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Männer auf Touren

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15. August 2010

Radtour Ottensteiner Stauseen & Kamptal
Allentsteig – Sperre Ottenstein – Krumau – St. Leonhard am Hornerwald – Gars am Kamp – Hadersdorf


Groß war die Gruppe der Radsportler nicht, die um 07:25 vom Franz Josefs Bahnhof die Fahrt nach Allentsteig antrat - sie bestand nämlich nur aus Frankie und Peter. Beide hatten keine Mühen gescheut, die Tour mit brauchbarem Fahrmaterial anzutreten. Frankie hatte noch in der Vorwoche den Rahmenbruch seines alten Tourenrads schweißen lassen und Peter hatte sich ein 24gängiges Mountainbike mit Scheibenbremsen und Federung ("das ist kein Fahrrad, das ist ein Hutschpferd!") ausgeborgt, da sein eigenes Rad am Semmering weilte.

In der Gegend um Irnfritz färbte sich der Himmel dunkelgrau und Regen begann gegen die Zugfenster zu prasseln. Die beiden machten sich schon auf das Schlimmste gefasst, doch als sie in Allentsteig (Höhe 550m) um 09:12 dem Zug entstiegen, hatte der Regen auch schon wieder aufgehört.

Die Straße in den Ort war beschildert und leicht zu finden, aber danach fuhren sie ein kurzes Stück in die falsche Richtung und bekamen als Bonus den Anblick von Allentsteig aus Richtung Zwinzen zu sehen. Also retour und richtig abgebogen. Auf der Straße durch den Truppenübungsplatz herrschte praktisch kein Verkehr. Die Radfahrer wurden nicht mit Granaten beschossen, fesche Soldaten bekamen sie aber auch nicht zu sehen. Die Straße führte durch Wald- und Moorlandschaften und die größte Herausforderung bestand darin, querenden Weinbergschnecken und Fröschen auszuweichen. Der Himmel war immer noch bedeckt und nach dem Ende des Truppenübungsplatzes bei Döllersheim begann es zu nieseln - der richtige Zeitpunkt, um das Auspacken der Regenjacken zu üben. Aus der Ferne Blasmusik - "Hier möchte ich nicht begraben sein". Exakt zum Ende der Übung hörte der Regen auf, also packten die beiden die Regenjacken wieder ein und fuhren ohne weiter.

Schön abschüssig auf regennasser Straße ging es nun auf die Sperre Ottenstein (Höhe 445m) zu. Am Fuß der Staumauer legten sie eine kurze Pause ein, bewunderten das Bauwerk, die ausgestellte Turbine und den nicht funktionierenden Trinkwasserbrunnen.

Am Ufer des Kamp (richtig, "der Kamp" und nicht "die Kamp") und des Dobra-Stausees entlang führte eine Straße mit abwechslungsreicher Aussicht, unter anderem auf die Ruine Dobra auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Die Lufttemperatur war zum Radfahren angenehm, lud aber nicht wirklich zum Baden ein, die Wassertemperatur vermutlich auch nicht. In schneller Fahrt bergab wurde Krumau am Kamp (370m) erreicht. Es war nun kurz vor Mittag und 30 Kilometer waren bisher zurückgelegt. Die anstrengendste Etappe stand noch bevor, daher kam eine Mittagspause nicht in Betracht.

Nach kurzem Rätselraten (sie waren nicht mit dem besten Kartenmaterial ausgestattet) entschieden die beiden Radwanderer, einen Bogen in südlicher Richtung einzuschlagen, um an das andere Ende des Thurnberger Stausees zu gelangen. Die Straße führte gleich einmal steil bergauf nach Preinreichs (487m) und auf Nebenstraßen nach Eisenberg. Nun mussten ein paar Kilometer auf der Bundesstraße zurückgelegt werden, zum Glück in einem abschüssigen Abschnitt, der entsprechend schnell bewältigt war. In Wegscheid (350m) querten sie den Kamp und rasteten kurz in der Wiese. Die Bewölkung hatte sich weitgehend verzogen, die Sonne knallte herunter und es wurde schwül.

