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Männer auf Touren

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Pfingstsonntag 11. + Pfingstmontag 12. Mai 2008

Gippel
St. Ägyd - Gippeltörl - Gippel - Göllerhütte - Kernhof - St. Ägyd

  Mit dabei: Alois, Frankie, Helmut mit Emmi, Paul, Peter, Rainer, Roland, Thomas und Thomas und noch ein Thomas (er wartete in St. Ägyd auf uns). Joachim musste leider absagen.

Sonntag 11. Mai - Muttertag

Treffen um 9:50 in der Kassenhalle des Westbahnhofes und Abfahrt um 10:04 nach St. Pölten. Nicht unterwähnt soll die selektive Platzwahl bleiben; ich glaube, erst im 3. Wagen war es allen genehm. Oberstock natürlich.

In St. Pölten hatten wir schnellen Anschluss und waren um 12:26 in St. Ägyd am Neuwald. Wir hielten uns nicht lange auf und zogen sofort los.

Entlang des Weißenbaches in das gleichnamige Tal, wo wir schon bald den Gippel mit seinen schroffen Felswänden und Schnee unter dem Kamm sehen konnten. Schnee aus der Ferne zu sehen, gab dem ganzen ein hochalpines Flair und erschien nicht weiter bedenklich. Schließlich gab es ja den rot markierten Weg und Schnee mit Sonne sorgt für Bräune. Um der Straße zu entgehen, wichen wir auf einen Wald- und Wiesenweg über die "Eben" aus, mussten aber beim Grieshof wieder auf die Straße zurück. Vorbei an saftigen blühenden Frühlingswiesen bis "Zögernitz" wo der "Treibsteig" begann. Wir waren bereits 1 Stunde unterwegs.

Der Weg ging bergan, war nicht zu steil und so legten wir um 13:45 irgendwo am Ursprung- Kogel (959 m) eine zehnminütige Pause ein, um die Truppe wieder zusammen zu bringen.

Die erste längere Rast zum Energietanken kam um 14:30. Um uns waren Unmengen von Farnen knapp vor ihrer Entfaltung; im Sommer muss das ein herrliches Bild sein. Bei dieser Gelegenheit und ehe wir uns dem winterlichen Teil widmen, ein kurzer, unvollständiger Ausflug in die uns begleitende Blumenwelt: Veilchen, Sumpfdotterblumen, jede Menge Maiglöckchen noch ohne Blüten, Schneerosen mit bereits grünen Blüten, dann am Berg waren sie noch weiß, Buschwindröschen, Wiesenschaumkraut, Silberdisteln, Augentrost, Beinwell (für Umschläge), Günsel, Frühlingsenzian, Leinkraut, Alpenglöckchen (oder auch Soldanellen), Himmelschlüssel, Ackerstiefmütterchen (sehen aus wie Veilchen in den n.ö.Landesfarben und ich habe alles in den klugen Büchern nachgeschlagen), Akeleien schon mit Blütenknospen und Seidelbast für die Giftmischer.

Peter hatte die Pause nicht mitgemacht und zog alleine weiter. Wir machten uns um 14:50 wieder auf den Weg und kurz danach kam uns Peter etwas echauffiert entgegen. Weiter oben sei viel Schnee und man könne den Weg nicht mehr finden. Steile Schneeflächen wären zu queren und Umkehren das Gebot der Stunde. Frankie behielt die Nerven und meinte "na zuerst schauen wir uns das halt an", wozu wir um 15:00 reichlich Gelegenheit hatten. Eine Steilhangquerung war komplett mit Schnee bedeckt und kein Weg, keine Markierung zu erkennen. Außer Fußstapfen keinerlei Hinweis, wie wir den Berg erklimmen sollten. Das erforderte natürlich intensive Beratung und Ratlosigkeit machte sich breit. Schließlich meinte Alois, dass, wenn wir schon da wären und andere offensichtlich auch den Weg gegangen waren, wir nicht kneifen sollten. Da er und Paul keine hohen Bergschuhe, sondern Sportschuhe (von Roland respektlos "Ballerinas" genannt) anhatten, wirkte das überzeugend und schließlich wagten wir zu acht den weiteren Anstieg. Nur der Thomas, der in St. Ägyd zu uns gestoßen war, und Peter gaben auf und stiegen wieder ab. Schade, Thomas hatte einen Höhenmesser dabei, der allerdings nur in der prallen Sonne funktionierte.

