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Männer auf Touren

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Samstag 11. – Sonntag 12. Juli 2009

SCHNEEALPE
Altenberg  a. d. Rax  - Lohmgraben - Lurgbauer Hütte - Schneealpen Haus -
Windberg - Lurgbauer Hütte - Karlalm - Hinternaßwald

  Samstag 11. Juli

Zweitageswanderungen erfreuen sich meist nicht des gleichen Zuspruchs wie die Sonntagstouren, doch  10 Mann und zwei Hunde waren eine ansehnliche Gruppe.
Vielleicht auch deshalb, weil die Abfahrt um 09:23 vom Südbahnhof als sehr moderat eingestuft werden konnte. Das war zwar nicht Absicht, aber durch den Fahrplan erzwungen. Also konnten Frankie, Helmut mit Emmi und Harry, Igo, Josef, Rainer, Roland, Thomas, Thomas, Thomas und Walter sich unterwegs nicht über Erschöpfung infolge zu wenig Schlafes beschweren.

Zwei Mal umsteigen (Wr. Neustadt,  wo Thomas aus Bad Vöslau zu uns stieß und Payerbach-Reichenau)  war zwar etwas umständlich, wenn auch immer vom selben Bahnsteig. In der Schnellbahngarnitur ab Payerbach mit versperrter Toilette begann das kollektive Eincremen, um die Zeit bis zur Ankunft in Mürzzuschlag um 11:24 tot zu schlagen. Da bis zur Busabfahrt um 12:15 noch fast eine Stunde Zeit war, verzogen wir uns gleich in den Schanigarten der Bäckerei Köck am Hammerpark. Kaffee und üppig aussehende Schaumkuchen, an deren Früchte ich mich nicht mehr erinnern kann. Wohl aber daran, dass die Tische allesamt nicht abgeräumt waren, was Igo zu einer Protestaktion veranlasste. Er stapelte alles auf einem Ecktisch auf und zerschepperte dabei ein Glas.

Abfahrt um 12:15 durch das obere Mürztal über Kapellen Richtung Altenberg (782m). Walter verteilte selbst gefladerte Marillen und zwei Frauen in der Sitzreihe vor uns erkundigten sich nach unserem Ziel, gaben Tipps, sagten wo wir aussteigen mussten und zeigten uns auch noch den richtigen Weg. Und so stampften wir um 12:30 los. Erst gemütlich den Lohmbach entlang bis zum Lurgbauer und dann, schon steiler, in den Lohmgraben. Der schotterige Weg wurde zusehends steiler und war schließlich nur mehr ein Steig, der sich in kleinen Serpentinen den Berg hoch mühte. Wir auch! Dann verlief er seitlich ober dem Bach und war gesäumt von Gras und einer Vielzahl von Blumen. Das lud zwei Mal zu kurzer Rast ein. Aussicht genießen und Pflanzen betrachten; beides Ausreden! Nach Überqueren des Baches ging es noch über Schneefelder durch den Almgraben bis zur Wiese der Ameisbühelalm mit der Lurgbauer Hütte (1764m). Hier war es sehr windig und die restlichen Hüllen wurden angelegt. Um 15:30 waren wir oben, saßen an einem Tisch und konnten  bestellen. Was will man mehr. Für Mittagessen war es zwar zu spät und für das Abendessen etwas zu früh, aber es wurde trotzdem zugelangt.

Eine Stunde später nahmen wir den restlichen Weg über die Hochfläche zum Schneealpenhaus (1782m laut Plan; 1788 m laut Tafel) in Angriff. Almwiesen, jede Menge Kühe und dürre Latschen, die wie gebleichte Gebeine in Wild West Filmen aussahen. Wie uns der Wirt später erklärte, war das die Folge eines 20 Minuten dauernden Hagels, der den Pflanzen die Rinden abschlug, und sie so jeder Regenerationsmöglichkeit  beraubte. Selbst wer nur oberflächlich schaute, konnte eine Vielfalt an Blumen und seltenen Orchideen ganz beiläufig am Wegrand stehen sehen. Überall wo der Wind freie Bahn hatte, und das war sehr häufig, war es eher frostig, obwohl es immer wieder Sonne am etwas durchsetzten Himmel gab.

Unser Tagesziel erreichten wir um 17:20. Walter später, weil er seinem Drang nach gründlicher Erforschung der Flora freie Bahn ließ. Durst stillen und Lager bzw. Zimmer (Emmi und Harry durften nicht in die Lager) beziehen. Dank und Ehre gebührt den Errichtern, Erhaltern und Betreibern der Berghütten, aber wie man auf  5 schmalen und einer etwas breiteren Matratze 7 Leute unterbringen will, ohne dass sie irgendwann nächtens zum Taschenmesser greifen, muss mir erst jemand „vorliegen“. Die Diskussion „Fenster auf oder zu“ wurde von den Gegebenheiten entschieden, denn beim Öffnen riss es Igo fast den  Flügel aus der Hand.

