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Männer auf Touren

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Samstag, 17. April 2010

PÁLAVA GAY MARCH
Popice - Strachotin - Dolni Vestonice - Palava hills - Mikulov


  Mit dem „Pálava Gay March“ beginnt die (bi-, lesbisch-, schwule-) Gruppe „Pešky atd“ aus Brno alljährlich die Wandersaison.  Der Marsch hat mittlerweile eine lange Tradition. Er fand am 22. April 1995 zum ersten Mal statt.

Pálava (Palauer Berge) ist ein 83 m² großes Landschaftsschutzgebiet südlich von Brno unweit der Grenze zu Österreich und ein beliebtes Wanderziel in Südmähren.

Mehrmalige Einladungen an die „Männer auf Touren“ konnten aus terminlichen Gründen nie wahrgenommen werden, doch diesmal hat es geklappt.

So fuhren Christian, Frankie, Gernot, Oliver, Peter, Rainer, Thomas, Thomas, Sigi und Wolfgang mit dem EC Sobieski (7:33 ab Meidling) nach Breclav, wo es herrlich nostalgischen Mottenkugelgeruch am Pissoir um 5 czk gab und Dallmayr Kaffee vom Automaten. Die Streckenanzeige-Tafeln in den polnischen EC-Waggons hatten übrigens alle einen schwarzen Trauerflor aus Coroplast. Weiter mit einem Regionalzug nach Popice.

Dass die Teilnehmerzahl hoch sein würde, wussten wir, und dass die Tschechen gerne wandern, war uns auch bekannt. Doch als unsere zehnköpfige Mini-Truppe um  10:05  ausstieg, waren wir einer vornehmen Blässe etwas nahe. Am Bahnsteig erwartete uns eine Riesenmenge, über deren Größe sich einige unserer politischen Kandidaten sehr gefreut hätten. Darunter auch ein lieber Bekannter: Ned hatte schon einige M.a.T. Wanderungen mitgemacht, wohnt und arbeitet aber jetzt in Brno. Vladimir von „Pešky atd“ hieß uns willkommen und erläuterte kurz die Route. Dank an Honza für die Simultanübersetzung! Beim Abmarsch um etwa 10:15 zählte Vladimir 87 Teilnehmer/innen und 4 Hunde. Unterwegs kamen noch einige Teilnehmer dazu, sodass wir irgendwann mehr als 90 waren. Es sah aus wie eine lang gezogene Pilgergruppe. Allerdings wird diese Gruppengröße nur beim Saisonauftakt erreicht. Bei den übrigen Touren sind etwa gleich viele Teilnehmer wir bei unseren Unternehmungen.

Die erste Etappe führte eben über Strachotin und die Brücke über den Nové Mlýny Stausee nach Dolní Vestonice (ca. 11:15;  dort wurde die „Venus von  Dolní Vestonice“  gefunden, eine fast 30.000 Jahre alte Keramikfigur). Kurze Rast vor der Kirche zur Stärkung. Hier traf auch Franz auf uns, der mit dem Auto angereist war, weil er in Wien den EC und in Breclav den Anschlusszug knapp verpasst hatte.
Um 11:30 begann die Bergetappe. Zuerst durch Felder und an Weingärten entlang und dann in den Wald. Um 12.05 waren schließlich alle in der Ruine der Burg Devicky (Maidburg). Wir waren nicht die einzigen dort, also werden sich wohl mehr als 100 Personen in der und um der Ruine getummelt haben. Die Aussicht war spektakulär, auch wenn wir nicht sehr hoch waren.

Weiter um etwa 12:20  auf den Devin, den wir nach einer kurzen Rast unterwegs gegen 12:40 erreichten. Mit 550 - 554m (die Angaben variieren) der höchste Punkt unserer Wanderung. Die ganze Strecke entlang kamen wir immer wieder an bizarren und beeindruckenden Kalksteinfelsen vorbei, die unvermutet auftauchten.  Die Vegetation war der des Wienerwaldes nicht unähnlich, doch die Adonisröschen und Iris waren ein Leckerbissen für alle Fotografen.

