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Sonntag 13. April 2008

Wanderung Kamptal
Rosenburg – Ödes Schloss – Steinegg – Bründlleiten – Hängender Stein – Rosenburg

  Mit dabei: Bill, Christian, Erich, noch ein Erich, Frankie, Helmut mit Emmi und Harry, Herbert, Joachim, Josef, Peter auch mal zwei, Rainer, Roland, Roman und Wolfgang

Um Verwechslungen bei den Namensgleichheiten zu vermeiden könnte ich ja Peter der Ältere oder der Beschwerdeprofi und Peter mit der kurzen Hose schreiben, will mich aber doch Peters (d. Ä.) Vorschlag anpassen und sie Peter III bzw. Peter IV nennen. Wer Peter I und II sind, weiß ich nicht. Und die Erichs werden mir die Nummerierung hoffentlich auch verzeihen. Erich I hatte den hellen Sweater mit der Kapuze an.

Treffpunkt 07:40 Franz Josefs Bahnhof. Das Gebiet nördlich der Donau wird von den Wienern als Wandergebiet eher stiefmütterlich behandelt. Keine Gipfel, keine Aussicht, keine urigen Hütten und keine Anforderung an die Kondition (haha); kurz: kein Vergleich zu den Voralpen. Auch die M.a.T. sind dort ja nicht unbedingt Dauergäste. Also war eher keine große Teilnehmerzahl zu erwarten. Doch wir waren stolze 15 plus zwei Vierbeiner. Dass Emmi bei der Begrüßung die restlichen Schläfer vom Julius Tandler Platz geweckt hat, sei nur nebenbei erwähnt.

Abfahrt 07:51 (die klingenden Künstlernamen der ÖBB-Züge spare ich mir in Hinkunft) nach Hadersdorf am Kamp. Abgesehen von der Donauüberquerung und schönem Blick auf den Wagram ist nicht viel zu berichten. Umsteigen in Hadersdorf in den Triebwagen und weiter nach Norden durch das Kamptal bis Rosenburg, wo wir um 09:34 ankamen.

Kurz tief eingeatmet und um 09:40 zogen wir los. Durch Rosenburg an der Kirchschläger-Villa vorbei Richtung altes E-Werk und Rauschermühle. Anfangs ging es die Strasse entlang und bei der Straßenbrücke Richtung Burg legten wir gleich die erste Rast ein, weil Emmi und Harry noch kein Frühstück hatten. Nach dem alten E-Werk auf einem schmalen Weg an der Rauschermühle vorbei in die Natur. Wir wanderten am Nordufer entlang. Zuerst neben Mauerresten, deren Ursprung nicht ganz klar ist. Im Internet findet sich nichts und meine Anfrage bei den Gemeinden Rosenburg-Mold und Altenburg blieb unbeantwortet. * Vielleicht ist der Gemeinderat wegen Überforderung kollektiv vom Hocker gekippt. Frühling in der Pflanzenwelt: Leberblümchen, Buschwindröschen, Schlüsselblumen, Immergrün, sowie Brennnesseln und Löwenzahn die beide für kurze kulinarische Verzückung sorgten.

Bis zum Öden Schloss war uns klar, dass die Anforderung an die Kondition keinen Vergleich mit jener der Voralpen zu scheuen braucht. Der Weg war eben, bergauf, bergab, anstrengend, gemütlich, usw. Wie von einem Zufallsgenerator gesteuert.

Um 11:10 landeten wir beim Öden Schloss, den Ruinen des Sitzes der Grafen des Poigen-Reiches. Sie hatten Rot-Weiß-Rot als Wappenfarben und viele Historiker nehmen an, dass die Babenberger diese übernommen haben. Demnach wäre die Sage vom Blut durchtränkten Hemd zwar herrlich brutal aber leider nur eine Geschichte. Außerdem fand man hier auch Spuren einer Besiedlung aus der Eisenzeit. Derart historische Stätten verlangen unbedingt Essen, Trinken und Fotos bei denen sich einige sehr nahe an den Abgrund wagten. Immerhin waren wir auf einer Kanzel hoch über dem Kamp und Peter III wäre am liebsten mit dem Rücken zu den Fotografen gestanden, um deren Absturz nicht zu sehen. Ich übrigens auch. Und jemand meinte, er mache sich nur Sorgen um die Hunde; das ist halt unser Zartgefühl! Wir genossen nicht nur unsere Weckerln und Safterln (Frankie Kaffee), sondern auch die wunderbare Aussicht auf den Kamp und die gegenüberliegende Bründlleiten. Im Norden konnten wir über den Wipfeln den Kirchturm des Stiftes Altenburg sehen. Um 11:30 zogen wir wieder zurück zum Wanderweg und weiter. Die demokratische Entscheidung Altenburg ja/nein ging 5:10 gegen Altenburg aus. Sorry Roland, aber offensichtlich ist Klerikales nicht so unser Ding. Du wirst wohl einen Extrabesuch einschieben müssen.

Nach vielem Hinauf und Hinunter schimmerte uns durch die Bäume Steinegg entgegen und eine zarte Wolke von altem Frittieröl zog um unsere Nasen. Einerseits ein Hinweis, dass das Gasthaus geöffnet ist (beruhigend), andrerseits aber auch ein Indikator für nur bescheidene Gaumenfreuden (beunruhigend). Und als wir um 12:40 in den Hof vom Gasthof Dunkler einbogen, stand gleich an der Pforte ein riesiger Fettabscheider aus Betonringen. Wir nahmen es locker und traten frohgemut in den neu renovierten Gastraum. Über den überall vorherrschenden neo-urbanen Wirtshausstil lässt sich streiten, über das Essen nicht. Es war gut: Hühnerschnitzel, Schweinsbraten, Surschnitzel, Gemüsestrudel, Tafelspitz, Zwiebelrostbraten und für Erich I noch eine ordentliche Schwarzwälder-Kirsch-Torte als Draufgabe.

