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21. bis 28. September 2011

Reith 2011

Mehr Fotos:
Album von Roland
Album von Rainer


Wanderwoche mit Almabtrieb in Reith im Alpbachtal
21. – 28. September 2011
„Schritt für Schritt dem K2 entgegen“

Gleich vorweg: der Aufenthalt in Reith war etwas „zerfleddert“, weil nur wenige eine ganze Woche blieben. Zwei reisten erst am Donnerstag an und hauten am Sonntag ab,  und einer der Mittwochanreiser  vertschüsste sich ebenfalls am Sonntag. Wirklich komplett war die Truppe nur am Freitag und Samstag. Am Sonntag gab es Doppelzuwachs aus Innsbruck! Und das Wetter war an allen Tagen perfekt und wird daher nicht weiter erwähnt.

Mittwoch 21.9.
war der Auftrag an Herbert und Rainer, am Westbahnhof rigoros alle Plätze zu blockieren, die sie mit ihren kurzen Ärmchen erreichen konnten, damit die 3 Zusteiger in Hütteldorf keinen Stress bekamen. Also trafen sich die beiden so gegen 7:15 und knallten ihr Gepäck in einem Großraumwagen großzügig auf 8 Plätze. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn bis Hütteldorf war die Sache eher luftig. Aber dann wurde es eng, denn die Massen strömten herein. Roland war mittels Handy über den Waggon informiert, und so waren Alex, Tony und Roland zum Glück unter den ersten, die einstiegen. Sonst hätten selbst gefletschte Zähne nicht geholfen.

Über die Fahrt ist nicht viel zu berichten, außer dass  Rainer verzückt war, Roland als Hemingway-Kopie zu sehen. Wir verteidigten unsere 5Personen8PlätzeIdylle erfolgreich bis zur Ankunft in Wörgl um 12:16.  Der Plan war,  die Stadt zu besichtigen, in die Tiroler Kulinarik einsteigen und dann nach Brixlegg weiterfahren. Das hieß erst einmal 4 Koffer, 4 Rucksäcke und einen Megarucksack effizient in 2 Schließfächern unterbringen. Im Vergleich zu den Fahrkartenautomaten der ÖBB eine leichte Übung. Dann folgte der „Stadtbummel“, den wir uns, ehrlich gesagt, hätten sparen können, denn Wörgl ist außer betriebsam nichts. Und die Sehenswürdigkeiten halten sich in Grenzen. Zwar sind in den Gehsteigen kleine Betonplatten mit historischen Daten, wie die Übergabe Tirols an Österreich (Tiroler nennen das „als Österreich zu Tirol kam“) oder der Beginn des Sklavenhandels in Portugal,  eingelassen. Das sind die „Wörgler Meilensteine“. Viele alte Häuser wurden tot renoviert und von den historischen Bauernhäusern sahen wir zwei, wovon eines mit einem riesigen Transparent verdeckt war. Dafür ist die Stadtapotheke ein schnuckeliges Gschnaspalais in gelb-orange, das an einen üppig verzierten Key-Lime-Pie erinnert. In der Nacht richtig angestrahlt muss sie wie ein Südstaatenpuff wirken.

Dafür wurden wir kulinarisch im Gasthof „Weißes  Lamm“ mit Wiener Schnitzel, Hirschragout und Champignonrahmschnitzel entschädigt. Vom Bier leicht beduselt, schafften wir den Rückweg zum Bahnhof und auch das Öffnen der Schließfächer.
Rechtzeitig zur Weiterfahrt um 14:31 waren wir am richtigen Bahnsteig und um 14:43 in Brixlegg. Stiegen hinunter, Rampe hinauf und hinein in den Bus. Dar Fahrer ließ uns einfach einsteigen. Mit soviel Gepäck konnten wir nur Nutzer der „Alpbachtal-Seenland-Card“ sein. 
Um 15:00 waren wir in Reith-Dorfmitte und zehn Minuten später gab es für die drei Vorjahrsgäste Bussi von Frau Jud und für alle Kaffee und ein Schnapserl.
www.jud-online.com
Dann erst einziehen, ausräumen, ruhen und das reichhaltige Mittagessen verdauen. Zeit war zur Genüge, denn das Bauerntheater begann erst um 20:30 und hungrig war niemand. Markus aus der Schweiz residierte am anderen Ende vom Ort und wir trafen einander im „Dorfwirt“.  Voriges Jahr ein ambitioniertes und innovatives Lokal, erschien es uns heuer etwas fantasielos und gleichgeschaltet. Dafür gab es Muscheln und Shrimps, ein Großteil der lokalen Spezialitäten war von der Karte verschwunden. Später erklärte uns jemand, dass man den „normalen“ Touristen mit Tirolerknödel nicht mehr hinter dem Ofen hervorholen könne. Mit Muscheln hingegen wäre ein Lokal so attraktiv wie Baldrian für Katzen (Anm.: sie drehen durch). OK! Das kann man akzeptieren, aber fast 45 Minuten für einen (allerdings sehr aufwändig präsentierten) Toast, erschienen uns eher heftig. Noch dazu, wo das Kulturprogramm auf uns wartete.  www.bauerntheater-reith.at . Roland hatte „gute Plätze“  bestellt, das hieß an einem Tisch vor der Bühne, an dem man sich nicht rühren kann und in die Hosen machen muss, weil man nicht weg kommt. Außer Alex war niemand bereit, vorne zu sitzen. Der Rest drückte sich hinten auf den billigen Rängen herum.

