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Männer auf Touren

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Sonntag 17. Juli 2011

Radtour Kleine Karpaten
Bratislava - Biely kriz - Lozorno - Zohor - Devin - Bratislava

 

Zur Radtour im nahen Ausland traten Frankie, Kurt, Peter und Werner an. Die Anreise erfolgte im REX Carpatia via Marchegg, Abfahrt 08:20 vom provisorischen Ostbahnhof. Peter verzog sich zur Zeitungslektüre in die Komfortabteile, drei Mann blieben als Wache bei den Fahrrädern. Nach unzähligen Stopps in Wien verlief die Fahrt recht zügig und um 09:32 war Bratislava erreicht, der Ausgangspunkt der Tour. Die Wetterprognose verhieß einen sonnigen, heißen Tag. Die vertretenen Drahtesel ergaben ein buntes Bild: Kurts Mountainbike mit Ledersattel und edlen Ledergriffen, Werners praktisch fabriksneues Citybike, Peters wohlerprobtes Tourenrad (mit leichten Schaltungsproblemen) und Frankies weißer Bastlerhit.

Der erste Tourenabschnitt bestand darin, die autobahnähnliche Hauptstraße Richtung Lamac zu befahren. Glücklicherweise war der Verkehr nicht dicht und keine Felge fiel den mörderischen Abflussöffnungen am Straßenrand zum Opfer. Bei erster Gelegenheit wurde auf Nebenstraßen ausgewichen, die Rote Brücke unterquert und das Tal des Baches Vydrica (Weidritztal) erreicht. Der Charakter der Umgebung wandelte sich schlagartig in eine Park- und Freizeitanlage. Unzählige Teiche begleiteten von nun an den Weg, der durch schönen Laubwald stetig bergauf führte. Die Straße war für den allgemeinen Autoverkehr gesperrt und viele Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer waren darauf unterwegs. An allen Kreuzungen gab es Wegweiser und Übersichtskarten. Völlig problemlos war die Orientierung zwar nicht, da die ausgewiesenen Namen sich oft nicht mit dem Kartenmaterial deckten, aber der Name Biely kríž (Weißes Kreuz) tauchte hier wie dort auf und stellte das nächste Ziel dar.

Die Fahrt aus asphaltierten Forststraßen führte bergauf und bergab, großteils aber bergauf. Angenehmerweise war der Weg oft von Wald beschattet. Biely kríž (ca. 500m) wurde um 11:45 erreicht. Neben einem weißen Steinkreuz gab es einen Rastplatz, eine sonnige Wiese und ein Buffet, vor dem eine disziplinierte Reihe stand, um Bier, Cola und sonstwas zu beziehen. Nachdem noch reichlich eigene Vorräte zur Verfügung standen, schloss sich die Gruppe aus Wien der Reihe nicht an, taxierte aber aus Distanz die zum Teil durchaus sehenswerten slowakischen Mountainbiker.

Nach einer viertelstündigen Rast ging es weiter bergauf, allerdings nicht mehr lange, denn auf etwa 540m war unterhalb des Vel'ky Javornik (584m) der Scheitelpunkt der Tour erreicht. Weiter ging es auf gut asphaltierten schmalen Straßen abwärts, wobei das Gefälle nie extrem war und eine flotte Fahrt gestattete. Die Beschilderung war nicht mehr so gut wie anfangs, sodass an Kreuzungen einiges Rätselraten entstand. Alle mehr oder weniger intuitiv getroffenen Entscheidungen stellten sich nachträglich als richtig heraus. Die Route folgte dem Bach Stupavsky p. und nach kurzer Zwischensteigung dem Lauf des Bachs Suchy p. an einigen Teichen vorbei hinab zum Stausee von Lozorno. Dieser Streckenabschnitt durch ein üppig grünes Tal war einer der schönsten der Tour. Werner wunderte sich im Anschluss, dass ihm die Bergabfahrt länger vorgekommen sei als die Bergauffahrt - was wohl auch ein Zeichen guter Kondition ist.

