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Männer auf Touren

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7.+8.Juli 2007

Ötscher - Rauher Kamm

Wienerbruck - Ötschergräben - Jäger Herz - Rauher Kamm - Ötscher Schutzhaus -
Riffelsattel - Feldwiesalm - Gemeindealpe - Mitterbach - Mariazell

 

Samstag 7.Juli

Treffen am Westbahnhof am Samstag 7.Juli um 9:15. Eine lange Schlange vor den Kassen erlaubt es nicht, weiter zuzuwarten. Da das Einfach-Raus-Ticket für den IC nicht gilt, macht das für den einen Spätling nicht viel aus. Er zahlt im Zug nur knapp € 2.- mehr als die anderen Teilnehmer.

Abfahrt 9:34 und wir finden auch Sitzplätze beieinander. In St.Pölten problemloses Umsteigen in die Mariazellerbahn. Einige stoßen erst hier zu uns. Wir sind 13 und die Teilnehmer kommen nicht nur aus Wien sondern auch aus der Schweiz, Tirol und Salzburg!

Weiterfahrt mit einer Triebwagengarnitur, was einer der Eisenbahnfreunde unter uns sehr bedauert; er hätte es gerne nostalgischer gehabt. Der Reiz der Fahrt durch die schöne Landschaft wird bloß durch das dauernde Signalgeben an den vielen Bahnübergängen geschmälert. Der Lokführer hat einige Varianten von Pfeiftönen auf Lager, die schrill durch die offenen Fenster herein dröhnen. In Gösing liegt das Alpenhotel direkt an der Bahn und mein Hinweis, dass Bekannte sich früher dort gerne für ein Wöcherl einfanden um die angebotene Darmspülung (ich weiß nicht ob es die noch gibt) in Anspruch zu nehmen, wurde grinsend, aber ohne weitere Kommentare zur Kenntnis genommen.

Ankunft um 12:31 in Wienerbruck-Josefsberg (796 m Seehöhe) und los geht’s! Eintrittskarte für den Naturpark-Ötscher-Tormäuer lösen (€ 2.-) und weiter vorbei am Lassingfall zum Kraftwerk beim Stierwaschboden. Beim kurzen Fotostopp für die Gruppenaufnahme wechselt Frankie in kurze Hosen; die Jeans wurden bereits mehrfach bemängelt. Jetzt kann die Tour erst richtig beginnen.

Hinein in die Ötschergräben! Bei herrlichem Sonnenschein über den schmalen Schluchtweg den Ötscherbach entlang zum Ötscherhias, einer bereits dicht bevölkerten Jausenstation mit Selbstbedienung. Die meisten von uns stellen sich an, aber als die Bedienung von der Küchen-Luke verschwindet, um mit einer Portion Schnitzel durch die Reihen zu gehen und den Besteller sucht, geben wir auf und ziehen weiter. Beim Mirafall legen wir unsere erste richtige Rast ein. Es bleibt auch die einzige, denn alle folgenden Stopps sind eher als Verschnaufpausen zu verstehen. Hier ist es schattig und ruhig.

Kurz danach ist der Eingang zum Moissengraben erreicht und die Gruppe teilt sich. Sechs Hard-Core-Wanderer ziehen über das "Jägerherz" hinauf zum "Rauhen Kamm" (Schwindelfreiheit und Trittsicherheit verlangt) um den Ötscher hochalpin zu bezwingen.

Wir sieben Softies bleiben noch in den Ötschergräben, die wir erst nach dem Schleierfall verlassen. Dann geht es über einen morastigen Weg, der eher an einen Wildwechsel erinnert, aufwärts zur Forststrasse. Nicht ohne besorgte Bemerkungen ob die High-Heels und die Riemchen der Belastung standhalten werden. Nach ca. 2 km auf der Schotterstrasse ziehen beim "Spielbichler" auch wir endgültig bergwärts. Vorerst durch einen dunklen, feuchten Buchenwald, in dem immer wieder umgefallene Bäume den Weg versperren, und schließlich über eine steile Wiese zum "Riffel-Sattel". Der restliche Weg zum Ötscherhaus (1418 m) ist so hässlich wie es nur eine breite Skipiste im Sommer sein kann. Und steil auch noch. Aber um ca. ¼ 7 sind wir da. Nach fast 6 Stunden Marsch und einer Höhendifferenz von 622 Metern haben zumindest wir sieben unser Tagesziel erreicht.