Wieweit der Aufstieg gefährlich war, wage ich nicht zu beurteilen. Beschwerlich war es auf alle Fälle. Der Steig war großteils nicht mehr erkennbar und wir mussten uns an den Spuren anderer Wanderer (oder waren wir jetzt schon Bergsteiger?) orientieren. Ein Stück konnten wir nur in der direkten Linie bergauf kriechen in der Hoffnung, weiter oben irgendwo den Pfad zu finden. Hier begegnete uns auch ein Ehepaar, das beruhigende Worte für uns hatte und jemand von uns meinte, die Bergsteiger würden alle lügen. Hin und wieder konnte man die Seilsicherung sehen und zwischen Schnee und den Felsen hatten sich vom Schmelzwasser Spalten gebildet. Dort konnte man den etwa 1 bis 1,5 Meter darunter verborgenen Weg erkennen. Der Sonnenschein milderte die Dramatik etwas, aber ich glaube, ganz wohl war uns allen nicht. Ausrutscher wären nicht günstig gewesen. Wir wollten nur endlich hinauf und als uns eine Gruppe von einigen Erwachsenen und mindestens zehn Kindern und Jugendlichen, die jede Menge Spaß am Abstieg hatten, entgegenkam, fassten wir neuen Mut und legten beruhigt um 16:00 Uhr ein kurzes Pauserl ein. Die Stelle war wie der gesamte Steig der letzten Stunde exponiert, aber der Gegenverkehr nahm zu und wir hatten kaum eine andere Wahl. Leider etwas voreilig, denn 20 Minuten später um 16:20 waren wir endlich beim Gippeltörl. Geschafft (in jeder Beziehung) und froh ließen wir uns auf der Wiese am Ochsenboden nieder, genossen die Sonne und freuten uns am dottergelben Postkasten, den jemand offensichtlich in ähnlicher Euphorie hier aufgestellt hatte.

Der Blick war atemberaubend: Rax, Schneealpe, Veitsch, Hochschwab und ganz hinten im Südwesten das Gesäuse. Um 16:40 machten wir uns wieder auf. Der Marsch war auch hier mühsam, weil man immer wieder über Felsbrocken steigen musste, aber um 17:11 waren wir beim Gipfelkreuz des Gippel. Von hier war auch der Schneeberg zu sehen, den beim Törl noch der Schwarzauer Gippel verdeckte. Wir hatten erst ein Sechstel der Kammwanderung hinter uns. Wobei Kammwanderung der falsche Ausdruck ist. Der Weg verlief knapp bis weiter unterhalb des Kammes, war immer wieder mit Felsen durchsetzt und konnte auch immer wieder mit gehörigen Schneemengen aufwarten. Dazu kamen noch Geröllhalden mit Schnee, ohne Schnee und nur teilweise mit Schnee, dessen Konsistenz noch dazu gehörig variierte und man unversehens bis zum Knie einbrach. Nach der Querung der größten Halde waren Steig und Spuren verschwunden. Falls niemand ein Foto gemacht haben sollte, so sieht die Stelle ohne Schnee und in die Gegenrichtung aus:
http://harald.zainzinger.at/gippel/Seiten/29-chris-gerhard-hoerbi-unterwegs-zum-gippel.jpg.htm

Eine besondere Tücke des "Majewskisteiges" ist die Tatsache, dass die meisten Markierungen auf den Steinen angebracht wurden und die kann man im Schnee nicht sehen. Und selbst wenn: egal wohin man wollte, es gab nur rote Markierungen. Wir begannen auszuschwärmen, konnten uns schließlich kaum noch rufend orten und Emmi bangte um den Zusammenhalt der Gruppe.

Frankie und Helmut fanden nach einer halben Stunde endlich einen roten Farbbalken. Frischen Mut gefasst und wieder westwärts. Eine weitere Tücke ist die Notwendigkeit, immer wieder den nächsten Gipfel erklimmen zu müssen. Vom Törl auf den Gippel mit 1669 m, dann hinunter auf die Pollwisch-Alm (1401 m) und die Gamsmauer entlang und das war noch nicht alles. Wir fürchteten, die Göller-Hütte nicht mehr bei Tageslicht erreichen zu können. Roland meinte "ach da steigen wir ab und suchen uns irgendwo einen Bauern"; eher ein Flachland-Traum. Ich hatte Anflüge von Visionen, wie wir, ähnlich den Kindern aus "Bergkristall", in einer Schneehöhle zu haluzinieren beginnen und dann riefen wir (Handy sei Dank) bei der Hütte an. Wir wussten zwar, dass der Weg richtig war, hatten aber keine Ahnung mehr, wie weit wir noch zu gehen hatten. Der Hüttenwirt hatte die beruhigende Auskunft "jo wann's ned wissts wo's sads, konn ich eich jetzn a net höfn, ruafts hoit später no amoi an, dann miss'n ma eich suachn". Fein!