Auch für den nächsten Abschnitt gab es keinen befahrbaren Weg direkt entlang des Kamp, daher mussten sie das Hügelland queren. Über zähe Steigungen kämpften sie sich nach St. Leonhard am Horner Wald (581m) empor. Als Lohn für die Mühe gab es eine schöne Aussicht ins Waldviertel hinein. Nun war aber eine Stärkung fällig, denn es war 14 Uhr, sie hatten 50 Kilometer hinter sich und der höchste Punkt der Strecke war erreicht. Peter warf einen prüfende Blick in die Runde und steuerte zielsicher den Mayerwirt an, was sich als gute Wahl erwies. Unter dem Sonnenschirm im Gastgarten ließen sie sich das Essen (Zander / gebackene Pilze) gut schmecken und gönnten den Oberschenkeln eine Stunde Ruhe.

Teilweise steil abschüssig und ohne größere Gegensteigungen ging die Fahrt 10 Kilometer weiter nach Gars am Kamp (244m). Nun standen noch etwa 25 Kilometer am Kamptalradweg bis Hadersdorf bevor. Anfangs verlief der Radweg wenig attraktiv am Gehsteig neben der stark befahrenen Bundesstraße, in Buchberg wechselte er aber auf die andere Seite des Kamp und führte als idyllisches Wegerl nahe am Fluss weiter. Der grobschotterige Belag gab Peters Mountainbike endlich einen Verwendungszweck, aber auch Frankies Tourenrad hielt sich mitsamt Schweißnaht tapfer. Vor Stiefern gab es noch einmal eine Anhöhe mit mörderischer Steigung zu überwinden, an deren Scheitelpunkt sich ein schattiger Rastplatz gerade an der rechten Stelle befand und Gelegenheit bot, Anekdoten über verschiedene Beschwerdefälle auszutauschen. Dafür wurden im Anschluss die einladenden Bänke der Heurigen in Stiefern ignoriert und die Fahrt führte auf der anderen Flussseite weiter nach Schönberg am Kamp. Hier verlief der Radweg durch Weingärten und kleine Ortschaften am ostseitigen Hang des Kamptals.

Langsam machte sich Müdigkeit bemerkbar, denn die nächste Rast legten sie bereits in Zöbing auf einem Bankerl ein. Gleich darauf verirrten sie sich, denn nach einer Runde durch Zöbing gelangten sie wieder zu dem Bankerl zurück. Im zweiten Anlauf klappte es, sie überquerten ein letztes Mal den Kamp und fuhren nach Langenlois und vom Hauptplatz aus weiter über Gobelsburg nach Hadersdorf (202m), wobei Peter unterwegs der Versuchung durch die vollreifen Früchte der Zwetschkenbäume nicht widerstehen konnte.

Der Bahnhof war um 18:50 erreicht, um 19:11 ging der Zug. Das kleine Fahrradabteil war bereits überfüllt, also zurrten sie ihre Räder mit einem Expander im Einstiegsbereich fest, woran auch der Schaffner nichts auszusetzen fand. Der Zug kam mit leichter Verspätung um 20:10 am Franz Josefs Bahnhof in Wien an und Peter beeilte sich heimzukommen, da sein Mountainbike kein Licht hatte.

Mit der sportlichen Leistung, 85 Kilometer durch hügeliges Gelände, konnten beide zufrieden sein. Landschaftlich hat die Tour viel geboten, da sie sehr abwechslungsreich durch Flusstäler und über Hügel führte, vorbei an Wäldern, Wiesen, Seen und Felsen. Das Wetter hat fein mitgespielt, denn die paar Regentropfen waren zählbar. Badehose und Handtuch haben sich als überflüssige Gepäckstücke erwiesen, Fahrradwerkzeug und Verbandszeug zum Glück ebenso. Peter brachte seine Brote mit Kichererbsenaufstrich wieder mit nach Hause und Frankie hat seinen Fotoapparat mehr spazierengeführt als benutzt.



Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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