Das Stück ist schnell erläutert: ein Pfarrer und Fräulein Schneider  urlauben am Bauernhof. Das Fräulein kauft sich ein billiges, rotes, sexy Unterhöschen, um den Bauernsohn zu verführen  und die Magd lässt es mitgehen. Sie will auch einmal verrucht sein. Dann kommt plötzlich jemand und sie stopft das sündige Ding schnell in irgendeine Jackentasche. Der Besitzer des Jopperls findet  den String-Tanga und platziert ihn bei Annäherung einer weiteren Person in eine andere Jacke. Kurz: Schnitzlers Reigen auf ein rotes Hoserl reduziert.

Verschärft wird die Situation durch die Anreise von Herrn Professor Dingsbums und Tochter. Damit das überständige Mädel sein Haupt wohin betten kann, muss Frl. Schneider mit dem Pfarrer Zimmer tauschen, weil der ein zweites Bett hatte und dort könnte ja das Töchterl ruhen. Außer Chefin und Magd weiß aber keiner vom Zimmertausch und der sündigen Phantasie war Tür und Tor geöffnet. Wie auch in den Vorjahren eine ambitionierte Truppe, diesmal  mit dem Pfarrer als größte Lachnummer. Das Mittagessen und die Wucht der Bühnenereignisse ließen uns keimenden Hunger vergessen und wir wanderten ohne Abendessen heim.

Donnerstag, 22.9.
war für 7:00 das Frühstück (vielfältig und nicht sparsam) bestellt und auch bereit, denn wir wollten den Bus um 8:16 zur Talstation der Seilbahn in Alpbach erreichen. Es hatte 7,6 °C  und bei der Talstation gar nur 7°. Insofern erschwerend, als der Betrieb erst um 9:00 startete, weshalb wir uns die Zeit mit blöden Fotos vertreiben, wo jeder sein Gesicht durch eine Schablone pressen musste. Auffahrt im „Personalzyklus“, das heißt wir waren noch vor den Kellnern/innen am Berg. Um 9:15 waren wir schließlich bei der Bergstation der Wiedersberger Horn Bahn und mussten uns erst einmal adjustieren. Es gab immer noch viel Schnee von den vergangenen Nächten, aber um 9:30 trotzten wir der Unbill und zogen unter prallem Sonnenschein bergan. Stellenweise war der Boden ziemlich aufgeweicht und einige schmale Schneefelder mussten auch überquert werden, doch schon um 10:05 waren wir bei der geschlossenen  Wiedersberger Horn Hütte. Nach einem Frühstück bei Frau Jud kann das nicht weiter erschüttern und so begann Tony einen Schneemann zu bauen, der Steinaugen bekam.  Nase und Penis bestanden aus herumliegenden Strohhalmen. Auf den Gipfelsturm wurde verzichtet. Erstens waren wir ja kreativ und zweitens war zuviel Schnee. Andere waren da weniger zimperlich. Doch die Fernsicht war phantastisch und die Sonne noch mehr.