Knapp vor der Hofalm ein Aufschrei: "ich sehe die Hütte". Sofort zum Handy gegriffen, den Hüttenwirt angerufen und die frohe Botschaft kundgetan. Bloß: es war eine Halterhütte. Ein Ehepaar mit Hund wies uns schließlich den Weg: wieder hinauf (Hofalm 1546) und dann doppelt so weit hinunter und vom Waldhütt Sattel den Forstweg weiter. Der ging wieder bergauf. Trotzdem Danke. Ja und es wäre noch etwa eine Stunde.

Der Forstweg endete bei einer Materialseilbahn und mein Anruf bei der Hütte war kurz und prägnant: "Sad's es am End von da Seubahn?". Antwort "No do braucht's jetzt nur mehr die Hauswiesn auffageh und sad's do!" Dass die Hauswiesen auch sehr steil war, hatte er nicht gesagt, aber uns blieb ohnehin keine Wahl.

Bei Einbruch der Dunkelheit um 21:00 waren wir endlich am Ziel und fielen kopfüber in das pralle Hüttenleben.

Wir wurden sichtlich erleichtert begrüßt und gleich um den Tisch neben dem Ofen platziert. Beim Ofen schlief bereits ein leicht Angeheiterter mit Ohrring. Am Nebentisch ging es hoch her und jede Runde Schnaps wurde mit OoooooHoooopp gekippt. Ton und Lautstärke stark ansteigend. Jemand steckte einen Finger in den Schnaps und zündete ihn dann an: "Siechst, wann a blau brennt is a guat" und bekam als Antwort: "i trink eam jo eh scho die ganze Zeit, fia mi hättast'n net anzindn brauchn".

Und gegenüber spielte eine Gruppe ein Gesellschaftsspiel. Eine große gewölbte Holzscheibe in Form eines Tischgrills, wie ihn Korea-Restaurants gerne verwenden, war mit Mulden und Toren ausgestattet und man musste die Kugel in der Mitte mit der eigenen Kugel aus der Mulde heraus abschießen. Oder so. Zu Essen war noch alles da: Fritattensuppe, Selchsuppe mit Speckknödel, Schweinsbraten (eher trocken), Bauernschmaus, Geselchtes und alles mit Kraut und Knödel.

Viel zu spät aßen wir viel zuviel und nicht alle schliefen besonders gut. Helmut schon gar nicht, denn er musste in der Gaststube übernachten, weil Emmi nicht in das Matratzenlager durfte. Wir restlichen sieben teilten uns die 25 Schlafstellen mit zwei Frauen. Die erste war schon vor uns oben und wies uns an ruhiger zu sein. Soviel Lärm hätten wir gar nicht machen können, um den Radau aus dem Gastzimmer zu übertönen. Die übrigen Gäste waren im Schlafraum gegenüber.

Die Körperpflege war eher eine Katzenwäsche und der Waschraum in einem separaten Schuppen untergebracht. Die Toiletten bestanden aus einem weiteren Schuppen: 1.Tür Damenplumpsklo, 2.Tür Herrenplumpsklo und dritter Eingang ohne Tür Pissoir, das aus einer Blechrinne bestand und dafür kein Licht hatte. Die Temperaturen reduzierten die Verweildauer auf ein Minimum.

Montag 12.Mai

Außer Frankie (er hatte Ohrstöpsel mit) waren alle früh munter. Das Frühstück bereitete der Ofenschläfer mit dem Ohrring und er erledigte alles barfuss. Einige ließen sich zu üppigen, fetten Ham and Eggs hinreißen, aber wir hatten ohnehin noch einige Stunden Weges vor uns. Allerdings ohne Aufstieg auf den Göller, denn diese Variante wurde mit Stimmenmehrheit verworfen. Der Vortag hatte wohl gereicht.

Abmarsch um 8:30 zurück zum Waldhütt Sattel und von dort einen Waldsteig ins Tal. Erst noch mit Felsblöcken und umgestürzten Bäumen. Man musste sie entweder überklettern oder unten durch kriechen. Um 9:20 hatten wir das Steilstück (kein Vergleich zum Aufstieg, kein Schnee und nicht exponiert) hinter uns und von da an gab es sogar hin und wieder richtige Stufen. Luxus pur also. Um 10:15 waren wir im Tal und gönnten uns 10 Minuten Pause. Kernhof streiften wir nur am Rande und bogen Richtung Reintaler ab. Schöne Frühlingswiesen und um 10:50 eine kleine Rast bei der Abzweigung zum Luegg, aufgelockert durch Alois, der seinen Sonnenschirm aufspannte und damit die Sommerfrische-Saison eröffnete. Nach 1/2 Stunde weiter und zur Abwechslung wieder bergauf; das hatte uns schon gefehlt. Um 11:39 waren wir auf der letzten Anhöhe dieser Tour. Zwei Bauern kamen uns entgegen und erzählten von den gewaltigen Sturmschäden in ihren Wäldern. Sie waren unterwegs um sich einen Überblick zu verschaffen, weil vor allem die Borkenkäfer gefährlich wurden.

