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Männer auf Touren

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Sonntag 31. Oktober bis Montag 1. November 2010

Kieneck & Unterberg
Weissenbach a. d. Triesting - Furth - Gaisruck - Kieneck - Unterberg -
Enziansteig - Thal - Mirafälle - Muggendorf - Pernitz


Sonntag,  31. Oktober

Bei Abfahrt um 8:35  in Meidling saßen Alois, Alois, Frankie, Gregor, Harald, Helmut mit Emmi, Igo, Rainer, Ronny und Wolfgang gemütlich im Oberstock und peilten Leobersdorf an. 10 Mann waren vor allem für Emmi angenehm; die Herde blieb überschaubar. Von Leobersdorf im Triebwagen bis Weißenbach (362m) und Abmarsch (9:40). Bei Winterzeit sind  die Tage  kürzer und langes Sammeln nicht von Vorteil.

Der Weg nach Furth über Niemthal (10:00) ähnelte jenen im Lainzer Tiergarten und die Beschilderung war eher beiläufig, sodass wir in Schromenau (10:15; 408m) statt in Furth landeten und auf der Strasse weiter mussten. Damit war der obligatorische Umweg abgehakt und dem Aufstieg von Furth (10:45; 422m) stand nichts im Wege. Zuerst über eine Wiese nach Amöd, wo wir eine Gebetsbank als Unterlage für das Stativ missbrauchten und dann in den Wald.

Was sich in den Wanderführern als schöne Höhenwanderung liest, hat durchaus seine Tücken. Denn einmal auf rund 1000m ist man noch nicht wirklich oben. Es geht dann wieder hinunter. Dann wieder hinauf, dann wieder hinunter usw. Dazu kam teilweise orkanartiger Sturm, der die Blätter wie einen fliegenden Teppich vor uns her trieb und auch unsere Standfestigkeit auf die Probe stellte. Abgesehen davon, dass das Laub Steine und Wurzeln verdeckte. Zum Glück blieb es aber fast immer trocken.

Der Weg führte uns auch durch ein großes Wildgehege, das durch Drehtüren  betreten werden musste. Wie bei Peek & Cloppenburg, nur aus Gitter und viel kleiner. Gerade so, dass man mit dem Rucksack durchkam. Wild sahen wir keines, wenn man von einer toten Blindschleiche absieht, die aber schon vorher am Weg lag. Und die Kühe waren außerhalb des Zaunes.  Beim Verlassen des Geheges um 13:00 Uhr verließ uns auch Wolfgang. Er hatte die Tour als „Eintagsfliege“ geplant und kehrte um. Dort gab es auch kurzes  Nieseln und als viele ihre Rucksäcke wasserdicht überzogen hatten, hörte es wieder auf.

Um 14:30 waren wir am Gaisruck (1074m) und um 14:55 am Almeskogel (1065m). Der Sturm war unverändert heftig und griff uns von der linken Flanke an. Danach ging es auf 962m hinunter und schließlich wieder steil hinauf zum Kieneck (15:50; 1106m). Da hatte Rainer schon im Hinterkopf eine vorzeitige Übernachtung in der Enzianhütte angedacht. Der Föhn machte ihm schwer zu schaffen. Es war ihm unangenehm der Bremser zu sein; aber Zähne zusammen gebissen und weiter.  Es war bereits klar, dass das Unterberg Schutzhaus nicht mehr bei Tageslicht zu erreichen sein würde.Und an einen Sprint war nicht zu denken. Denn es folgte wieder ein Abstieg zum Bettelmannkreuz (952m; es ist mir nicht mehr in Erinnerung, ob wir das noch ausnehmen konnten), dann Aufstieg auf den Kirchwaldberg (1067m), dann hinunter auf 969m und wieder hinauf zu den Sesselliften, die wir schon als rettende Hütte vermuteten. Leider nicht, aber es war nur mehr ein kurzes Stück Weges zur Hütte (18:05; 1190m). Etwa die letzte Stunde war es  nicht mehr dämmrig, sondern dunkel. Doch konnte man den Weg noch ausnehmen. Emmi bekam ein Leuchtband um den Hals.  Zumindest wussten wir wo sie war. Dank einiger Taschenlampen konnten wir uns nicht verirren. Rainer hätte sich am liebsten in einen Laubhaufen gebettet und war Alois dankbar, dass er ihm den Rucksack abnahm. Das blau matchte zwar nicht mit dem orange Outfit von Alois, aber es sah ohnehin keiner. Danke! Auf das versprochene Bier vergaß Rainer geflissentlich, holte es aber am Montag nach.