Um 10:15 ging es südwärts über den Kamm Richtung Sagtaler Spitzen, die selbst bei trockenem Wetter nur seeeehr geübten Berggehern vorbehalten sind. Wir wollten knapp davor nach Westen hinunter ins Zillertal. Roland hegte die Befürchtung, dass der Weg wegen des Schnees nicht gut zu sehen wäre und mit Markierungen sowieso nicht zu rechnen sei. Also kehrten wir um; es war 11:00 Uhr. Die einsame demokratische Entscheidung war sicher richtig. Bei der Wiedersberger Horn Hütte (11:30)  war der Abstieg ein Fahrweg und den hätte man auch im Suff erkennen können. Bei der Hütte waren schon einige Wanderer mehr und unser Schneemann noch immer erigiert. Vermutlich hatte ihm ein mildtätiger Bergsteiger Viagra in die Schneeschnauze gesteckt.  Um 11:50 stiegen wir ab und folgten den weiten Serpentinen des Fahrweges. Die Schneeregion war relativ schnell passiert und dann ging es im noch immer  satten Grün weiter. Der angepeilte Gasthof war leider geschlossen und keine Chance Hunger und Durst zu stillen. Unweit davon war allerdings der „Säulinger Hof“, auf den extra hingewiesen werden muss:  www.saeulingerhof.at
An der automatischen Glasschiebetür war ein Zettel: „von 15 – 17 Uhr wegen Feldarbeit geschlossen“. Aber ein junger Mann entdeckte uns, meinte, dass er leider nichts Essbares bieten könne, aber zum Trinken würde er gerne  die Gaststube öffnen. Danke! Ein Hoch dem Zillertal und seinen Wirten! Wir wollten nicht unverschämt sein, aber von 15:30 bis 16:00 genossen wir doch die Gastfreundschaft und bei der Erklärung der Bergspitzen auf der anderen Talseite, musste der junge Wirt doch die Karte zu Hilfe nehmen. Er erklärte uns auch noch den weiteren Abstieg und um 16:55 erreichten wir problemlos den Bahnhof  Schlitters der Zillertalbahn. Laut Anzeige hatte der Zug um 17:00 genau 1 Minute Verspätung, eine Verzögerung die wir gerade noch zu akzeptieren gewillt waren. Um 17:40 nahmen wir den Bus von Jenbach nach Brixlegg und um 18:00 weiter nach Reith.

Roland und Tony verzogen sich ins Quartier. Sie wohnten übrigens bei der Schwiegertochter im Keller, was Herbert charmant mit Souterrain-Appartement umschrieb. Alex, Herbert, Markus und Rainer fielen vom Bus direkt in den Kirchenwirt um sich zu laben. Am Heinweg so um 20:00 Uhr eine Stimme im Rücken: „hallo Wanderer“. Es war Friedrich, der etwas desorientiert wirkte; er fand den Weg zu Frau Jud nicht, hatte aber schon Thomas angerufen, der vor ihm angekommen war. Er wäre schon unterwegs um Friedrich „heimzuleuchten“. Bei unserem Weiterweg zum Quartier begegneten wir ihm zusammen mit Roland und Tony. Das Rescue-Team war offensichtlich groß genug.

Freitag, 23.9. 
Frühstück wieder um 7:00 und zu Fuß nach Brixlegg. Herbert zog seinen angekündigten Streik durch. Alex, Friedrich, Markus, Rainer, Roland, Thomas und Tony fuhren also ganz allein zur Sonnwendjoch Bahn in Kramsach. Auch dort waren wir wieder zu früh, aber um 8:30 zwängten wir unsere Hintern in die Sessel und glitten am Seil hoch. Bei der Mittelstation wurde der Sessellift erst angeworfen, als wir um die Ecke kamen. Von da ab stachen wir förmlich in den Nebel. Auch bei der Bergstation (9:05) war es nicht gerade mollig, aber im Vergleich zu den vorigen beiden Jahren ziemlich windstill. Emmi, das Hüttenhündchen, welches vor 2 Jahren noch die Terrasse mit kleinen dunklen Küglein verziert hatte, war noch nicht da. Sie kam erst um 9:30 mit ihrem Herrchen, der uns erklärte, dass sie trächtig wäre. Das Schild „Kuchen nach Laune der Köchin“ ignorierten wir und beschieden uns mit Tee. Nur Friedrich exponierte sich mit heißer Schokolade und Rum.