 Josef verabschiedete sich hier, weil er noch nach Wien wollte. Er zog durch den Blarergraben und dann über den ersten Teil unseres Aufstiegs nach Altenberg. Sein Bus ging um 20:59 und der Anschlusszug um 21:32, aber er wollte in Altenberg liebe, nette Mürztaler bitten,  ihn mitzunehmen. Seine Erfahrungen:

Ich bin nach 1 ½ Stunden unten gewesen und habe bis Mürzzuschlag gestoppt. Alle Steirer  haben es  ignoriert, aber  ein vollbesetztes Auto mit jungen „Jugobuam“  hat mich  dann mitgenommen. Allerdings ging es im  Höllentempo weiter und ich habe meist die Augen zu gehabt. Dennoch:  Brav.  So habe ich den Zug 1 Stunde  früher noch erwischt.

Hinter der Hütte betrachteten wir, wie Windbrecher aufgestellt, den Sonnenuntergang. Die großartig erörterten Gesellschaftsspiele gingen irgendwie in der allgemeinen Müdigkeit unter. Auch die, für eine Berghütte eher unübliche, Sauna reizte uns nicht. Nach Fleischstrudel- und Kaspressknödelsuppe, Eierschwammerlsauce mit Knödel, Steirischer Eierspeis mit Salat, Schweinsbraten mit Knödel, Nussstrudel und Pfirsich-Joghurt Schnitte spendierte der Wirt (im Winter ist er in Australien) eine Runde selbst gemachten Latschenschnapses. Zwei handvoll (er hatte große Hände) Latschentriebe mit einigen Zapfen für den Geschmack reichen für 50 Liter. Wovon hat er nicht gesagt, gehen wir einmal von Weingeist aus. Und da muss man noch kräftig zuckern, weil er sonst nicht zu saufen ist. Sie haben die Mischung aber  sehr gut im Griff!

Die Nachtruhe kann ich zeitlich nicht mehr einordnen, aber wir haben nicht über die Stränge geschlagen.

Sonntag, 12.Juli

Thomas zog schon um 05:30 in die Gaststube um zu lesen. Der Rest schälte sich irgendwann ab 06:00 aus den Schlafsäcken, um mit müden Augen, nach einer windigen Nacht, die Waschräume anzusteuern. Im Tal war noch Nebel und im 1. Stock hatte nächtens ein weibliches Wesen von der Hüttenmannschaft lautstark seinem Frust Ausdruck verliehen. Was wie das Wehren gegen eine Vergewaltigung schien, war offensichtlich „nur“ Auflehnen gegen eine persönliche Situation, denn sie dürfte allein im Zimmer gewesen sein.

Es gab nur EISKALTES WASSER, was den hygienischen Aufwand etwas reduzierte. Außentemperatur 6° C. Und dazu vielleicht die beiden erbaulichen Sprüche auf den Toiletten:

„ziehen deine Würste Streifen,
(dann) musst du zur Bürste greifen“
(das war beim Eingang)
und
 „wer Ehrlichkeit liebt und Sauberkeit dazu,
der macht aus Dankbarkeit für die Benützung
jedes Mal den Deckel zu“

(und das war auf allen Häuseln; für Männer zumindest)

Einige machten noch einen kleinen Rundgang zu Kapelle. So erbaut, konnten wir das Frühstück von 07:30 bis 08:30 beruhigt genießen. Ein kleines Buffet auf einem kleinen Tisch, aber alles da: Sehr guter Kaffee, Teewasser und Teebeutel, Milch,  Maresi, Wurst, Käse, Brot, Cerealien, Aufstriche, Butter, Honig, Marmelade und Haselnusscreme die auch bei uns einen Abnehmer fand. Ich muss das erwähnen, weil er schon am Vorabend von Nutella träumte. Thomas vermisste die Einlage seines rechten Schuhs, war aber dann nicht sicher, ob er sie überhaupt mit hatte.

Zum Schneealpenhaus vielleicht noch die Bemerkung, dass außen eine Tafel mit dem Hinweis:

Eierschwammerl-
schau ned so genau
sauce mit Knödel

stand. Das winzig geschriebene „schau ned so genau“ war einmal ein Gag, allerdings mit wasserfester Farbe und daher nicht mehr wegzukriegen. Der Effekt:  man schaut genau! Und in der Stube waren zwei Speisen japanisch angeschrieben. Hier hatte sich ein Gast verewigt. Erwähnenswert  vielleicht auch die Tatsache, dass man in Österreich an keiner Holztüre mehr vorbei kommt, hinter der nicht Murmeltiersalbe angeboten wird.

