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Sonntag 22. Mai 2011

Radtour Hohe Wand
Markt Piesting - Dreistetten - Herrgottschnitzerhaus - Kleinkanzelhaus -
Sky Walk - Stollhof - Prossetschlucht - Winzendorf



Bei der Menschentraube, die sich um 9 Uhr vor dem Bahnhof Wien Mitte gebildet hatte, handelte es sich nicht um begeisterte Radfahrer, die gekommen waren, um bei prachtvollem Maiwetter eine Ausfahrt auf die Hohe Wand zu unternehmen, sondern um zufällige Reisende, die Peters E-Bike bestaunten und seinen Erläuterungen auf Deutsch und Englisch lauschten. Nachdem sich die Schaulustigen zerstreut hatten, blieben Frankie und Peter über. Andere Tourenmänner ließen sich nicht blicken - die waren wohl entweder vom Life-Ball geschafft oder hatten sich von der zu erwartenden Steigung abschrecken lassen.

Reisen mit Rad und ÖBB ist bekanntlich nicht ganz stressfrei, da man z.B. nie weiß, ob das Fahrradabteil vorne oder hinten am Zug ist. Diesmal war es in der Mitte. Nach Umsteigen in Wiener Neustadt kam der Zug um 10:55 in Markt Piesting (349m) an und die Tour begann. Nach nur einer halben Stunde Fahrzeit war Dreistetten (528m) erreicht. Schöner Blick auf den nordöstlichen Teil der Hohen Wand und auf die Ruine Starhemberg. Nun galt es die Forststraße zu finden, die als "Notabfahrt" bei einer Sperre der Mautstraße den Autofahrern das Verlassen der Hohen Wand ermöglicht. Angeschildert war sie nicht, aber mit Kartenstudium und etwas Rätselraten ließ sich der Weg schon finden. An Kreuzungen traf man zudem immer wieder auf ortskundige Wanderer, die Auskunft geben konnten. Die Straße führte zunächst durch Wiesen, dann durch schönen Mischwald in Serpentinen am Nordende der Hohen Wand empor. Mit etwas E-Unterstützung legte Peter ein Mordstempo vor, das Frankie keuchend nicht mithalten konnte. Insgesamt war dieser härteste Teil der Auffahrt aber halb so schlimm wie befürchtet. Es ging zwar zäh bergauf, aber die Forststraße war gut befahrbar, die Gegend war schön und die Aussicht wurde mit zunehmender Höhe immer interessanter. Noch schien die Sonne, doch im Westen türmten sich Gewitterwolken auf und aus Richtung Gutenstein klang fernes Donnergrollen.

Um 12:40 war das Herrgottschnitzerhaus (826m) erreicht. Österreichisch/ungarische Hausmannskost und eine Terrasse mit Panoramablick ließen den Ort geeignet für eine Mittagsrast erscheinen. Ein Espresso rundete das Mal ab und nach einem Abstecher zum Aussichtspunkt 20 Meter vor der Hütte ging die Fahrt um 14:10 weiter. Inzwischen hatten die Wolken auch den Norden der Hohen Wand erreicht und es nieselte leicht. Die weitere Fahrt führte auf asphaltierten Straßen über die Hochfläche - wobei "Hochfläche" ein nicht ganz zutreffendes Bild vermittelt, denn es war mehr hügelig als flach. Erst ging es hinauf, dann hinunter zur Einmündung der Mautstraße, dann wieder bergauf Richtung Naturpark. Die sehr angenehme und nicht übermäßig frequentierte Straße führte durch Wälder und vorbei an Wiesen, auf denen übermütige Stiere herumtollten. Das Angebot rund um das Naturparkhaus wurde keiner näheren Besichtigung unterzogen, stattdessen ging es gleich weiter bergauf bis zum Kleinkanzelhaus (1065m). Damit war um 15:10 der höchste Punkt der Tour und auch das Ende der Straße erreicht. Peter hatte die Zuschaltung von Motorleistung perfekt dosiert, denn die Batterieanzeige seines E-Bikes blinkte im letzten Fünftel. Auf eine Einkehr wurde verzichtet, dafür aber eine längere Rast auf einem Bankerl mit Schneebergblick eingelegt. Die Gewitterwolken hatten sich verzogen und die Sonne kam wieder hervor.

Ein Vorteil des Radfahrens ist, dass man für die bezwungenen Höhenmeter eine Energiegutschrift erhält, die in Geschwindigkeit umgetauscht werden kann. Batterien waren für die Rückfahrt nicht nötig, denn abgesehen von ein paar harmlosen Zwischensteigungen ging es fast nur noch bergab. Am Programm stand noch ein Abstecher zum Skywalk. Die Aussicht dort wäre zwar auch ohne die Stahlplattform beeindruckend gewesen, aber der Blick in die Tiefe war schon faszinierend. Im Himmel darüber tummelten sich Paragleiter.

Zu der 1931/32 erbauten Mautstraße und der dadurch erfolgten Erschließung der Hohen Wand für den Ausflugsverkehr kann man verschiedene Meinungen haben. Ein eindurcksvolles Straßenbauwerk stellt sie jedenfalls dar und die Abfahrt war wohl das Highlight der Tour. Über Serpentinen und ein langes gerades Straßenstück unterhalb der Felswand ging es hinab zum 300 Meter tiefer gelegenen Mauthaus (495m). Die verbliebene Höhenmeter-Gutschrift verteilte sich gleichmäßig und gestattete ein flottes und müheloses Vorwärtskommen. Zunächst nach Stollhof, dann über eine Nebenstraße zum Fuß des Emmerbergs und durch die Prossetschlucht nach Winzendorf (327m), Ankunft 17:30. Die gute halbe Stunde bis zur Abfahrt des Zugs wurde im Gastgarten eines Cafés nahe beim Bahnhof zugebracht.

Resümee: Es handelte es sich um eine nicht alltägliche, aufgrund der Steigungen anstrengende, jedoch nicht extreme Radtour. Für die Anstrengung wurden die Teilnehmer mit abwechslungsreichen Landschaftseindrücken, traumhaften Aussichten und einer schönen Bergstraße belohnt. Die Streckenlänge betrug 29km bei einer Höhendifferenz von 750m, Fahrzeit ohne Pausen etwa 3½ Stunden.



Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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