Um 13:50 waren wir am nördlichen Ortsende von Klentnice, wo ein Kiosk zu Essen und Trinken einlud. Und nach einer knappen halben Stunde der letzte Anstieg zur Burgruine Sirotcí hrádek (Rosenstein, Rosenburg; an 14:30), die auf 2 Felsen steht. Auch hier gab es wieder einzigartigen Ausblick, sodass wir uns erst nach  ¼  Stunde trennen konnten.

Die letzte größere Erhebung war der  Stolova hora (Tafelberg, 458m; 15:00) mit schönem Blick auf Mikulov, das auch das Ziel der letzten Etappe war, welche wir etwa um 15:00 in Angriff nahmen. Spätestens um 16:20 waren alle auf dem schönen Hauptplatz von Mikulov, und zwar fein verstreut. Die Zeitangaben sind sehr vage, denn bei 90 Teilnehmern kann es schon gewaltige Unterschiede geben.

Die Größe der Gruppe ließ, wie Vladimir schon am Beginn erklärte, keinerlei Vorreservierung in Lokalen zu, weil die Kapazitäten nirgends ausreichten. Wir sollten uns daher individuell verteilen. “ Individuell“ hatten einige von uns wörtlich genommen. Einige saßen in einem Keller, andere waren auf einem Turm und noch jemand irgendwo. Das einander Suchen und aufeinander Warten schränkte die Möglichkeiten kulinarischer Hochgenüsse ein. Wie wir allerdings zur Beruhigung feststellen konnten, taten das die Speisekarten auch.

Die Abfahrt des Zuges um 18:02 erreichten zumindest 4 unserer Wiener Gruppe am „letzten Abstauber“. Wobei Zug übertrieben ist. 1 Triebwagen und  1 Waggon für locker 150 Personen war knapp. Wir waren ja nicht die einzige Wandergruppe, wenn auch die mit Abstand größte.  Es mussten ebenso viele Fahrgaste stehen wie sitzen konnten, aber die Fahrt nach Breclav dauerte nur 28 Minuten.  Die Wanderer aus Brno hatten früher Anschluss. Alles gute, Winke-Winke und „Danke für die Einladung!“. Unser verspäteter Sobieski fuhr um etwa 19:20 ab und ungefähr um 20:30 war er in Meidling.

Ein herrlicher Wandertag bei idealem Wetter, in netter Gesellschaft (Durchschnittsalter ca. 30 Jahre)  und mit vielen Endrücken lag hinter uns.

 
Ungefähr 5 Stunden reine Gehzeit und mehr als 20 km, bei insgesamt 500m erklommener Höhe, sind auch eine stolze Bilanz. Einige tschechische Wanderer bewältigten zumindest  einen Teil der Strecke barfuss.

Es entspricht dem internationalen Event eher nicht, aber trotzdem noch eine kleine Sprücheauswahl:

„Warum blinkt das WC-Schild, heißt das, dass 2 drinnen sind?“   -   „Spargel kann ich mir noch nicht leisten!“ „Ja, der ist dir mit deiner Hofratspension zu teuer!“   -   „gibt es in der tschechischen Buchstaben Suppe auch ein Hatschek?“   -   Frau Rosenkranz und Herr Gehring (für spätere Generationen: Präsidentschaftskandidaten 2010)   -   legendäre Stummfilme   -   die horrenden Kosten der Hofhaltung zu Versailles   -   „Schönbrunn ist vielleicht nicht so grandios, aber man ist in 10 Minuten dort“   -   die Marchüberschwemmungen und Siedlungen in seit Jahrhunderten bekannten Überschwemmungsgebieten   -   „du weißt gar nicht, dass du soviel weißt“   -  „Brigitte Bardot zeigte in ihren Filmen nicht einmal die Brustwarzen und war erotischer als die Nackten heute“   -   „ich habe gelesen, dass man bei Wanderungen die Schuhe nicht ausziehen soll, weil sich drinnen ein Kleinklima bildet, auf das ich nicht näher eingehen will“   -   „Die Teuflischen“ mit Simone Signoret ohne jede Animation und technischen Schnick Schnack, aber  packend vom Anfang bis zum Schluss   -    das Begräbnis von Kaczynski auf dem Wawel-Hügel, wo doch nur Könige und Nationalhelden liegen, aber  Pilsudski war auch kein Lercherl    -   etc.

 
Rainer
 
  


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