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Sonntag 23. August 2015

Lärchkogelgrat
Weichtalhaus - Kaisersitz - Lärchkogelgrat - Märchenwiese - Hochgang - Brettschacher Jagdsteig - Kaiserbrunn - Wasserleitungsweg - Hirschwang

  An der Expedition Schneeberg auf Jagdsteigen nahmen Andi, Frankie, Igo, Marcus und Oliver teil. Sie trafen sich im Regionalzug von Wien nach Payerbach, mit dem Bus ging es weiter zum Weichtalhaus, das um 09:05 erreicht wurde. Der Neubau wurde nur von außen begutachtet, denn eine Einkehr war erst in vielen Stunden veranschlagt.

Der erste Teil des Weges barg wenig Ungewissheiten, da er im Forum Gipfeltreffen schön beschrieben ist und 2011 schon begangen wurde. Er führte vom Weichtalhaus (547m) zunächst 50 Meter in die Weichtalklamm, dann am Güterweg zu einer Wildfütterungsstelle, von wo aus ein Jagdsteig (auf keiner Karte verzeichnet, aber sehr schön und bequem angelegt) zum Kaisersitz (ca. 950m) führt. Der Abstecher zum Kaisersitz erfolgte erstens aus historischen Gründen, da es sich angeblich um einen kaiserlichen Jagdsitz handelt, zweitens weil es ein schöner Rastplatz mit Blick auf einen von Felswänden umrahmten Kessel ist. Nach kurzer Pause ging es ein Stück zurück und an einer leicht überwindbaren Stelle hinauf auf den Lärchkogelgrat. Steilere Felstürme wurden umgangen, ansonsten fand man den besten Aufstieg meistens direkt am Grat, der anfangs bewaldet war, später aber fantastische Aussichten bot. Eine Sehenswürdigkeit war die Felslücke, bei der ein großer Fels auf einem sehr schmalen Pfeiler ruht. Bei einem Statiker würde dieser Anblick Bedenken hervorrufen. Nach drei Stunden steilen Aufstiegs, immer wieder verbunden mit leichter Kletterei, wurde der südliche Grafensteig (1505m) erreicht und gleich bei der nächsten Abzweigung erfolgte auf unmarkiertem, aber gut erkennbarem Weg der Abstieg zur Märchenwiese mit der Forsthütte.

Auf der märchenhaften Wiese wurde um 12:30 eine halbstündige Jausenpause eingelegt. Es war windig, allgemein aufgelockert bewölkt, nur über dem Gipfelbereich des Schneebergs hing eine ortsfeste Wolkenhaube, deren Ausläufer immer wieder auch die Märchenwiese beschatteten. Ein Felsvorsprung oberhalb der Stadelwand (1407m) bot schöne Aussicht auf die Rax und im Vordergrund auf das nächste Ziel, den tiefer gelegenen Hochgang. Der Abstieg bis dorthin war klar, er erfolgte auf einem bequemen Waldpfad bis zum Stadelwandsattel (ca. 1000m). Dort begann der wirklich experimentelle Teil der Tour, galt es doch weglos den westlichen Ausläufer des Brettschacher Jagdsteigs zu finden. Das Gelände war zumindest anfangs nicht schwierig und weckte wegen der vielen Buchen Wienerwald-Erinnerungen. Nach einer kleinen Zwischenhöhe ging es steil und weglos empor, durch hohes Gras und Gebüsch, wobei versucht wurde, dichtem Jungwald auszuweichen.

Der Aufstieg auf den Hochgang war beschwerlich, dafür aber durch das intensive Gewürzaroma unbekannter Kräuter olfaktorisch versüßt. Vom bewaldeten Gipfel (1217m) gab es keine Aussicht, ein Stück weiter nördlich hatte man wenigstens einen schönen Blick auf die Stadelwand, in der ein paar Kletterer als orangfarbene Farbkleckse auszunehmen waren. Wahrscheinlich hätte man sich weiter zum Steilabbruch in südlicher Richtung vorarbeiten müssen, um einen Blick in das Höllental zu bekommen. Die bevorzugte Richtung war nun jedoch Nordost in Hinblick auf den Jagdsteig, der dort zu finden sein müsste. Beim Umgehen dichten Baumbestands führte der Abstieg jedoch ungewollt wieder zur Aufstiegsspur und zurück zur Zwischenhöhe zwischen Stadelwandsattel und Hochgang.

Von dort ging es in einem Graben mit vielen umgestürzten Baumstämmen ostwärts bergab. Der Graben mündete in einen quer verlaufenden, baumfreien Graben, den auch der gesuchte Brettschacher Jagdsteig queren musste - die Frage war nur, ob oberhalb oder unterhalb. Oliver startete eine Erkundung in aufsteigende Richtung und die Intuition erwies sich als richtig, denn ein gut erkennbarer Fußpfad querte dort. Damit schien der schwierigste Teil der Übung bewältigt zu sein - schien, denn nach Überwindung einer Anhöhe verlor sich der Fußpfad in einem steilen Hang voller umgestürzter Bäume - vermutlich Kyrill- oder Paula-Opfer. Hier konnte man nur nach Gutdünken ein Weiterkommen finden und erstmals keimte etwas Pessimismus auf, denn in diesem Gebiet war man von den steilen Felswänden des Salzriegels oberhalb und des Wasserofens unterhalb eingeschlossen und ohne Weg war das Weiterkommen mühsam. Die Richtung einzuschlagen, die der Jagdsteig laut Karte nehmen müsste, war jedenfalls richtig, denn nach einer Viertelstunde Dschungelkampf stieß man wieder auf den verlorenen Weg, der sich von dort an sehr bequem und landschaftlich ausgeprochen schön durch eine Kulisse von Fels und Wald bahnte und immer wieder Tiefblicke auf das Höllental und Kaiserbrunn gewährte. Der weitere Abstieg in den unteren Krummbachgraben gestaltete sich unkompliziert, auch wenn man immer etwas aufpassen musste, die teilweise schwachen Steigspuren nicht zu verlieren. Kurz nach 16 Uhr war das Gasthaus in Kaiserbrunn (526m) erreicht.

Eine Stärkung hatte man sich nun wirklich verdient, die Küche des Landgasthauses vermochte jedoch nicht zu begeistern und auch der Charme des Kellners war eher im unteren Bereich der Skala angesiedelt. Die kulinarische Enttäuschung hatte den Vorteil, dass die Einkehr kurz gehalten werden konnte. Nachdem man sich einen Überblick über die Bussituation verschafft hatte, erfolgte schon 16:50 der Aufbruch am Wasserleitungsweg nach Hirschwang. Dort ging der vorletzte Bus um 17:55, der letzte - mit schlechter Zugverbindung - um 18:23. Also wurde ein ziemliches Tempo hingelegt und dem Wasserleitungsweg weniger Zeit geschenkt als dieser hübsche Weg entlang der Schwarza verdient hätte. Auf ein kurzes Fußbad an einer schönen Sandbank konnte aber nicht verzichtet werden. Die Bushaltestelle Hirschwang Raxsteilbahn wurde um 17:50 erreicht.

Aus der Karte herausgemessen ergeben sich etwa 14 Kilometer Streckenlänge und 1300 Höhenmeter für diese schöne und extravagante, freilich auch etwas strapaziöse Schneebergtour. Gehzeit abzüglich längerer Pausen gut 7 Stunden.

 

Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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