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Männer auf Touren

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Samstag 11. und Sonntag 12. Februar 2012

Schneeschuhwandern am Raxplateau

Wenn schon Winter, dann richtig


  Vermutlich haben auch diesmal die niedrigen Temperaturen und Pflichtbälle viele von einer Teilnahme abgehalten und Emmi hinkte leider am Freitag. Das Unternehmen musste also auch ohne „Dame im Pelz“ über die Bühne gehen.

1.Tag; Samstag
rollten Axel, Frankie, Igo und Rainer um 8:04 von Meidling nach Payerbach. Internet-Recherchen brachten Frankie auf den Hinweis, dass man mit dem Einfach-Raus-Ticket ein Gratis Shuttle von Payerbach zur Talstation beanspruchen kann, das wir gemeinsam mit einem Paar und deren Hund, einer Pudel-Retriever Mischung in schmutzigweiß (das bezieht sich nicht auf Dreck, sondern ist eine Farbbezeichnung), auch nutzten.

Und so lösten wir schon im 09:49:12 unsere Seilbahnkarten. Da war der ursprünglich vorgesehene Linienbus noch nicht einmal da. Bergfahrt um 10:00 und nach 10 Minuten pflanzten wir uns schon vor der Schank des Berggasthofes (1547m) auf. Die ursprüngliche Zimmereinteilung galt nicht mehr, da wir um einen weniger waren, aber die Chefin war sehr flott und resolut und Igo verfuhr nach dem Motto „Schnalle drücken und hinein“. Zimmer 6 Igo und Rainer, Zimmer 8 Axel und Frankie. Die Einteilung war willkürlich. Wie beim Quiz, wo man möglichst schnell drücken muss, auch wenn man keine Ahnung hat.

Jedenfalls waren wir schon um 11:00 voll adjustiert und bereit zu unserem Spaziergang bei herrlicher Sonne zum Ottohaus. Um 11:30 bei der Wegkreuzung „Praterstern“ entschieden Frankie und Igo, die Höllentalaussicht (1620m) zu besuchen. Nur Tiefschnee, worauf Rainer nach 10 Minuten aufgab und zum Ottohaus (1644m) zog, Axel folgte knapp danach. Gegenüber beim Törlweg waren einige Gämsen. Zwei davon rutschten den Hang im Schnee hinunter und bogen elegant in den Weg ein, als wären sie vom Tourismusverein gesponsert. Nach einem kurzen Besuch der Aussichtsplattform um Punkt 12:00, die Feuerwehrsirenen setzten gerade zum wöchentlichen Heulen an, knotzten die beiden schon um 12:10 in der finsteren Stube. Finster deshalb, weil die Fenster fast bis zum First zugeschneit waren und die Sparlampen nur zögerlich hell werden wollten. Der Ofen strahlte seine behagliche Wärme bloß im Umfeld von 1 Meter 50 aus und dort saß eine Gruppe der Bergrettung. Wie auf fast allen Hütten gab es Selbstbedienung, dafür aber die Suppe in chinesischen Schüsseln, das ist seltener. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass Andrea Kronich, eine frühere Pächterin, von Sigmund Freud behandelt wurde?

Um 12:30 zogen die Bergretter wieder zu ihrer Übung und wir nahmen den Tisch beim Ofen in Beschlag. Und knapp nach 13:00 kamen auch Frankie und Igo von der Höllentalaussicht zurück. Sie hatten dort 8 Minuten verweilt. Trotz des Ofens war es nicht wirklich gemütlich. Das Ottohaus hat im Winter nur an Wochenenden geöffnet. Mollig wird es vielleicht erst am Nachmittag. Wenn überhaupt. Auf den Toiletten Sauerkraut- und Senfplastikkübel mit Wasser, weil die Leitungen eingefroren waren. Gleich nach 14:00 wieder Rückmarsch zur Bergstation. Wir benötigten trotz Schnee nur 40 Minuten.

Es wurde diesig, der Panoramablick war bereits etwas reduziert und der Schneeberg hatte sich auch umhüllt. Wir fühlten uns wie auf einer Insel. Die Sonne war eine gelbgraue Scheibe und es begann leicht zu grieseln. Das Thermometer zeigte -13°. Allerdings kein Präzisionsgerät, sondern ein Baumarktplastiktemperaturanzeiger. Laut einem Seilbahnführer waren es um 2° weniger; also -15°!

Um 15:00 kann man noch nicht mit dem üppigen Abendprogramm beginnen, also noch eine Runde zur nahen Kaiserbrunnaussicht. Die Aktion dauerte von 16:10 bis 16:45 und brachte keinerlei Aussicht nirgendwo hin. Abgesehen von einem einzigen gelben Pfeil gleich neben dem Haus, fanden wir keine weiteren Markierungen und der Weg war tief verschneit. Also kamen wir nur bis knapp unter die Schlepplift-Talstation und funktionierten die Erkundung in eine Pistenbegehung um.
Durchaus passend, denn am Sonntag waren Skirennen angesagt und überall lagen schon Slalomstöcke herum und einige Kabel schlängelten sich die Hänge hinauf. Zumindest hatten wir danach ein bescheidenes Maß an Müdigkeit und studierten die Speisekarte. Die Tagesgäste waren schon im Tal und außer uns war nur der Retirever-Pudel-Mischling mit seiner Herrschaft übrig geblieben. Und das Personal, von dem sich später auch mehr als die Hälfte mit der Personal-Gondel abseilte.

