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Samstag 26. und Sonntag 27. Jänner 2013

Schneeschuhwandern am Raxplateau

  Samstag 26. Jänner 2013

Die Anreise im Regionalzug nach Payerbach führte durch nebelgraue Winterlandschaften und kaum jemand konnte glauben, dass es heute noch irgendwo Sonne geben würde. Um 09:33 kamen Alfred, Alois, Frankie, Manu, Werner und Wolfgang in Payerbach an, wo schon das vorbestellte Taxi-Shuttle wartete. Gratis, so wie im Vorjahr, war der Service nicht mehr, mit 13 Euro dividiert durch Nasenanzahl aber auch kaum teurer als der Bus. Der Divisor lautete sogar 7, denn es fuhr noch einer mit.

Hinauf auf den Berg mit der gesteckt vollen Seilbahn um 10 Uhr. Nach etwa 3/4 der Stecke unterbrachen anerkennende Ah- und Oh-Rufe das vielsprachige Gemurmel, denn die Gondel hob sich aus dem Nebelmeer in eine völlig andere Sphäre mit blitzblauem Himmel, Sonnenschein und glitzerndem Schnee.

Angesichts dieser Traumbedingungen wollte man sich unverzüglich auf Tour begeben. Rasch anmelden, Zimmer beziehen und Schneeschuhe ausleihen. Alfred, der als einziger eigene Schneeschuhe mit hatte und sich die Prozedur des Ausleihens sparen konnte, verdrückte auf die Schnelle ein Paar Raxwürstel und ein Seidel Bier. Die anderen kämpften mit der Ausrüstung. Die Riemchen und Hebelchen an den Schneeschuhen waren nicht auf Anhieb zu durchschauen, die Stöcke mussten auf die richtige Länge gebracht werden und nicht alles funktionierte so wie es sollte. ("Kann es sein, dass dieser Stock defekt ist?" - "Ja, alles ist möglich.")

Um 10:45 Aufbruch vom Berggasthof (1550m) Richtung Ottohaus. Für die meisten war das Schneeschuhgehen neu, aber nach den ersten paar Schritten und dem Nachjustieren des einen oder anderen Riemchens stellte sich rasch große Zufriedenheit mit dieser Art der Fortbewegung ein. Schon am ersten steileren Hang und an der ersten Tiefschneestelle wurden die Vorzüge offensichtlich. Mit den Schneeschuhen rutschte man nicht ab und sank auch nicht ein.

Im Sonnenschein ging es der Piste entlang zum "Praterstern" (1624m), der Wegkreuzung unterhalb des Ottohauses. Unterwegs gab es schöne Aussichten auf den majestätischen Schneeberg und beeindruckende, vom Wind geformte Schneeskulpturen an Bäumen und Wegweisern. Die weitere Routenwahl erfolgte eher intuitiv ("Der Weg dort drüben schaut nett aus, gehen wir doch einfach den.") und ist nachträglich anhand der Karte nicht exakt rekonstruierbar. Einer ausgetretenen Spur folgend ging es nach Westen. Der Weg hätte vermutlich zur Dirnbacherhütte geführt, er wurde jedoch verlassen, um einem Höhenzug nach Süden zu folgen, da die Absicht bestand, auf den Jakobskogel aufzusteigen. Mit Schneeschuhen ist man faktisch nicht auf Wege angewiesen, daher ging es querfeldein bergauf und um 12:30 war der Jakobskogel (1736m) erreicht. Hier wurde die Aussicht bewundert, sowie die massive Eisbildung am Gipfelkreuz; es gab mehrsprachige Plaudereien mit anderen Wanderern und das übliche Fotoshooting. Sogar am Gipfel war es fast windstill und in der Sonne angenehm, sodass niemandem kalt wurde. Das Pickerl SPACE INVADERS AGAINST HOMOPHOBIA am Gipfelkreuz war übrigens schon vorher dort und wer auch eines haben will, kann sich eine druckfähige Version hier herunterladen..

Der kurze, aber steile Abstieg zum Ottohaus (1642m) wurde in der Direttissima erledigt, dort gab es einen kleinen Imbiss in der Gaststube, wo die Aussicht vor allem aus Schnee bestand, denn die Fenster waren bis oben hin zugeweht. Aufbruch um 14 Uhr. Da es noch zu früh war, den Rückweg anzutreten, folgte noch ein Abstecher zur Höllentalaussicht mit einer halben Stunde Gehzeit. Auch dort war es im Sonnenschein so angenehm, dass man eine Weile verbringen konnte. Eine Gämse ("die sieht ziemlich dick aus") balancierte in der verschneiten Felswand gegenüber. Das Panorama bot Gelegenheit, den Verlauf vergangener Touren auf Rax und Schneeberg anschaulich im Landschaftsbild zu rekonstruieren. Zurück am gleichen Weg, Ankunft im Berggasthof um 15:45.