Erst einmal Durst löschen, dann sehr gute Supperln, die Hauptspeisen sind mir entfallen, aber an Süßem gab es auch einige Leckereien. Igo wollte unbedingt etwas mit Mohn, um die Nacht im Sinnesrausch zu verbringen. Und alles neben dem gemütlichen Ofen mit Fenster, das Blick auf die glühenden Holzscheite frei gab. Außer uns war noch eine midlife Wanderin da und um 19:35 zogen alle in den 1.Stock zur Zimmereinteilung, die am Gang stattfand. „Nehmen wir ein Zimmer gemeinsam?“, „ich möchte alleine sein, weil ich schnarche“,  „wo bitte kann ich schlafen?“, „gehst du mit mir in ein Zimmer?“,  „wir nehmen das Lager!“, „also wie jetzt?“, „Frankie geht mit Emmi und Helmut in ein Zimmer“, „ich schnarche und möchte alleine sein!“, „wo bitte kann ich schlafen?“…..

Schlussendlich  waren 6 Mann in 3 Doppelzimmern, einer alleine in einem Doppel und Igo und Ronny nahmen die Suite: sie hatten das Matratzenlager für rund 30 Personen zur alleinigen Verfügung! In den Zimmern lag man wie Försterliesl in rot kariertem Bettzeug. Es gab Elektroheizung, die kaum gebraucht wurde, weil es so warm war. Und auf der dem Wind abgekehrten Seite konnte man auch bei offenem Fenster schlafen.

Dann die ganze Truppe wieder in den Gastraum. Es folgte eine langwierige Diskussion mit dem Wirten, wann wir zu frühstücken gedächten. Frankie wollte 7:30 , der Wirt eher so gegen 9:00, ich glaube es endete mit 8:00. Helmut schleppte jede Menge Spiele herbei, die anfangs unbeachtet blieben. Rainer schlief auf der Bank ein und verzog sich knapp nach 21:00 ins rote Karo. Der Rest blieb noch eine Weile, damit wenigstens Alois und Igo eine Runde Memory spielen konnten.

Die Hütte war gemütlich, geräumig und sauber, das Essen gut und der Haushund (Golden Retriever) musste mit jedem der ins Freie ging mit, um seine Schätze vorzuführen: zerbissene Plastikflaschen, einen Holzstock, ein Kindersandsieb und einen ausgerissenen Erikastock (Heidekraut). Hinaus konnte er alleine, hinein musste man ihm die Tür öffnen, doch ging er nie sofort mit, sondern wartete immer, bis man schon drinnen war. Der laute Knall, wenn die Zeituhr das Licht ausschaltete, war weniger urig.

 
Montag, 1. November

Für early-birds gab es einen schönen Sonnenaufgang. Und  so nach 7:00 schälten sich alle aus den Schlafsäcken und Decken und versammelten sich um 8:00 zum Frühstück. 2 Schnitten Brot, dicke Butterscheiben, Marmelade, Tee, Kaffee.  Abmarsch um 8:40 mit  dem Ziel Unterberggipfel. Emmi, Helmut und Rainer enthielten sich der alpinen Erfahrung und zogen den Weg wieder zurück. Sie wollten zumindest sehen, was am Vortag in der Dunkelheit verborgen blieb (nicht viel). Um 09:05 waren sie bei einer obskuren Weggabelung, die durchaus dem vereinbarten Treffpunkt entsprach. Emmi verputzte ihr am Morgen verweigertes Frühstück und um 9:30 kam auch die Alpintruppe an. Sie hatte einen steilen Aufstieg über die Wiese hinter sich, wurde aber mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