Um 10:05 starteten wir den Aufstieg auf den Roßkogel, dessen Gipfel wir um 10:20 erklommen hatten. Strahlende Sonne über den Wolken belohnte uns. In der Ferne stachen einige markante Gipfel (z.B. Kaisergebirge) durch den Nebel.  Während unserer Rast bis 10:45 wurde auch fleißig ausgerichtet: „Nein! Sie sind nicht zusammen, sondern nur miteinander!“ „???????“ „weiß ich auch nicht!“

Knapp vor 11:00 sahen wir den Ziereiner See und um 11:15 waren wir bei der Abzweigung nach Norden. Einige, die den See noch nicht kannten, machten ihm ihre persönliche Aufwartung. Nachdem alle trunken vom Anblick waren, ging es ein kurzes Stück nahezu eben weiter und dann plötzlich in steilen Serpentinen  bergab. Es war der Schauertalsteig, ein Teil des Adlerweges. Er war zwar nicht gefährlich, obwohl er einige Male den Wasserweg kreuzte. Es waren die nassen Steine, welche den Abstieg mühsam machten. Und immer, wenn man meinte, man wäre unten, ging es noch tiefer. Und schließlich einmal im Tal mit dem Wirtshaustisch vor der Nase, mussten wir mindestens 2km zurück ans Talende, weil keine Möglichkeit war, die Ache zu queren. Wir waren ja doch noch nicht ganz unten. Dann durch einen Tunnel, und ein weiteres Mal im Gefühl knapp vor dem Ziel zu sein, ging es wieder zurück und bergauf. Der Weg führte durch den Gaismoosstollen (ein Rest des Bergbaues) und wieder bergan, bis wir endlich auf der Höhe von Steinberg am Rofan waren. (Man sagt Rofaaaan und nicht Roffan!). www.achensee.info/steinberg .  Nur, erst einmal in Steinberg, ist man noch nicht dort. Der Ort ist breit wie eine ausgewalzte Kuhflade und wir marschierten gut eine Stunde, bis wir endlich bei den mürrischen Wirten vom „Waldhäusl“ landeten (16:10). Dafür war die Küche sehr gut. Oder war unser Hunger so groß? Das wäre ungerecht; es hat allen vorzüglich geschmeckt.

Um 17:10 standen wir bei der Bushaltestelle, um jeder für sich seinen eigenen Rekord zu brechen. Wir machten unisono den 1. Preis im Umsteigewettbewerb: Achenkirch, Maurach (enttäuschend gesichtslos), Jenbach und Brixlegg. Dort platzte Markus der Kragen, und er orderte ein Taxi, das uns in Nullkommajosef  um € 9.- nach Reith brachte. Pfeif auf die Gratisfahrt mit der Seenland-Card. Nicht zu vergessen,  auch der tückische ÖBB-Fahrkarten-Automat in Jenbach, der jedem etwas anderes verrechnete. Aber die Fahrt entlang des Achensees war beeindruckend. Bei der Heimkehr wurden wir mit Kuchenduft verwöhnt!

Herbert war übrigens auch nicht untätig gewesen. Er marschierte über den mittleren Höhenweg von Inneralpbach nach Alpbach und machte einen ausgiebigen Erkundungsgang durch Reith. Endlich einer der sich auskannte.

Um 20:30 trafen wir uns beim Kirchenwirt, um den Tag würdig ausklingen zu lassen.
Alex, Rainer, Roland und Thomas gestalteten den „Ausklang“ etwas länger und stürzten sich noch ins Kam-in. Roland nur auf 1 Bier (oder doch 2?), die anderen drei waren schließlich um 1:30 in ihren Kemenaten.

Samstag 24.9.
Da war eigentlich die kollektive Besichtigung von Rattenberg vorgesehen gewesen. Rainer hatte schon vorher abgesagt, weil er schon zwei Mal dort war. Friedrich und Thomas gaben sich der Erkundung der imposanten Tiefenbachklamm hin, Alex, Roland und Tony wollten ruhen, also blieben Herbert und Markus die einzig kulturell aktiven.

Dementsprechend verlief unser Auftritt beim Almabtrieb eher individuell. Rainer ging schon zeitig los, weil er Schnaps besorgen und diesen noch zurück bringen wollte, die anderen folgen später. Aus magischen Gründen fanden wir einander wieder ziemlich schnell, um vor allem unseren Antrittsbesuch bei der „Urli“ zu absolvieren und allen den grauslichen Rote-Rüben-Schnaps aufzudrängen. Bei den M.a.T.-Mehrfachbesuchern des Festes war er mittlerweile fixer Bestandteil der Liturgie geworden. Urli war fit und flott wie immer und der Zirbene rutschte ganz ohne Zutun hinunter. Herbert, Roland, Thomas und Tony hatten sich in  Lederhosen geworfen, um dem Anlass würdig zu sein. Zum  Almabtrieb gibt es ja schon einen Bericht vom Vorjahr und daran hat sich nicht viel geändert, abgesehen davon, dass sich eine Holländerin auf das Fotografieren von Männerwaden versteift hatte. Zillertaler Krapfen, Henderl und Bier mundeten auch dieses Jahr. Irgendwann dazwischen wurde Friedrich auch der Blick auf den Reither Badesee eröffnet!