Das Essen war zwar nicht unbedingt haubenverdächtig, aber sehr gut und mehr als preiswert. Nur wenige Speisen über € 10.-. Es gab nichts zu meckern, wenn man vom bescheidenen Abendprogramm absieht. An Spielen gab es Mikado (kurze und lange Stäbchen), Würfel, Canasta-, Schnaps- und Tarockkarten und dazu einen Kuli. Das erschien uns unbefriedigend, und Stadt-Land wurde ebenso verworfen wie Schifferl-Versenken. Frankie griff zur Selbsthilfe und stopfte sich seinen Zigarettenvorrat für Sonntag und die anderen drei schauten blöd in den Saal. Dieser verströmt übrigens noch immer den diskreten Charme einer überdimensionalen Jagdstube aus den Zwanzigern.

Daher: 19:00 ab in die Zimmer und so gegen 20:00 wird wohl Licht-aus gewesen sein. Vom überwältigenden Sternenhimmel bekamen wir nichts mit, weil es entweder zu diesig oder zu früh war und die obskure Lichtsäule in der Ferne entpuppte sich als Nachtpiste des Hirschenkogels.

2.Tag; Sonntag:

Die Chefin hatte uns angeboten, schon ab 7:30 frühstücken zu können, denn alle wären früher da, weil eine große Gruppe aus Ungarn angesagt war und das Rennen stattfand. Die langen Diskussionen hätten wir uns sparen können, denn wir waren ohnehin erst um 7:50 am bereits gedeckten Tisch, um dem Frühstück entgegen zu fiebern. Und das lohnte sich auch. Frische, aber eiskalte Semmeln, weil sie erst mit der Seilbahn hochgebracht wurden. Frisch gekochtes, hartes Ei, Wurst, Schinken, Käse, Frühstücksspeck, Butter, Aufstriche, Paradeiser, Gurkenscheiben, Marmelade in kleinen Plastikportionsbechern, aber auch offen in der Glasschale, Honig und Nutella! Dazu Häferlkaffee den man nach haben konnte, ebenso wie die Semmeln. Bei einem Preis von € 34.- für Übernachtung und Frühstück hatten wir das nicht erwartet. Und die Zimmer und Sanitärräume waren durchaus OK!

Um dem Rambazamba zu entgehen, machten wir uns um 9:00 bei -16° Grad bereit für den Abmarsch. Schneeschuhe und Stöcke um € 10.- pro Person ausgeliehen und dann 10 Minuten warten, weil Rainer die Schneetreter nicht richtig arretieren konnte. Seine Berichte sind OK, aber in praktischen Dingen scheint er unbrauchbar. Aber dann stapften wir frisch und froh westwärts. Axel und Frankie zogen ihre Wanderhilfen erst beim Ottohaus (09:45) über die Schuhe. Mit den Schneeschuhen ist das Weiterkommen viel leichter als mit Bergschuhen, auch wenn man anders gehen und die Beine höher heben muss. Eingekehrt wurde nicht. Axel, Frankie und Igo nahmen den Jakobskogel (1737m) in Angriff; Rainer wählte als Pensionist die Promenaden-Variante: den Seeweg. Pralle Sonne, wenig Wind und Stille, wenn man vom Knirschen der Schneeschuhe absieht. Und die Stöcke gaben im harten Schnee ein gequältes Geräusch von sich, als würde in der Ferne ein Schaf geschlachtet. Er war um 11:20 bei der Neuen Seehütte (ursprünglich Holzknecht Hütte; 1648m). Die drei Bergsteiger hatten zwar die kürzere Entfernung, aber mehr Höhe zu überwinden, kamen daher erst um 11:50. Sie waren vom Jakobskogel weiter über die Hohe Kanzel und die Preinerwand mit dem Gipfelkreuz (1783m) marschiert. Nahe der Hütte wieder Gämsen und dann war da noch der Hüttenhund, ein Schäfer, der bellte ehe noch jemand zu sehen war. Waren die Wanderer einmal sichtbar, schienen sie ihm egal.

Abmarsch um 12:20. Rainer wieder den Penserlweg, die anderen mussten sich noch auspowern und stiegen zur Raxgmoa Hütte (1858m) auf, wo der Wind kräftig an ihren Kapuzen zerrte. Das Weichei erreichte nach einer gemütlichen Schneewanderung um 13:50 das Ottohaus, trank eiskalten Apfelspritzer und zog nach 30 Minuten zur Bergstation (14:50).

