kann das Resümee nur lauten: 24 Kilometer Streckenlänge, gut 1000 Meter Aufstieg, gut 1200 Abstieg, 7½ Stunden Gehzeit. Aufgrund der Länge war es eine anstrengende, aber durchaus schöne Tour in mittleren Höhen.

 

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