Um 20:00 war Schluss mit lustig, in Nu waren die Standln abgebaut und die Putztrupps rückten an. Rainer saß auf der Bank unterm Fenster der Gaststube des Stockerwirt, als plötzliche zwei junge Männerbeine neben ihm auftauchten um sich entfernten. Fünf Minuten später flog das Kisterl mit den Pelargonien herunter und landete auf der Bank, gefolgt von zwei anderen Männerbeinen und schließlich Mädchenbeinen unter einem Dirndl. Ja die Tiroler wissen zu feiern!

Dieser Schock musste von Alex, Herbert, Rainer und Thomas bei einem „Hugo“ im Kam-in verdaut werden. Es gab wieder eine Bombenstimmung, aber um 23:30 waren alle in ihren Betten.

Sonntag 25.9. 
Tag der Trennung. Friedrich, Herbert und Thomas reisten wieder ab und ließen Alex, Markus, Rainer, Roland und Tony zurück! Diesmal streikten Alex und  Rainer. Sie wollten einen Sommerfrischetag verbringen.

Daher erfolgte auch das Frühstück in mehreren Etappen.
Markus, Roland und Tony fuhren nach Jenbach und weiter nach Maurach am Achensee, um den Rofan zu erklimmen. Um 9:00 starteten sie auf wenig anstrengenden Wegen bergan und erreichten schon um 10:00  die Dalfazerfälle. Man sagt bitte Dalfaaaaazer und nicht Dallfatza!
Hier überschlugen sich geradezu die Ereignisse, denn Michi und Walter waren aus Innsbruck angereist und holten hier die Wiener ein. Wer in Tirol lebt, nimmt die Falllinie und ist schneller oben! Und Tony  frönte seinem Faible für kalte Flüssigkeiten. Er ging ins Wasser! Roland erklärte später „der Sprühregen war unangenehm, aber einmal drinnen, war es nicht mehr kalt!“ Er musste es ja wissen, schließlich hat er nur  zugeschaut.  Das verlängerte die  Pause bis 10:20, schließlich galt es ja noch, Tony trocken zu legen. Kurz danach waren sie schon bei der Dalfazalm und um 12:15 waren sie am Rofan. Vom Gschöllkopf (2040m) kann man sich mit 80 km/h mit dem AIRROFAN-SKYGLIDER in die Tiefe stürzen. Eine Gelegenheit die sich Roland und Tony um 12:50 nicht entgehen ließen.

Danach folgte um 13:15 die Mittagsrast bei der Erfurter Hütte und um 14:30 seilten sie sich mit der Gondel ab. Absteigen wollte niemand mehr.

Alex war mit der Reitherkogelbahn hinaufgefahren um die Erdbeerfelder zu bewundern und ging den Panoramaweg ins Tal.
Rainer nahm den Bus nach Inneralpbach und ging den mittleren Höhenweg nach Alpbach. Für angegebene 40 Minuten brauchte er 1 ½ Stunden, weil er sich bei jedem der vielen Pensionistenbankerln nieder setzte. Das war auch nötig, nachdem ihm unterwegs ein Toupet begegnete, das hinten Meigen (Meschen, Mäschen? gefärbte Strähnen halt!) hatte. Männer bitte steht zu euren Glatzen!!! In Alpbach war, wie auch in den beiden vorherigen Jahren, Franzoseninvasion.

Es kamen zwar teils gewaltige Wolken auf, aber es blieb trocken und warm.
Diesen Tag ließen wir um 19:00 beim Stockerwirt ausklingen. Um 21:00 waren wir wieder daheim.