Oberhalb des Stausees hatten Oligarchen ihre Residenzen errichtet, am unteren Ende gab es einen kleinen Badeplatz mit geschlossenem Buffet. Ob das Baden überhaupt erlaubt war, erschloss sich den Österreichern angesichts der vielen Schilder in slowakischer Sprache nicht, aber ein paar Slowaken taten es und Frankie und Werner taten es auch. Das Wasser des Stausees war angenehm. Unangenehm war die Beobachtung, wie zwei Männer eine junge Katze im Kofferraum ihres Autos verstauten, das in der prallen Sonne geparkt war. Ob das Tier den Aufenthalt dort überlebte, blieb ungeklärt, denn die Fahrt führe weiter nach Lozorno. Inzwischen war es 14:15 und es war ausgemacht, das erste Gasthaus am Weg aufzusuchen. Das war aber eine Pizzeria und auf Pizza hatte niemand so richtig Lust. Ein Café ein Stück weiter lud auch nicht wirklich zum Verweilen ein, also führe die Fahrt zum nächsten Ort Zohor. Am Weg dorthin wurde die Autobahn über- und die Bahnlinie unterquert und die aus bewaldeten Hügeln kommende Gruppe macht Bekanntschaft mit dem heißen Südwind, der wüstensturmartig über die Ebene zog.

In Zohor gab es ein Lokal mit Gastgarten. Die Interpretation der Speisekarte überforderte alle, obwohl Peter über Grundkenntnisse des Slowakischen verfügte und die Kellnerin Englisch sprach. An das Experiment "Enzian" wagte sich niemand. Kurt und Peter bestellten Pangasius, Frankie einen unübersetzbaren Fisch, Werner begnügte sich mit dunklem Bier. Danach gab es Kaffee und eine Rechnung, die beschied, dass es sich in der Slowakei immer noch günstig einkehren ließ. Der Aufbruch erfolgte um 15:40. Drei der im Fahrradständer geparkten Räder wurden umgeworfen vorgefunden, wobei Peters Rad einen Schaden am Griff der Gangschaltung davongetragen hatte, was sich später durch häufiges Herausspringen der Kette unangenehm bemerkbar machte.

Nun warteten die Mühen der Ebene auf die Gruppe, um entlang des Flusslaufs der March die 30 Kilometer bis Bratislava zu bewältigen. Die Strecke verlief nach Süden, also genau entgegen des kräftigen, heißen Winds, großteils in praller Sonne bei Temperaturen von weit über 30°. Zudem wurde der Anschluss an den March-Panorama-Radweg verfehlt und stattdessen eine schlaglochreiche Nebenstraße benutzt, die wenig attraktiv an legalen und illegalen Mülldeponien vorbeiführe. Einen gewissen Trost boten wilde Ringlotten am Straßenrand. Außerdem ergaben sich zumindest gelegentlich ein paar schöne Aussichten auf die Aulandschaft der March.

Ein steiler Felsausläufer wurde für Burg Devin gehalten und nicht nur aufgrund von Peters Bemerkung, dass es dort oben nichts zu sehen gäbe, ohne nähere Besichtigung passiert. Bei der Hitze hatte niemand Lust, nach oben zu fahren oder zu gehen. Als eine halbe Stunde später die wirkliche Burg Devin erreicht wurde, blieb der Beschluss bestehen, aber man gönnte sich eine kurze Trinkpause und genoss von unten den Anblick der Burg und der Marchmündung, die aufgrund der vom Südwind getriebenen Wellen den Eindruck erweckte, als flösse die Donau in die March hinein. Die letzten 10 Kilometer entlang der Donau bzw. von Altarmen zogen sich noch und verliefen gut zur Hälfte auf einer stark befahrenen Straße. Etwa um 18:15 wurde die Donaupromenade verlassen und zur Fahrt durch die Stadt Richtung Bahnhof geschwenkt, was auch wieder ein Stück bergauf bedeutete. Der Zug um 18:46 war nicht mehr zu erreichen, der nächste ging erst zwei Stunden später. Ein Restaurant gleich neben dem Bahnhof bot Gelegenheit, die Wartezeit bei Tropentemperatur getränkeschlürfend in Korbsesseln unter Markisen zu verbringen.

Später als vorgesehen, nämlich kurz vor 22 Uhr, traf die Radfahrergruppe in Wien ein. Hier hatte der Wetterumschwung bereits eingesetzt und die Heimfahrt absolvierten die Teilnehmer bei stürmischem Westwind und Temperaturen unter 20°.

Streckenlänge laut Kurts Fahrradcomputer 75km. Höhendifferenz zwischen tiefstem und höchsten Punkt netto 400m, brutto aufgrund zahlreicher Zwischensteigungen erheblich mehr. Die Strecke war im Bereich der Kleinen Karpaten sehr schön und gut zu befahren, dem Flachlandteil bei der Rückfahrt mangelte es streckenweise etwas an Reizen.



Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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