Alois und Manu, Alfred und Frankie schliefen in je einem Berglandzimmer im 2. Stock. Die Zimmer waren nett eingerichtet, ebenso zweckmäßig wie gemütlich und angenehm geheizt. Wolfgang und Werner hatten ein Komfortzimmer gebucht, das groß genug für eine Party war. Nach der letzten Talfahrt der Seilbahn um 16:30 wurde es im Haus deutlich ruhiger. Bezüglich Nachmittagsnickerchen, Frischmachen, Kaffeejause, Abendessen oder Schlafengehen war kein gemeinsamer Rhythmus zu finden, sodass am MaT-Tisch in der Gaststube eine ständig wechselnde Zusammensetzung herrschte. Der schon bekannte Mangel an interessanten Spielen veranlasste Alfred, seine Idee eines schwulen Monopoly zu skizzieren: Anstatt in Straßen landet man bei Profilen schwuler Männer. Spontan entwickelten sich eine Reihe von boshaften Ideen, welche Überraschungen die Ereigniskarten in diesem Spiel bieten könnten. Auf eine Weiterentwicklung dieser Idee darf gehofft werden, denn sie könnte den Hüttenabenden viel Schwung verleihen.

Draußen sank die Temperatur auf minus 9 Grad, der Vollmond schien, unterhalb sah man die Lichter von Payerbach-Reichenau und den fast schon monströs beleuchteten Hirschenkogel. Um 19 Uhr verzog sich Frankie Richtung Zimmer und Bett, die anderen leerten im Komfortzimmer noch eine Flasche Wodka, die Werner stilvoll im Schnee vor dem Fenster kaltgestellt hatte.



Sonntag 27. Jänner 2013

Am Morgen war der Himmel recht hübsch von hochliegenden Wolkenfeldern durchzogen, die sich später leider immer mehr verdichteten. Frühstück gab es um 8 Uhr, es bestand aus einem soliden Frühstücksbuffet. Eile war nicht geboten, daher erfolgte der Aufbruch erst um 09:45 über den schon bekannten Weg zum Praterstern. Der Plan war, über den Kammweg zur Seehütte zu wandern. Da man den Jakobskogel schon am Vortag absolviert hatte, bestand keine Notwendigkeit, ihn erneut zu überschreiten. Daher wurde wieder eine kreative Routenführung querfeldein gewählt, die zwischen Jakobskogel und Hoher Kanzel auf den Kamm führte. Mit Sonne war nichts mehr, denn hohe Bewölkung überzog den Himmel bis auf ein paar schmale blaue Streifen am Horizont. Außerdem blies lebhafter Wind, der am Kamm Sturmstärke erreichte und die Temperaturen viel kälter erscheinen ließ als am Vortag. Angesichts dieser Umstände entschlossen sich Werner und Wolfgang für eine gemütliche Variante, die darin bestand, über den Jakobskogel und das Ottohaus zum Berggasthof zurückzukehren. Dort konnten sie vom Fenster aus eine Bergrettungsübung beobachten, die in dem steilen Graben direkt unterhalb abgehalten wurde.

In Nordpolexpeditionsstimmung machten sich Alfred, Alois, Frankie und Manu auf den Weg über Hohe Kanzel (1699m), Weißkogel (1765m) und Preinerwandkreuz (1783m). Der stürmische Wind hatte die Gipfel leergefegt, dort gab es nur mehr Fels und Eis, sodass die Schneeschuhe abgelegt werden mussten. Erst am Weg hinunter zur Seehütte (1643m) wurden sie wieder angelegt und leisteten gute Dienst. Das Dach der Hütte war schon lange in Sicht, beim Näherkommen musste die beunruhigende Beobachtung gemacht werden, dass kein Rauch aus dem Kamin aufstieg. Zur großen Erleichterung war die Tür der Hütte aber offen und es gab eine Hüttenwirtin, die unter anderem Bier, Tee, Würste und Suppen offerierte. (Wie Werner und Wolfgang später berichteten, hatte die Hüttenwirtin, die mit der Seilbahn hochgekommen war, tatsächlich im Berggasthof beratschlagt, ob es sich lohnen würde, bei diesem Wetter die Seehütte aufzusperren.)

Die Bratwürstel schmeckten vorzüglich, zum Aufwärmen war die Hütte jedoch weniger geeignet, denn nach der Pause von 12:15 bis 13:15 war den Besuchern kälter als bei der Ankunft. Die ersten Höhenmeter am Rückweg brachten rasch Abhilfe. Der Rückweg erfolgte über den gemütlichen Seeweg. Es begann leicht zu schneien, dafür war der Wind deutlich schwächer als am Kamm. Andere Schneeschuhwanderer und Tourenskigeher waren auch unterwegs, ab dem Ottohaus auch durchaus zahlreich. Um 15 Uhr war der Berggasthof erreicht und man beschloss die Abfahrt um 15:30 - die sich dann aber um eine Viertelstunde verzögerte, weil die erste Kabine voll war. Die anschließende Rückfahrt mit dem Taxi-Shuttle organisierte die Chefin des Berggasthofs.

Dem Berggasthof auf der Rax kann wieder ein großes Lob ausgesprochen werden. Das Haus ist gemütlich, gut organisiert, das Personal ist freundlich und engagiert, es gibt schöne Zimmer, gutes Essen und sehr akzeptable Preise, und das alles in einer landschaftlichen Lage, die ihresgleichen sucht.

Eine Stunde früher als geplant erreichte die Gruppe Wien und obwohl das Wetter am Sonntag den Prognosen nicht gerecht wurde, hat keiner der Teilnehmer diesen Ausflug in die winterliche Bergwelt bereut.

 

Weitere Tourenberichte und Bilder können über die Chronik aufgerufen werden.

 

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