Montag 26.9. 
Die Restgruppe bestand aus Alex, Markus, Rainer, Roland und Tony.
Frühstück um 7:30 und zu Fuß zum Bahnhof Brixlegg. Markus nahm vom anderen Ortsende ein Taxi. Wohlmeinenden Geistern folgend hatten wir unser Vorhaben, Kundler Klamm-Schönangeralm-Schatzberg-Alpbachtal zu Fuß zu absolvieren auf  KundlerKlamm – Bummelzug – Schönangeralm –unddannschauenwirweiter reduziert. Aber auch das war so einfach nicht. Wir wurden Opfer eines gewaltigen FF: FahrplanFrust!
Um 9:20 starteten wir vom Bahnhof Kundl Richtung Klammeingang (9:45). Die Kundler Klamm ist im Vergleich zu den anderen breit, es gibt einen Fahrweg und man kann sie  mit Fahrrad und Kinderwagen absolvieren. Gleich beim Eingang ein Mini-Schock:  ein Ehepaar mit Sandalen und weißen Socken. So kurz nach der Fashion-Week ein absolutes no-go!

Um 10:30 waren wir am oberen Klammende, wo uns der Bummelzug vor der Nase davon fuhr. Daher machten wir eine Trotzpause und gingen um 10:53 weiter bis zur Haltestelle Klammrast (11:23). Von dort mit dem Bummelzug bis Mühltal (11:45), wo laut Fahrer gleich ums Eck der Anschluss zur Schönanger Alm warten würde. Laut Fahrplan aber so was von nicht und in Realo auch nicht. Postbus gab es auch keinen, also weitere Programm Änderung:
Auf zwei Beinen bis zur Schatzbergbahn und das auf der Strasse. Die Wildschönauer glühen nicht schlecht! Um 12:30 erreichten wir die Talstation und hatten unseren zweiten FF: Betriebspause von 12:00 bis 13:00.

Aber um 13:25 waren wir auf der Schatzbergalm und ließen erst einmal Messer und Gabel regieren. Auf der Sonnenterrasse war herrlich sitzen und in den Toiletten im Keller war Marihuana zu riechen.

Um 14:30 wanderten wir wieder los:  an kleinen Hochmoorteichen vorbei über den Alpenrosenweg zur Wurmeggalm (15:08; 1635m). Unterwegs sogar ein blühender Almrausch-Ast. Um Punkt 16:00 rutschte Rainer, der immer hinten nach trottete, schließlich unter einem Weidezaun durch und wir waren auf einer Fahrstrasse, dem „Oberen Höhenweg“.
Eine Stunde später waren wir in Alpbach und vertrieben uns die 42 Minuten bis zur  Busabfahrt mit eine Kurzbesichtigung, Bier, Saft und Eis. Reith hatte uns um 18:00 wieder.

Schnell duschen, denn Markus holte uns um 18:50 mit dem Auto ab. Er hatte uns zum Abendessen in sein Hotel, den „Pirchnerhof“ eingeladen. Ein großer Komplex am westlichen Ende des Ortes mit Indoor- und Outdoor Pool und einer ausgezeichneten Küche, die auch vor Hildegard von Bingen nicht zurückschreckt. Markus hatte außerdem eine Lok aus Blech dabei, die mit Waffeln, Keksen und Schokolade gefüllt war. Den Inhalt verputzten wir und die Lok wurde von Alex reklamiert. Er kennt einen Eisenbahnfreund! Danke Markus für den schönen Abend!

Die „Bischofsbrunner-Jud-Truppe“ war um 21:30 wieder daheim.

Dienstag 27.9. 
Um 7:00 hing noch dichter Nebel an den gegenüber liegenden Hängen. Frühstück um 7:30 und nach 8:00 war der Nebel verflogen. Da der für diesen Tag vorgesehene Schatzberg schon am Vortag absolviert wurde, war „Klammtag“. Markus kutschierte uns um 8:30 zum Kaiserhaus (9:10), knapp vor dem Eingang zur Kaiserklamm (9:20). Die Tiefenbachklamm ist ein gewaltiges Tosen, die Kundler Klamm breit und harmlos und die Kaiserklamm eng, tief und ursprünglich. Vor allem aber kurz! Schon um 10:00 waren wir wieder zurück. Diesen gewaltigen Zeitvorsprung nutzte Tony wieder zu einem Bad in den eisigen Fluten. Laut Insidern kann das Wasser nicht mehr als 12-15° haben. Wie das ein Amerikaner sizilianischen Ursprungs aushält, bleibt verborgen. Noch dazu, wo seine Fettschicht nicht vorhanden ist.
Abfahrt vom Kaiserhaus (heute Ruhetag) um 10:35 nach Stans (11:15). Markus verabschiedete sich. Er hat es nicht so mit engen Klammen. Machte nix, in der Kassenholzhütte beim Eingang (11:30)  war eine rotlippige und dramatisch geschminkte Endvierzigerin, die uns noch Tipps für einen alternativen  Abstieg gab. Ob sie noch den Mann ihres Lebens erhaschte, kann leider nicht berichtet werden.