Die Bettenvergabe gestaltet sich etwas schwierig, weil der Wirt offensichtlich nichts notiert, sondern alles auswendig einteilt. 4 gehen in 2 Zweibettzimmer und "die drei gibst ins Ochta und zeigst’s eana glei". Das Mädel geht mit uns ins Achtbettzimmer, aber es fehlen ja noch 6 von unserer Gruppe. Das ist aber einfach, denn sie macht eine Tür auf: "do san eh no zwa Beittn". Alles klar! Wir sind neun und haben zehn Betten. Mutmaßungen, wer sich ins Separee verziehen wird, scheinen verfrüht.

Säubern, Hemden und Wäsche wechseln und hinunter in die gute Stube. Laute Harmonikamusik empfängt uns! Wiener Lieder, "Steirischer Brauch" und alles aus dieser Ecke, was man auf einer Knöpferlharmonika spielen kann. Denn eine Tafel lädt von 7.-15. Juli zum "2. STEIRR. ZIACH-KURS". Ja !Richtig gelesen : STEIRRISCH". Das spielt sich so ab, dass einer mit keckem Hütchen und leicht gerötetem Gesicht die Harmonika bearbeitet und zwei Frauen (sichtlich Kursteilnehmerinnen) die Texte, die sie aus den offensichtlich bereitgestellten Liederbüchern ablesen, dazu schmettern.

Solch zünftiges Treiben erfordert Zünftiges am Tisch. Große Radler für den ersten Durst und Kaspressknödelsuppe für den Hunger. Und die ist wirklich gut! Das kann man von den Berner Würstln nicht behaupten, wohl aber vom Kaiserschmarren. Auf die Frage ob beim Schmarren Kompott dabei sei, meint die Chefin, sie glaubt sie hätten keines und als einer sagt, er hätte was Rotes auf einigen Tellern gesehen erklärt sie: "ah dann hamma scho ans"!

Die sechs Bezwinger des "Rauhen Kammes" sind um ¼ 9 noch immer nicht da und wir beraten, ab wann wir die Bergrettung verständigen sollen, was sich aber kurz danach erübrigt. Sie trudeln ein.

Sie waren auf steilen Wegen durch die Bergwälder bis zum nordöstlichen Ende des Kamms emporgestiegen, vorbei an Höhlen, aus denen Eiseskälte strömte, während die Felslandschaft des Kamms immer näher rückte, immer unbezwingbarer aussah und dem einen oder anderen ein mulmiges Gefühl bereitete. Jedoch, aus allernächster Nähe betrachtet erwies sich der Weg über den Rauhen Kamm als mühsam, da man oft alle Viere brauchte, aber undramatisch. Der kühle Wind sorgte genau für die richtige Abkühlung und der Salzburger, für den richtige Berge erst bei 2000 m beginnen, für coole Stimmung. So erreichte die Gruppe den Gipfel auf 1893 m Höhe mit prachtvoller Aussicht auf alle nahen und fernen Berge im Schein der Abendsonne. Der Weg hinab zum Ötscher Schutzhaus war quälend steil und steinig. Langsam erreichten die Wünsche nach einem Bier und einem warmen Essen das Niveau, bei dem Halluzinationen beginnen. Die Ankunft im Schutzhaus hätte keine Minute später erfolgen dürfen, jedoch kostete es die Neuankömmlinge noch eine Menge Geduld, ehe sie sich mit den logistischen Problemen der Hüttenverwaltung mit der Ausgabe von Nahrung und Quartier zurechtgefunden hatten.