Abmarsch um 08:30 bei herrlichem Wetter zum Windberg. Natürlich nicht die 40 Minuten direkt, sondern auf großem Umweg Richtung Hinteralm mit Ankunft am Gipfel (1903m) um 10:15. Windig, aber sonnig. Am Weg sahen wir Gämsen majestätisch auf einem Felsen und dahinter den blauen Himmel. Wie Indianer vor dem Angriff (zumindest in Filmen). Dann stürzten sie sich in der Falllinie bergab. Uns blieb der Mund offen und Thomas meinte „für die ist das so, wie wenn wir vom Sofa steigen“. Und der laute Pfiff eines Murmeltiers führte dazu, dass auch Emmi an die Leine musste. Der Windberg bot einen herrlichen Blick auf das Hochplateau der Schneealpe und nicht nur die nahe Bergwelt. Schneeberg, Rax, Stuhleck, Fischbacher Alpen, Schöckl, Veitsch, Hochschwab, Gesäuse, Gemeindealpe, Ötscher, Göller, Gippel und einige uns nicht ganz klare Gipfel, weil der Betrachtungswinkel für uns ungewohnt war.

Nach einer Viertelstunde lösten wir uns vom Gipfelkreuz und steuerten mehr oder weniger direkt die Lurgbauerhütte an, die wir aus verschiedensten Gründen (Kondition, Tratschen, Flora) zwischen 11:45 und 12:00 erreichten und nach ausgiebigem Mittagessen erst kurz nach 13:00 wieder verließen. Wie das Schneealpenhaus, war auch diese Hütte sehr gut besucht.

Nach einer Viertelstunde machten wir 20 Minuten Halt am Ochsenboden und wanderten über die Karl Alm und den Gamskogel talwärts Richtung Hinternasswald. Was auf der Karte luftig und leicht wirkte, war in Wirklichkeit ein schmaler Steig, der zwar durch herrliche Vegetation führte, aber ob der vielen Steine und des feuchten Bodens, seine Tücken hatte.

Trotzdem waren wir gut 15 Minuten vor Busabfahrt (16:30) in Hinternaßwald. Die Rückfahrt verlief programmgemäß, abgesehen davon, dass wir auf das Umsteigen in Wiener Neustadt verzichteten und erst um 18:52 (statt 18:28) in Meidling waren. Zur Busfahrt sei vielleicht der Felseinschnitt zwischen Naßwald und Hinternaßwald erwähnt.. Der Bus zwängte sich mit einem Seitenabstand von etwa je 15-20 cm durch. Kompliment an den Fahrer und danke für die Gruppenermäßigung.

Es waren zwei  Tage auf einem nur Eingeweihten bekannten Bergmassiv bei herrlichem Wanderwetter. Keine Zahnradbahn, keine Seilbahn, keine Mautstrasse. Das hält viele fern, zieht aber, wie wir sehen konnten, viele andere an. Die Alpenpflanzenvielfalt würde  man so nahe der pannonischen Tiefebene nicht erwarten. Sie begeisterte nicht nur Roland und Walter.

Die Schilderung mag einen unsportlichen Eindruck vermitteln. Oh nein!
Am Samstag sind wir in 3 ½ Stunden immerhin  1000 m hoch gestiegen. Und am Sonntag waren es unter Berücksichtigung der vielen Ab- und Wiederaufstiege auch locker 200 m bergan. Und da waren wir auch mehr als 5 Stunden unterwegs. (Pausen jeweils abgezogen!)

Fazit: zwei schöne Tage, zwei  überforderte Knie, zwei  lädierte Füße, ein Hund, der die letzte Etappe wie eine Fuchsstola um die Schultern von Helmut und Thomas drapiert werden musste, und eine verlorene Kamera. Da mag es nur ein schwacher Trost sein, dass ich mein Handy mit dem Rucksack wegräumte und ½ Tag danach suchen musste.

Und übrigens: „ich hätte nicht erwartet, dass Heesters Michael Jackson überlebt“    -   „wenn Schöpsen niesen, gibt’s schönes Wetter, wer 3 x niest ist doof“   -   ist eine Federboa unanständig?   -   am Berg geht man immer hinauf   -   Handyanbieter und der beschissene Empfang in Österreichs Tälern   -   „Frankie hat mich geschubst, schreib das in deinen Bericht“   -   UAJ (unser aller Jörg), Claudia, Gedeon und Stefan   -   in Graz sind die Museen am Montag geschlossen   -    Outing im ländlichen Umfeld ist meist nicht von Vorteil    -    die heurige Gelsenplage, und sind Gelsenstecker die richtige Lösung?   -  „na servas! Da soll ich schlafen?   -   „hab ich euch schon von meinem Sonnenbrand in Florida erzählt?“  (nur kurz: einmal verbrannt und zum Duschen nicht mehr fähig, wohl aber zum Auftragen lindernder Essenzen, die eine gewaltige Schweiß-Chemie-Duftwolke provozieren, muss man das Hotel durch den  Hintereingang  betreten, was das einzige Zimmermädchen im Flur in die Flucht schlägt. Es muss sehr schlimm gewesen sein!)     -   „Das ist eine ganz seltene Orchidee, die habe ich noch nie gesehen!“  (Walters Wissen um die Pflanzenwelt  ist umwerfend).

Mein bescheidener Beitrag:
http://www.heimische-orchideen.at/

Rainer


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