Zahlen und kurz den Gastgarten mit seinen imposanten Bäumen bewundert. An heißen Tagen muss es hier schön zu sitzen sein. Zum Garten führt ein Steg über einen kleinen Mühlbach; Offensichtlich war hier einmal eine Mühle. Peter IV sprang in kurze Sporthosen und als wir um 13:45 wieder loswanderten, zog er mit Roman an der Spitze weg. Das konnte man von Peter III und mir nicht behaupten, denn wir trotteten müde hinter dem Tross her. Wir hätten zumindest einen Kaffee trinken sollen, wenn schon kein kurzes Power-Napping möglich war.

Der südliche Weg unterschied sich vom nördlichen nur durch geringere Sonneneinstrahlung. Es ging auch da bergauf und bergab und von der Bründlleiten aus konnten wir wieder das Öde Schloss sehen. Es sitzt auf einem exponierten Felsen und einen größeren Ausrutscher hätte dort keiner überlebt. Am Hängenden Stein übten sich Kletterer; außer ihnen sind uns auf dem ganzen Rückweg nur zwei Wanderer begegnet. Ein Paar. Der junge Mann mit langen Haaren veranlasste einige von uns sich umzudrehen und zurückzuschauen, ob die anderen wohl auch alle schon da waren.

An der Einmündung des Wanderweges auf die Straße wurde kurz beraten, ob wir uns den Auspuffgasen aussetzen oder nicht besser doch zur Rosenburg hochsteigen und von dort in den Ort wandern sollten. Die Entscheidung wurde nicht so demokratisch spontan wie bei Altenburg getroffen. „Na ja, wenn wir schon da sind“, „wie weit ist das?“ und „wo gehen wir den jetzt wieder hin?“; zu widersprechen wagte keiner. Dafür wurden wir knapp vor der Burg mit dem Blick auf einen Kletterpark aus Türmen, Seilen und Netzen belohnt, in dem sich Jung und Alt als Tarzan versuchen konnten. Wie so viele „Sportler“ waren alle mit dem Auto da und Urschrei gab es auch keinen.

An der Rosenburg vorbei bis zur Graslhöhle, die schon knapp über dem Ort liegt. Benannt nach dem Räuberhauptmann Grasl. Um etwas Blut in den Bericht zu bringen: er wurde 1818 in Wien hingerichtet.

Ankunft am Bahnhof um 16:10. Die kurze Diskussion, ob wir den Zug um 16:20 nach Hadersdorf oder den nächsten um 16:34 nach Sigmundsherberg nehmen sollten, fiel zugunsten 16:34 aus, da niemand wusste wie der Anschluss in Hadersdorf gewesen wäre. Außerdem ging sich für Peter IV noch ein kurzes Sonnenbad am Bahndamm aus. Er musste noch Kräfte sammeln für den Abend. Zum Bügeln!

Die Rückfahrt verlief unspektakulär, wenn man davon absieht, dass Harry fix und fertig und seiner Körpergase nicht mehr ganz Herr war. Wir übersahen das diskret und Helmut riss die Fenster auf. Allerdings konnten sich doch einige spitzer Bemerkungen nicht enthalten.

Ankunft in Wien gegen ½ 7. Ab Heiligenstadt begann sich die Truppe aufzulösen.

Gesprächsthemen und Aussagen:

Wie spricht man Znaim aus?; wer weiß heute noch was Agram ist?; niemand sagt noch Pressburg; Alzheimer und Eiweißablagerungen im Hirn; Autobahnmaut und road-pricing in der Slowakei; sind Geschlechtsumgewandelte nach der Operation glücklicher?; Sex passiert ja nur im Kopf und ist daher sowieso safe; „das Feuilleton der Süddeutschen muss man lesen!“; „ich lese nur den Lokalteil, du nennst das wahrscheinlich Chronik“; die Verwendung von Ohropax auf Berghütten; das Erbrecht; wie kommt man zu einem abgelegenen Vierkanthof; grüner Spargel schmeckt auch roh; Fisolen , Erdäpfel und Hollunderbeeren kann man nicht roh essen; Löwenzahn passt gut in den Erdäpfelsalat; „ich mag keinen Erdäpfelsalat!“; die Schwierigkeit ein gemeinsames Wochenende zu haben, wenn beide im Schichtdienst arbeiten; Berufspendeln: Luxus oder bittere Notwendigkeit; Sozialdarwinismus; ein Foto skalieren bedeutet nicht es zu komprimieren und in Russland machen die Autofahrer richtig Jagd auf die Fußgänger. Außerdem machte sich Peter III Sorgen um die Marillenernte; er will heuer in großem Stil einkochen.

Reine Gehzeit knappe 5 Stunden – da hätten wir in Rosenburg noch einiges an Kalorien futtern können, aber es war alles geschlossen und auch nicht genügend Zeit.

Trotzdem, es war wieder ein schöner Tag mit netten Leuten.

Rainer

* Nachtrag: die Gemeinde Altenburg hat geantwortet:
Bei den Mauerresten am Beginn der Wanderung handelte es sich um die Überbleibsel einer alten Mühle ; auch "Öde Mühle" genannt.


Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 
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