Der weitere Weg verlief unspektakulär. Wir kamen wieder auf die Strecke, wo wir am Vortag hoffnungsfroh dem Aufstieg entgegenfieberten, sahen jede Menge Auto- und Motorradfahrer mit dem Ziel Jausenstation, einen Zitronenfalter, einige Radfahrer und eine Blindschleiche (keine Schlange! Wer's nicht glaubt soll bei Wikipedia nachlesen). Höhepunkt des Tages: um 13:00 machte Emmi schlapp! Sie wirkte lahm und die Vermutung, sie hätte sich etwas eingetreten, war falsch. Sie war erschöpft und hatte wohl auch einen gewaltigen Muskelkater. Mit viel Zureden machte sie sich wieder auf die Beine und trottete müde und in ihr Schicksal ergeben die letzte 3/4 Stunde neben uns her. 13:45 Ankunft am Bahnhof; nächster Zug 14:53, da lag es nahe, den "Goldenen Hirschen" gegenüber aufzusuchen. Schöner schattiger Garten und eine rot gefärbte Wirtin, deren letzte Coloration schon etwas länger her war. Das Gulasch würde sie noch immer so zubereiten wie früher in Meidling (Ratschkygasse, falls es jemand interessiert), wo sie vor Jahren das Lokal verkauft hatten um später vom 75 jährigen Vater zu erfahren, dass er ein Gasthaus in St. Ägyd erworben hätte. Bier, Kaffee, Radler, Apfelsaft, Obsttorte und davor ein wirklich vorzügliches Gulasch.

Abfahrt planmäßig nach St. Pölten. Unterwegs rief Helmut noch Freunde an, damit er ihnen gemeinsam mit Emmi und Frankie von Zug aus winken konnte und um 16:18 waren wir in der Landeshauptstadt. Weiterfahrt um 16:57 mit REX "Kabarett Simpl". Lustig fanden wir's nicht mehr, weil wir zu müde waren, aber Emmi hatte sich immerhin soweit gefangen, dass sie es schaffte, doppelt so große Rüden in Schach zu halten. Und um noch einmal auf mein gestörtes Verhältnis zur Benennung Österreichischer Züge einzugehen: als Chris Lohner um 1/2 5 flötete "Intercity sixfourseven Fachhochschule St.Pölten from Salzburg Hauptbahnhof....", bereitete das dem internationalen Reisepublikum gewiss wohlige Schauer.

Bei soviel Anstrengung geraten die Themen ins Hintertreffen:
Muss man sich, wenn man in der Öffentlichkeit steht, "Berufsschwuchtel" titulieren lassen oder war das eine Fehlentscheidung des Gerichtes?; wenn ich sage, der Rathausplatz ist so sauber, weil der Herr Bierführer immer mit einem Fetz'n d'rübergeht, dann ist das als Witz zu sehen, sage ich aber, der Herr Bierführer war angesoffen, ist das eine Beleidigung!; werden wir uns in 10 Jahren das Autofahren noch leisten können und hat der öffentliche Verkehr überhaupt die Infrastruktur um als alternatives Angebot ernst genommen zu werden?; das Bereisen Zentralasiens mit dem Zelt; Designer Täschchen an schönen Männern; der Wert von Reisetagebüchern; wohin ist eigentlich Jörg Haider verschwunden?; Zufuhr pflanzlichen Eiweißes nach dem Training; die Verblüffung, wenn ein Dunkelhäutiger im Wiener Dialekt spricht, rührt auch von Vorurteilen; die Ausbeutung junger Mädchen in katholischen Klöstern und die diesen Frauen fehlenden Versicherungsjahre als nur eine der traurigen Folgen (klingt banal, ist aber zum Kotzen).

Diese Tour hat natürlich einige Zahlen verdient:

reine Gehzeit Sonntag: knapp 7 Stunden
reine Gehzeit Montag: etwa 4 1/4 Stunden
die Pausen sind berücksichtigt und den Weg von der Bahn zum "Goldenen (laut Wirtin "derischen") Hirschen" habe ich salopp weggelassen.

1500 m hinauf und auch wieder hinunter. Ich habe mir erlaubt, das Bergauf/Bergab ab dem Gippeltörl auch mitzurechnen und war mit dem kurzen Anstieg zum Luegg auch nicht zimperlich.
Weiters einige Stürze oder eher Ausrutscher und eine zerrissene Hose.

Fazit: diesen Muttertag werden wir so schnell nicht vergessen!

Rainer


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