Die Wolfsklamm ist  die wohl beeindruckendste im Umkreis. Einem Rat folgend, gingen wir sie bergauf und nicht hinunter. So geht man in die Klamm hinein und bekommt die Steilheit mit. Der Weg führt stetig bergauf, das Wasser fällt einem entgegen. Dazu vielleicht eine Bemerkung: alle Klammwege sind ausgezeichnet gesichert und ungefährlich!  Hier erlaube ich mir zu bemerken, dass Rainer während des gesamten Aufstieges immer vorne weg war. Vermutlich weil er mehr als 8 Stunden am Stück geschlafen hatte.

Um 12:35 waren wir schließlich auf der gut besuchten, sonnigen Terrasse des St. Georgenberges. Die Schlucht davor wurde auf einer gedeckten Brücke überquert.
Die Speisekarte bot KEINE MUSCHELN und auch KEINE SHRIMPS, dafür aber viel Tirolerisches und einen Hinweis, dass die Pächter mit 6.1.2012 das Handtuch werfen und in Schwaz weiter machen wolln, weil der Abt überhöhte Forderungen stellte. Der tratschfreudige Rainer hat in Erfahrung gebracht, dass die Küche zu den besten des unteren Inntales gehört. Gott möge die katholische Kirche zu ihrer selbst auferlegten Bescheidenheit führen!

Um 14:00 lösten wir uns von der Sonnenschanze und wanderten, dem Rat der Rotlippigen folgend, über Maria Tax nach Stans (15:00) zum Bahnhof (15:20) wo wir mehr als eine halbe Stunde auf den Zug warten mussten (15:57), der noch dazu keinen Busanschluss in Brixlegg hatte. Roland und Tony entschieden sich gleich für den bescheidenen Anstieg nach Bischofsbrunn. Alex und Rainer mussten erst bei einem Zigaretterl überlegen, taten es den beiden aber dann doch gleich.

Alex und Markus dinierten beim Kirchenwirt; Roland und Thomas kamen später auf ein Glaserl dazu. Rainer wurde fahnenflüchtig und hatte ein Date in Alpbach. Sein Alpbacher, ein  passionierter Bergsteiger, war übrigens für die vielen brauchbaren Tipps verantwortlich.

Mittwoch 28.9.
 Abreise! Nach solch einer traumhaften Woche kommt fast ein wenig Wehmut auf. Frühstück wieder um 7:00, weil wir um 8:10 mit dem Bus nach Brixlegg fuhren, um die Bahn hach Jenbach zu nehmen. Jenbach nur deswegen, weil es in Schwaz keine Gepäcksaufbewahrung gibt. Tony verabschiedete sich hier. Er fürchtete, während der Führung nicht genug zu verstehen. Wäre kein Problem gewesen, denn es gab Horcherln für alle möglichen Sprachen. Aber er hatte auch am nächsten Tag zu arbeiten, somit war seine Entscheidung verständlich.

Irgendwie schafften Alex, Rainer und Roland es, die richtige Bushaltestelle zu finden und stiegen um exakt 10:00 vor dem Silberbergwerk aus dem Bus. Es würde sich noch für die beginnende Führung ausgehen, hieß es, wir müssten nur Silbermäntel und Helme anlegen. Und zahlen natürlich auch!