Der ursprünglich geplante Abstieg wurde verworfen, weil er einen langen Strassenhatscher  beinhaltet hätte, und wir folgten dem Tipp des Wirten und nahmen knapp nach dem Bettelmannkreuz (10:15) den Enziansteig (10:30) ins Tal. Ein angenehmer Weg mit einigen wenigen Steigungen, der über Gras bewachsenen Waldboden führte. Um 10:55 Jausenpause auf einer sonnigen Lichtung und dann stetig bergab. Um 12:05 waren wir am oberen Ende von Thal und um 12:15 wurden wir im Gasthof Leitner wie lange vermisste Söhne begrüßt. Rainer war überglücklich, weil es das „Schnitzel Hawaii“, welchem Tante Franzi weiland so gerne zusprach, noch immer auf der Karte gab. Bestellt wurde aber keines. Die Suppen waren kräftig und gut. Der Rest auch. Allerdings konnten wir wieder die Erfahrung machen, dass in Gasthäusern immer geglaubt wird, dass Vegetarisches fad sein muss. Die Dinger stehen vermutlich nur als Alibi auf der Karte. Schade, aber die gebackenen Zucchini hätten mehr hergeben können. Dafür waren die Süßspeisen wieder ein Hammer für sich. Da mussten wir einfach bis 13:40 verweilen, um dann zügig die Mirafälle anzusteuern.

Um 14:10 waren wir beim kleinen Stausee über den Fällen, die wir im Schnelldurchgang absolvierten. Viele kannten sie und der Besucherstrom war gewaltig. Nach 20 Minuten kamen wir am unteren Eingang an. Obulus entrichten und dann über den Kirchenweg weiter nach Muggendorf und Pernitz. Um 15:10 trudelten wir am Bahnhof ein. Der Zug ging um 15:41, also Zeit für einige Mehlspeisen, Kaffee und Durstlöscher. Den Häuslschlüssel gab’s im Buffet.

Die Bahn war pünktlich, Chris Lohner war mit ihrer Haltewunschtaste auch an Bord, und nach  Umsteigen in Wiener Neustadt, waren wir um 18:20 wieder in Meidling.

 
Die Kraftanstrengung lässt sich nur erahnen und ist natürlich auch abhängig von der persönlichen Wetterfühligkeit.

Sonntag:
Bergauf  ca. 1310m
Bergab    ca.  485m
Reine Gehzeit 7h 30min (dabei sind die Pausen großzügig abgezogen!)

Montag:
Bergauf  ca.  325 m (-155 für Emmi, Helmut und Rainer)
Bergab   ca. 1085m (-155 m wie oben)
Reine Gehzeit  4h 35 min. Man braucht sich also auch im Umland von Wien nicht zu genieren!

Wer noch Luft hatte, konnte auch über wichtige Dinge diskutieren wie:

Eisenbahn fahren in A, CH und D   -   das bescheuerte Tarifgefüge in A und D   -   in der Schweiz ist es teurer, aber es gibt auch ein entsprechendes Angebot   -   wie spricht man wienerisch Kakao aus? (eher wie CanCan), „du musst noch viel lernen“    -   die unbrauchbare Stückelung bei Geldautomaten und wie man sie umgeht   -   die Farbe der Alarmpakete geht von den Fingern schlecht herunter   -   internationales  Kulinarium:  Schafsaugen in Afghanistan; obskure Meeresfrüchte in Lissabon mit schnabelähnlichem Aussehen; gebackene Kuheuter weiland im Quisisana zu Wien   -   Plumpsklos bei einer der letzten Wanderungen und jene im südlichen Umland Münchens   -   Operationen an der Nasenscheidewand  und die Verpflegung drumherum   -   Klagenfurt wächst   -   die bescheuerten Pläne der ÖBB   -     „spielen wir Strip-Poker?“ „ich borg dir meine Kniebandagen“ „super, da hab ich mehr zum Ausziehen“   -   „keiner kann so genüsslich und sinnlich von einem Schokoriegel abbeißen wie Alois!“    -  Perwoll  hat jetzt ein Waschmittel für Sportbekleidung, aber das gibt es nur in Deutschland   -  u.s.w.

Das Wetter hielt nicht, was die Vorhersage versprach. Sonne gab es nur am Montag und da auch nur eher nebenbei. Der Föhnwind war ein Sturm, aber es blieb trocken. Bei Schneefall wäre es hart am Goldrush in Klondike gewesen. Die Temperaturen allerdings hätten Jack Londons Schilderungen nicht entsprochen.

Trotzdem:  eine schöne, wenn auch anstrengende Herbstwanderung. Und wo die Wanderführer (selbst ohne Föhn) ihre Zeitangaben her haben, bleibt für immer verborgen. Schlussbemerkung: ZAAACH!

R.



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