Die Zeit bis zum Eintreffen der anderen (16:05) verbrachte er mit einem Flascherl Cola-light und dem Beobachten der immer größer werdenden Menschenmenge, die der Seilbahn zustrebte. Mindestens 90% Ungarn und bei dieser Gelegenheit eine kleine Eintragung ins Stammbuch der „da-hörst-du-kein-deutsches-Wort-Fraktion“: ohne Gäste aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien wäre die Raxbahn schon längst die Schwarza hinunter geschwommen. Das wurde auch von den Mitarbeitern der Bergstation bestätigt.

Die Bergbezwinger waren noch über den Trinksteinsattel (1850m) und den Dreimarkstein (nicht der bei Wien! 1948m) wieder zur Seehütte gezogen und wollten dann ebenfalls über den Seeweg zum Ottohaus. Nur war unterwegs eine Spurgabelung und sie erwischten die falsche Variante, die sie zum zweiten Mal auf den Jakobskogel trieb. Die Pflichtverirrung!

Die Seilbahn fuhr jetzt in kürzeren Intervallen, sodass wir um 16:35 im Tal waren. Mit dem Flackl-Taxi nach Payerbach. Die Zeit von 16:50 bis zur Abfahrt des Zuges um 17:24 überbrückten wir bei Helga in ihrem Kiosk-Beisel neben dem Parkplatz. Da erfuhren wir auch, dass der Dreimarkstein die höchste Erhebung der Rax in Niederösterreich ist. (Was übrigens nicht stimmt, denn er liegt in der Steiermark.) Ankunft Meidling um wenige Minuten verspätet um ca. 18:55. Und dem Schaffner war es sichtlich egal, dass wir nur 4 statt 5 waren. Der junge Mann bei der Hinfahrt hatte zumindest innerlich gemotzt.


Die Zahlenspiele sind ob der unterschiedlichen Kondition etwas schwierig:

Ein Versuch:
Hin und her:
Rainer 5 Stunden 50 Minuten /Päuschen seeehr großzügig abgezogen
Axel 8 Stunden 30 Minuten
Frankie und Igo 9 Stunden

Auf und ab:
Rainer 210 m
Axel 765 m
Frankie und Igo 770 m

Und auch bei -15° fror uns der Mund nicht zu. Im warmen Zug schon gar nicht:

Staatsbesuche und die dazu gehörenden Demos und Absperrungen - „wie heißt der nordkoreanische Diktator?“ „ Kim?“ „ich glaub die heißen alle Kim!“ „Kim kocht?“ - das Ablaufdatum heißt nicht, dass die Ware verdorben ist - undurchsichtige Ermäßigungen bei Bus und Bahn - der neue Zentralbahnhof Wien und die angeschlossene Tintenburg - „wie wird eigentlich das chinesische Staatsoberhaupt tituliert?“ - „ich hatte heute 2 Tee mit Rum!“ „die sind eh schon verdunstet!“ „willst du damit sagen, dass ich eine Ausdünstung habe?“ - „nennt man das Propagandakunst? Als eine nordkoreanische Ausstellung im MAK war, durften sich die Aufseher nicht setzen, weil das eine Majestätsbeleidigung gewesen wäre“ - „du hast in der Nacht geraschelt“ „und er gibt komische Geräusche von sich, wie im Tiergarten“ - „die österreichischen Tatorte sind anders als die deutschen und letzten Sonntag waren 15 Tote. Mit der Dings, na wie heißt sie? (Adele Neuhauser) - das Spiegelkabinett im Prater - „ich habe schon Sanitärinstallationen selbst gemacht! Ein alter Wasserhahn war kaputt und ich…………..“ - der feine Unterschied zwischen WWN und WNW und NNW - „warum heißt es Seeweg und Seehütte, wenn dort kein See ist?“ (es gab dort tatsächlich einmal einen kleinen See) www.seehütte.at/page3.php

Vielleicht noch kurz die Geschichte dreier Seilbahnkarten. Samstagabend fand jemand eine Seilbahnkarte. Rainer seine aber nicht. Er schrie „hier“ und lud den Finder auf ein Achterl ein. Sonntag tauchte seine Karte in einer Jackentasche auf. Er hatte viele Schichten an und dementsprechend viele Taschen. Als braver Bürger gab er die gefundene bei der Seilbahn ab. Vor der Talfahrt fand aber wieder Igo seine nicht, daher ging sie wieder an ihn. Daheim in Wien hat er dann seine eigene gefunden. Würden wir Ticket mit Mensch austauschen, wären wir bei Schnitzler.


Das Wetter hätte besser nicht sein können. Gegen die Kälte kann man sich schützen und vor allem der Sonntag wurde seinem Namen gerecht. Kalt aber Sonne von früh bis spät. Das können nur die Fotos beschreiben. Worte nicht! Wind gab es nur an wenigen ausgesetzten Stellen. Kleiner Vergleich: Samstag um 6:00 hatte es in Litschau -21,4°, in Langenlebarn -18,8° und auf der Rax -16,6° Da musste man ja hinauf!


Die Tour hätte ursprünglich am 7. und 8. Jänner stattfinden sollen, wurde aber wegen Schlechtwetters verschoben. Dafür hat sie aber jetzt das Privileg, die würdige Winterabschlusswanderung anno 2012 zu sein. Der Frühling kann kommen!


Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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