Unser Guide hatte lange graue Haare unter seinem Helm und war durchaus bereit, den Grubengang spritzig zu gestalten. Allein, wir waren wenige Erwachsene unter einer Schülergruppe. Nur unbedarfte Gemüter wissen nicht, was das bedeutet. Schon bei der siebenminütigen Fahrt mit dem Grubenhunt durch einen eineinhalb Schulter breiten Stollen wurde gequietscht, gelabbert, gekreischt, Wände betatscht usw. Am Ende der Fahrt gab der Guide w.o. und begann mit einem „des hot kann Sinn; gemma!“ die Führung. Da schritten erstmals die Lehrkräfte ein, und es war Ruhe im Schacht. Die Lehrer alleine waren es wohl nicht. Menschen wie ich, die noch nie so tief  in einem Bergwerk waren, sind einfach hin und weg! Das Schwazer Silberbergwerk bietet einen gewaltigen Einblick in den Bergbau früherer Jahrhunderte. Liebevoll sind mannsgroße Puppen aufgestellt, die verschiedene Tätigkeiten verrichten. Eine spricht sogar. Man hat tief im Inneren ein gewaltiges Holzrad nachgebaut, das zeigt, wie das Wasser entfernt wurde. Weitere Erläuterungen spare ich mir. Abgesehen davon, dass man das Gefühl hat, durch einen nassen Badeschwamm zu gehen. Einfach hinfahren und anschauen:   www.silberbergwerk.at

Die Ankündigung, die Führung würde 1 ½ Stunden dauern, erschien strafverschärfend. Doch die Zeit verging viel zu schnell! Auch ein Verdienst des kompetenten Führers!

Dann wieder mit dem Schwazer Citybus in den Stadt. Besichtigung und Restaurantsuche. Roland ist ja nicht fad und sprang gleich eine Tirolerin an, die ihm erklärte, dass das „Einhorn“  Gasthof Schauer das richtige Lokal wäre! Das war nach dem Ende der Fußgängerzone und wir fanden es nicht. Erst als wir saßen, erkannten wir an Speisekarte und Servietten, dass wir eben genau dort gelandet waren. Und der Tipp der Dame war goldrichtig! Das Essen war vorzüglich und  die Lage günstig, weil man die gesamte Strasse unter Kontrolle hatte; inklusive einer (vermutlich weniger lustigen) Hubschrauberlandung am Spitalsdach gegenüber.

Um 13:45 waren wir wieder am Bahnhof und fuhren um 13:55  nach Jenbach (übrigens Jennbach und nicht Jehhhhnbach, auch Chris Lohner spricht das richtig aus) um unser Gepäck auszulösen. Die Wartezeit bis 15:26  vertrieben wir uns mit Bier, Wein und Kaffee im Achenseestüberl ums Eck von der Zahnradbahn!

Im Zug hatten wir Mühe Platz zu finden. Schließlich landeten wir in einem Abteil, in dem ein
Salzburger aus Reith bei Seefeld mit KHG -Frisur residierte. Er war irgendwo Mitte 30ig und offensichtlich gierig nach Gesellschaft. Wir verdanken ihm u.a. profundes Wissen über das Druckereiwesen, Ryan Air, fehlgesteuerte Mustereltern, bescheuerte Uni-Professoren, Kindergärten, Seilschaften in Firmen und  Osteopathie im Kindesalter. Außerdem zum Thema Super-Mechaniker bei Memmingen, der dein Auto während deines London-Aufenthaltes auf Vordermann bringt. Er quatschte zwar ununterbrochen, aber die Zeit bis Salzburg verging wie im Flug! Wir wünschen ihm und seinem Sohn alles Gute!

Der Rest der Fahrt war eher unspektakulär und die Ankunft in Hütteldorf fast pünktlich um 20:15! Alex musste nur mehr um’s Eck gehen, Roland zur S45 und Rainer zur U4.
Tschüss, Ciao und schön war’s! Sehr schön sogar! Und für Bahnfanatiker: der Zug hieß „Dommuseum Wien – Rudolf der Stifter“! Das war doch ein würdiger Abschluss! Oder?


Wanderstatistik:

Donnerstag        6h 30’        235m hinauf        1500m hinunter
Freitag   5h 20’   300m hinauf   950m hinunter
Sonntag   4h 20’   860m hinauf    
Montag   5h   230m hinauf   802m hinunter
Dienstag   3h 40’   420m hinauf   420m hinunter

Die Angaben sind ungefähr und gelten für die „richtigen Wanderer“ und nicht für das Penserl- oder Weicheiprogramm. Der Weg vom/zum Quartier, zu/von der Ortsmitte (10min) oder von/nach Brixlegg (20-25min) ist nicht berücksichtigt!

 
Und nachdem Rainer vor 2 Jahren, vor der Gleiwitzer Hütte sein Handy im Gewitter ruinierte, hat er diesmal seinen Elektrorasierer mit dem Rucksack in Coral Optimal Color handgewaschen! Er funktioniert einwandfrei! Es geht nichts über deutsche Präzisionsarbeit made in weißnichtwo!



Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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