So gegen 23 h verlassen wir das lustige Treiben in der Gaststube und verziehen uns in die Zimmer. Begleitet vom mehrstimmigen "ein Posit, ein Prohosit der Gemüüüüüüüütlichkeitt".

Nicht alle schlafen tief und fest und mindestens drei bemerken, dass plötzlich in der Nacht jemand in der offenen Tür steht und offensichtlich ratlos ist. Vielleicht war er neugierig was wir so treiben oder hatte Hormonstau.

Gegen 2 Uhr früh ist auch das muntere Treiben beim Harmonika-Kurs zu Ende.

Sonntag 8.Juli

Frühstück gibt es ab ½ 8. Kaffee, Tee, Brot, Gebäck, Schinken, Käse, Butter und Marmelade und man kann sich alles selbst nehmen.

Um ¾ 9 Abmarsch. Ein Teilnehmer muss sich leider verabschieden. Er hat eine massive Augenentzündung und fährt mit dem Sessellift nach Lackenhof und gleich weiter nach Wien um sich behandeln zu lassen.

Wir 12 marschieren zurück zum "Riffel-Sattel" und weiter durch die "Dirndlmäuer" und über den "Molterboden" (kurze Jausenrast) und die "Feldwies-Alm" (begehrliche Blicke zu den Gästetischen werden ignoriert, wir müssen ja noch einen Zug erreichen) zum "Eisernen Herrgott"(1477 m). Während Robert davonzieht, weil er heute noch nach Zell am See kommen will, stapfen die restlichen 11 nach der zweiten kurzen Jausenrast die letzten 150 m hoch auf die Gemeindealpe, mit 1626 m unser (zweit)höchster Punkt.

Der Fleischlaberlbrater vom Terzerhaus zieht im Freien seine Show ab und macht aus jeder fertigen Portion sein Privathappening. Die Stimmung ist gut! Das Essen auch!

Hier verabschieden sich wieder zwei. Sie nehmen den Sessellift nach Mitterbach. Fünf Wackere gehen zu Fuß bis zur Mittelstation, die Kalorien vom Mittagessen wollen verbraucht werden. Der Rest meistert diese Etappe mit dem Lift. Von dort ziehen wir auf "Monster-Rollern rasant ins Tal" – so der Werbespruch im Internet. Die Dinger sind handlich und kriegen ein ordentliches Tempo. Von den Jungen bleibt abwechselnd immer einer bei den beiden Oldies um sie im Notfall aufzuklauben. Das ist aber nicht nötig. Danke trotzdem!

Von Mitterbach weiter zum Erlaufsee. Fritz trifft eine Spontanentscheidung und schafft es mit einer Art Vergnügungsbahn zur Museumsbahn, aus der er uns dann huldig zuwinkt; wir erreichen sie leider nicht und müssen bis zum Bahnhof Mariazell gehen. Wasser nachfüllen: Mariazeller Wasser aus der Bahnhofstoilette; daher nicht geweiht.

Es ist ½ 5 und wir sind etwa 6 ½ - 7 Stunden marschiert.

Abfahrt um 16.47 , der Zug hat den klingenden Namen "Ötscherbär" und ist eine alte Garnitur, was die Bahnfreunde glücklich macht. Außerdem gibt es den "Pielachtaler Schmankerl-Express", ein Wagen in dem sich 6 Bauern in der Bewirtung abwechseln und heute gibt es Schafskäse aus Loich, von dem einige gleich zwei Rollen kaufen. Das Vergnügen verstärkt noch ein mehr als angeheiterter pensionierter Lokführer, der Mitglied des Mariazeller Museumsbahn-Vereines ist und erzählt, dass sie bei einer Lok einen Dieselriss haben und auf jeden umgestürzten Baum und ein Hirschgehege hinweist. "Und da ist der Neuburger-Peter abgestürzt , gelobt sei Jesus Christus" + Kreuzzeichen.

Ab St.Pölten sitzen wir bis Wien im Fahrradwaggon.

Alle sind müde, aber glücklich dabei gewesen zu sein.

Rainer


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